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Krankenkassen-Service: So kommt man schneller an einen Termin beim Facharzt

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Berlin/München. Radiologe, Orthopäde oder auch der Augenarzt: Wer einen Termin beim Facharzt will, braucht Geduld. „Wir hätten da in sechs Wochen wieder was frei“, heißt es vielerorts in überfüllten Praxen. Selbst als Patient mit akuten Beschwerden wählt man sich die Finger wund.

Fast jeder vierte Patient (24 Prozent) muss inzwischen mehr als drei Wochen warten, ehe er einen Spezialisten zu Gesicht bekommt, so eine Umfrage des Dachverbands der gesetzlichen Krankenkassen, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin.

Zwar gibt es etwa 66.000 Facharztpraxen in Deutschland, doch vor allem auf dem Land und im Osten der Republik sind sie dünn gesät. So betreut ein Arzt in Hamburg im Schnitt rund 150 Patienten, sein Kollege in Brandenburg kommt fast auf das Doppelte.

„Wir bleiben dran, bis es klappt“

Der Termin-Service der Krankenkasse macht der lästigen Warterei ein Ende, mit der mitunter wertvolle Zeit für die Behandlung verstreicht. Denn die Vermittler der Kassen haben ihre Tricks – und oftmals die besseren Kontakte, um Versicherte früher in die Sprechstunde der Spezialisten zu hieven.

Fast alle großen gesetzlichen Kassen bieten einen solchen Termin-Dienst an, online oder am Telefon (Übersicht am Ende dieses Artikels).

„Wir bleiben dran, bis es klappt“, verspricht etwa die Techniker Krankenkasse (TK), mit fast neun Millionen Versicherten die größte gesetzliche Kasse in Deutschland.

„Vier Fünftel der Versicherten, die unseren Dienst kontaktieren, haben zuvor bereits selbst versucht, einen Termin beim Arzt zu bekommen“, so Peter Schieber von der Landesvertretung der TK in Bayern. „Sie haben aber keinen bekommen oder einen, der zu weit in der Zukunft liegt.“

Radiologen dringend gesucht

Rund 4.500 Mal im Monat wenden sich die TK-Versicherten deshalb an ihre Kasse. In 80 Prozent der Fälle kann sie helfen und trifft sogar den Wunscharzt des Versicherten. Manchmal gibt es jedoch keinen entsprechenden Facharzt in der Nähe. Schieber: „Wenn die Radiologen nicht wären, wären wir bei einer Vermittlungsquote von fast 100 Prozent.“ Die Röntgenärzte werden am häufigsten gesucht und sind am schwersten zu kriegen. Einzig Psychotherapeuten vermittelt die TK bisher noch nicht, da diese häufig Patienten vorher kennenlernen möchten.

Eine Spur Hartnäckigkeit ist erforderlich

Das Geheimnis der hohen Trefferquote? Die medizinisch geschulten Mitarbeiter suchen systematisch in einer bundesweiten Arztdatenbank. „Die bietet natürlich mehr als das Telefonbuch“, so Schieber. „Unsere Mitarbeiter kennen die entscheidenden Daten der Praxen und wissen, wann man sie am besten erreicht“, so der Sprecher. „Und eine Spur Hartnäckigkeit ist manchmal auch erforderlich.“

Die Kasse fragt zudem vorab Krankheiten sowie Voruntersuchungen und bisher an der Behandlung beteiligte Ärzte ab. So kommt der Patient optimal vorbereitet ins Wartezimmer.

