Der billigste Anbieter ist nicht unbedingt der beste

Krankenkasse wechseln: Was man da jetzt wissen muss

Kontrolle beim Kinderarzt: Manche Kassen haben da Extras zu bieten. Foto: dpa

Berlin. Der einheitliche Beitragssatz der Krankenkassen ist bekanntlich zum Jahreswechsel gesenkt worden. Billiger wird’s deshalb nicht unbedingt: Die Krankenkassen dürfen nämlich Zusatzbeiträge erheben – die allermeisten tun das auch.

Viele Kassen nehmen da jetzt 0,9 Prozent vom Brutto (dann zahlt man summa summarum genauso viel wie 2014). Doch es gibt auch Kassen, die 1,2 oder 1,3 Prozent verlangen – und andererseits sogar einzelne, die gar keine Extrazahlung fordern.

Wobei nicht jede Kasse für alle offen ist und viele nur in bestimmten Bundesländern aktiv sind. Der günstigste Zusatzbeitrag einer bundesweit tätigen Kasse liegt derzeit bei 0,4 Prozent.

Der Unterschied zwischen einer teuren und einer billigen Kasse kann also ein paar Hundert Euro pro Jahr ausmachen. Wie viel genau, hängt natürlich auch vom Einkommen ab.

Wer sparen will, kann ganz einfach die Kasse wechseln. Allerdings ist es gut möglich, dass die momentan günstigsten Anbieter in den nächsten Jahren überdurchschnittlich teurer werden – letztlich müssen ja alle die steigenden Kosten der medizinischen Versorgung wuppen.

„Ob ein Wechsel sinnvoll ist, kann man letztlich nur individuell entscheiden“, erklärt Michaela Schwabe, Beraterin bei der Unabhängigen Patientenberatung in Berlin. Wie fast immer ist auch in Sachen Krankenversicherung nicht der billigste Anbieter der beste, sondern der mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Dabei kommt es auf Feinheiten an. „Die allermeisten Leistungen der Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben und deshalb bei allen Anbietern identisch“, sagt Schwabe. Trotzdem gibt es Unterschiede, etwa wenn es darum geht, ob eine Kasse Kosten für Naturheilverfahren übernimmt, teure Reiseimpfungen bezahlt oder spezielle Leistungen für Kinder anbietet.

Junge Familien haben da natürlich andere Ansprüche als reiselustige Singles. „Hier muss jeder selbst entscheiden, auf welche Extras er besonderen Wert legt“, so die Expertin.

Die jüngste Gesetzesänderung ist also ein guter Anlass, das Angebot der eigenen Krankenkasse mal zu überprüfen. Einen hilfreichen Vergleich von 77 Kassen bietet die unabhängige Stiftung Warentest für 3 Euro (unter test.de/krankenkasse).

„Jeder Versicherte, der mindestens 18 Monate lang Mitglied seiner Kasse war, kann normalerweise zum Ende des übernächsten Kalendermonats kündigen“, sagt Schwabe. Wer also beispielsweise im Februar kündigt, wird zum 1. Mai Mitglied der neuen Kasse. Bis dahin muss man aber die Zusatzbeiträge des bisherigen Anbieters zahlen.

Online-Überblick

Welchen Zusatzbeitrag nimmt welche Kasse? Die offizielle Liste im Web: gkv-zusatzbeitraege.de


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aktualisiert am 09.10.2017

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