Konsum

Kommt ein Schnitzel geschliddert

Wie viel Service wollen wir eigentlich?

Automatenfütterung für Menschen – im  Nürnberger Restaurant „‘s Baggers“ ist der Schrecken aller Gourmets  Realität. Kellner sucht man dort vergebens: Die Gäste bestellen per Touchscreen, wenig später schliddern ihnen dann mit deftiger Frankenkost befüllte Näpfe über ein stählernes Schienensystem vor die Nase.

„Am Tisch braucht man keinen Service“

Auch wenn das manch einen an einen Schweinemastbetrieb erinnern mag: Der Laden läuft. Gerade am Wochenende schauen Gäste ohne Reservierung meist nur in die Röhre. Für Betreiber Stefan Mack ist der Erfolg der service- und kellnerfreien Kneipe keine Überraschung: „Am Tisch braucht man keinen Service.“

 

Das kann ja heiter werden: Erst  Geld-,  dann  Check-In- und Paketautomaten, jetzt auch noch vollautomatische Futterstationen – will denn kein Mensch mehr für anständigen Service zahlen?

„Im europäischen Vergleich haben die Deutschen eine besondere Service-Mentalität“, sagt Wolfgang Twardawa von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung. Mehr als zum Beispiel die Engländer und Franzosen achten die Deutschen beim Konsum auf den Preis. Zwar seien die Verbraucher neuerdings wieder bereit, mehr für Qualität auszugeben. „Aber hierzulande bedeutet Qualität in erster Linie Produktqualität, der Service spielt eher unterbewusst eine Rolle“, so Twardawa.

Immerhin: Eine Insel des Servicegedankens haben auch die Deutschen auf ihrer mentalen Landkarte entdeckt. „Wenn Service Zeitersparnis bedeutet, den Alltag entstresst, dann wird dafür auch gern gezahlt“, sagt Twardawa. Das könne die heiße Theke beim Metzger nebenan oder der  Ersatzwagen im Autohaus sein. „Dieses Sich-um-den-Kunden-kümmern, das Leben einfacher machen: Das sind die Services der Zukunft“, glaubt auch der Zukunftsforscher  Andreas Steinle.

 

Wiedergeburt des Tankwarts

Anfänge zumindest sind bereits sichtbar. So hat der Mineralölriese Shell den Tankwart wiederbelebt. An mittlerweile 500 Shell-Stationen checkt er wieder Öl- und Kühlwasser. Mehrkosten für den Kunden: 1 Euro. „Die Kunden finden’s klasse“, so Shell-Sprecherin Cornelia Wolber zu AKTIV. 1000 neue Jobs sind so entstanden.

Zurück zum „‘s Baggers“ in Nürnberg. Ganz ohne Personal kommt man da auch nicht aus: Die Teller werden abgeräumt – und zwar von Menschen. Das macht doch Mut, oder?

Ulrich Halasz


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