Funkende Geldkarte

Kontaktlosem Bezahlen gehört die Zukunft

Fast die Hälfte aller Deutschen will bald so gut wie immer auf Bargeld verzichten, so ein Studie des Digitalverbands Bitkom. Die Technik dafür steckt schon in vielen Giro- und Kreditkarten: ein Funkchip.

Hände frei für Wichtigeres: Kontaktloses Zahlen an der Kasse im Supermarkt. Foto: Lidl

Hände frei für Wichtigeres: Kontaktloses Zahlen an der Kasse im Supermarkt. Foto: Lidl

Berlin. Ob im Supermarkt, beim Tanken oder im Café – ein Leben ohne Geldscheine und Münzen wird für immer mehr Menschen denkbar. Fast die Hälfte der Deutschen will laut Digitalverband Bitkom in Berlin in Zukunft so gut wie immer auf Scheine und Münzen in der Geldbörse verzichten.

Das wird bald dank kontaktloser NFC-Bezahltechnik deutlich komfortabler. Dabei funkt ein Chip eingebaut in die Geldkarte oder ins Smartphone die erforderlichen Daten. Hält man sie nur wenige Zentimeter entfernt an den Kassenscanner, übernehmen sie so den Bezahlvorgang. „Das hat großes Potenzial und wird sich in den nächsten Jahren durchsetzen“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Vorteil dieses „Mobile Payments“: Statt Zeit mit dem Einstecken der klassischen Giro- oder Kreditkarte in das Lesegerät zu verplempern, ist der Betrag quasi im Vorbeigehen beglichen. Der Clou daran: Einkäufe unter 25 Euro sind ohne Pin und Unterschrift möglich. Knapp ein Drittel der Deutschen hat auf diese Weise im vergangenen Jahr schon einmal bezahlt. Tendenz steigend. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in München. „Die Kunden bewerten den Einkauf mit kontaktlosem Bezahlen als unkomplizierter“, so Nikolas Beutin, Experte für Mobile Payment bei PwC.




Mittlerweile sind 16 Millionen Geldkarten mit dem Funkchip ausgestattet. In diesem Jahr sollen nochmals 30 Millionen hinzukommen. Sie können an 80.000 NFC-fähigen Kassen in Supermärkten, Discountern und Warenhäusern genutzt werden. Und auch diese Karten könnten überflüssig werden, wenn das Smartphone zur Brieftasche wird. Die Kontodaten sind dann in einer „Wallet-App“ auf dem Handy gespeichert, einer digitalen Börse. Der Datentransfer geschieht ebenfalls per Funk.

Gerade da aber sieht die Studie noch eine ernst zu nehmende Hürde für die neue Bezahltechnik: die Sicherheit. „Die Leute fürchten um ihre Daten“, sagt Beutin. 85 Prozent der Umfrageteilnehmer haben Angst, dass die gehackt oder missbraucht werden.

Etwa indem spezielle Geräte die übermittelten Daten abfangen. Technisch möglich wäre das. Bitkom-Mann Rohleder gibt dennoch Entwarnung. Der Chip funke keine persönlichen Daten. Und die geringe Reichweite des Signals verhindere ein Bezahlen aus Versehen. Sein Fazit: „Kontaktloses Bezahlen ist nicht risikoreicher als herkömmliches Zahlen mit den heute üblichen Karten.“

Wer skeptisch bleibt, kann seine neue Giro- oder Kreditkarte günstig schützen: Einfach in eine speziell beschichtete Abschirmhülle stecken. Die stellen manche Banken kostenlos zur Verfügung.

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