Die Barmer Ersatzkasse hat bereits 2011 einen Terminservice eingerichtet. „Wir sind der Meinung, dass es Zeit ist für ein professionelles Termin-Management in den deutschen Arztpraxen“, sagt Sprecherin Katrin Herdejürgen in Berlin. 70 Prozent der Hilfe suchenden Patienten erhalten mit dem Wartezeiten-Management der Barmer innerhalb von drei Wochen einen Termin. Allein 2013 haben rund 7.000 Versicherte den Service genutzt. Herdejürgen: „Wir beobachten seit Jahren eine steigende Tendenz.“

Barmer schlägt drei zugelassene Ärzte vor

Und so geht’s bei der Barmer: Der Versicherte meldet sich in einer der Geschäftsstellen. Dort werden ihm drei zugelassene Ärzte vorgeschlagen. Es werden nur Fachärzte genannt, die auch mit der Krankenkasse abrechnen können, keine Privatärzte. Das Serviceteam vereinbart für den Versicherten einen Termin in der gewünschten Praxis. Auch das Angebot der Barmer lebt von persönlichen Kontakten: „Unsere Mitarbeiter sind in der Region eng mit Ärzten, Zahnärzten und medizinischen Einrichtungen verbunden. Das nutzen sie natürlich.“

77 Tage früher zum Augenarzt

Die DAK registrierte für ihren Terminservice sogar 14.721 Anfragen und konnte nach eigenen Angaben die meisten an den gewünschten Arzt vermitteln. Auch hier wurde am häufigsten um eine Vermittlung zu Radiologen gebeten, gefolgt von Neurologen, Orthopäden und Psychotherapeuten. „Die Zeit, die die Anrufer durch die Hotline sparen können, ist enorm“, sagt Helge Dickau, Sprecher der DAK. „Beim Radiologen kamen sie verglichen mit ihrem selbst ausgemachten Termin 25 Tage früher dran, bei den übrigen Fachärzten jeweils gut 40 Tage und beim Spitzenreiter Augenarzt im Schnitt 77 Tage.“

Neu eingerichtet hat die DAK ihren Online-Service für Arzttermine: Der vereinfacht sowohl die Suche nach einem Arzt in der Nähe als auch die Terminabsprache. In der Eingabemaske auf der Webseite (dak.de/arzttermine) gibt man Wohnort und gewünschte Fachrichtung ein. Daraufhin werden Praxen in der Nähe mitsamt der noch freien Termine angezeigt. Man wählt per Klick und gibt seinen Namen und Kontakt ein. Auf eine Bestätigungsmail folgt ein Anruf der Kasse, um Details zu klären – etwa, ob der Patient Hilfe beim Treppensteigen braucht.

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKs) sind in Sachen Terminservice unterschiedlich aufgestellt. Einige der elf selbstständigen Gesellschaften im Bundesgebiet haben den Dienst im Programm. So die AOK Rheinland/Hamburg: Hier können sich Versicherte über eine Hotline melden. Mitarbeiter der Kasse hängen sich ans Telefon und kümmern sich darum, innerhalb von drei Tagen den frühestmöglichen Termin zu besorgen.

Auch der Hausarzt kann helfen

Wer nicht warten will oder kann, hat noch eine Möglichkeit die Terminsuche zu beschleunigen. Manchmal hilft es, den Hausarzt um Unterstützung zu bitten, so ein Tipp der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Dann läuft die Anfrage von Kollege zu Kollege. Und der kann die Dringlichkeit der Behandlung beim Spezialisten vielfach besser begründen als der Patient.

Im Notfall in die Ambulanz

Und bei ganz akuten Beschwerden, die eine Notfallbehandlung verlangen, ist ein sofortiger Besuch in einer Arztpraxis, einer Notfallsprechstunde oder einer Ambulanz im Krankenhaus oder Uniklinik möglich. Darauf weisen alle Kassen hin. Denn da kommt man immer dran.

Termin-Services von gesetzlichen Krankenkassen:

In der AOK Baden-Württemberg können Versicherte online unter aok.de/baden-wuerttemberg selbst einen (Fach)Arzt suchen. Schnellere Terminvergabe verspricht das Facharzt-Programm der Kasse, für das sich Versicherte anmelden können: Der Hausarzt überweist, wenn medizinisch erforderlich, an teilnehmende Spezialisten. In dringenden Fällen bekommen Versicherte bei Vermittlung durch ihren Hausarzt innerhalb eines Tages einen Termin bei Fachärzten und drei Tagen bei Psychotherapeuten.

Die AOK Bayern unterstützt Versicherte, die wegen eines schnelleren Facharzttermins anfragen, individuell. Die Kasse hat aber nach eigenen Angaben nur sehr selten solche Anfragen, weshalb es auch keine Hotline gibt. Man wendet sich am besten an eine der 250 Geschäftsstellen im Freistaat.

Die AOK Bremen schiebt derzeit einen Service an, der mithilfe des Hausarzts frühere Termine beim Facharzt organisiert. Eine Hotline für Versicherte, die bei schweren Erkrankungen schnell eine Zweitmeinung vom Spezialisten brauchen, gibt es bereits. Das Angebot nennt sich „AOK-Duo“ und ist unter der Rufnummer 0421-176177222 erreichbar.

Auch die AOK Hessen hilft bei der Vermittlung von Facharzt-Terminen, etwa falls der Versicherte eine dringende Untersuchung braucht, aber selbst keinen zeitnahen Termin bekommen hat. Servicenummer 0800-0111511 oder über das Kontaktformular unter aok.de/hessen. Die Kasse stimmt sich mit dem jeweiligen Facharzt ab oder prüft, ob es einen früheren Termin bei einem anderen Spezialisten in der Nähe gibt. Es können allerdings keine Termine für Psychotherapeut, Hausarzt, Zahnarzt oder für stationäre Behandlungen vereinbart werden. Bei Rheumatologen muss die Terminvereinbarung über den behandelnden Arzt erfolgen.

Die AOK Niedersachsen verhilft unter 0800-0265637 bei drängenden Gesundheitsbeschwerden zu einer schnelleren Behandlung beim Facharzt. Der Patient muss allerdings zuvor schon einen Termin dort vereinbart haben. Ausgenommen sind Vorsorge und turnusmäßige Kontrollen. Innerhalb von drei Werktagen erhalten die Versicherten eine Nachricht mit dem zeitnahen Termin oder einen Zwischenstand.

Die AOK Nordost bietet unter der kostenfreien Rufnummer 0800-2656666 einen Arzttermin-Service an. Die Fachleute finden einen passenden Mediziner und optimieren auch bereits bestehende Termine. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Kasse zudem ein neues Überweisungsmodell: Patienten mit hochakuten Erkrankungen bekommen eine A-Überweisung und werden innerhalb eines Werktags von einem Facharzt übernommen. Weniger dringliche Patienten, bei denen sich jedoch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingestellt hat, erhalten eine B-Überweisung und den Facharzttermin binnen einer Woche.

Die AOK Rheinland/Hamburg hat einen Terminservice unter der Rufnummer 0800-0326326 (kostenfrei aus dem deutschen Fest- und Mobilfunknetz). Daneben können Versicherte unter aok.de/rheinland-hamburg eine Anfrage stellen (Formular „vigo-Arztterminservice“). Einfach Versicherten-Nummer eingeben und ankreuzen, ob man selbst schon probiert hat, einen Termin zu vereinbaren.

Versicherte der Barmer GEK wenden sich an ihre Geschäftsstelle am Ort, die telefonisch, per E-Mail oder persönlich zu erreichen ist.

Auch die DAK-Gesundheit bietet einen Arzttermin-Service an – sowohl online als auch telefonisch unter der Nummer 040-325325800, bundesweit zum Ortstarif und im Internet unter dak.de/arzttermine.

Den Termin-Service der Techniker Krankenkasse erreicht man unter der Telefonnummer 0800-285858000 vom Montag bis Freitag zwischen 7 und 22 Uhr. Der Anruf ist innerhalb Deutschlands gebührenfrei. Kontakt per E-Mail über ein Internet-Formular: tk.de.


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