Tipp der Woche

Kleine Dienste unter Freunden


Den Pinsel schwingen: Oft wird beim Auszug gestrichen – schön, wenn ein Kumpel hilft. Fotos: Caro (1), Privat

Wo hört die Hilfe auf, wo fängt die Haftung an?

Tübingen. Ein Freund zieht um: Man packt mit an, sogar beim Streichen der alten Wohnung. Ein anderer Kumpel ist ab und an gefragt, wenn es um Reparaturen am altgedienten Auto geht. Keine große Affäre – ist doch klar, dass man sich gegenseitig aushilft! Aber was gilt, wenn dabei etwas schiefgeht? Und wie oft darf man den Pinsel schwingen?

„Gelegentliche Gefälligkeitshilfen zwischen Nachbarn, Verwandten oder Freunden sind definitiv keine Schwarzarbeit“, erklärt Hartmut Kilger, Fachanwalt für Sozialrecht und bis vor kurzem Präsident des Deutschen Anwaltvereins.

Wenn es als Dank für solche Hilfe ein Scheinchen gibt, ist das auch kein Problem. Tauschgeschäfte – „Ich bau dir die Fenster ein, dafür kachelst du mein Bad“ – gelten laut Kilger in aller Regel ebenfalls nicht als Schwarzarbeit.

Anders sieht die Sache aus, wenn regelmäßig Geld fließt, weil man immer wieder für je 20 Euro den Rasen mäht oder bei allen Nachbarn die Fenster putzt. „In solchen Fällen kann es leicht passieren, dass die Behörden eine ,nachhaltige Gewinnerzielungsabsicht’ unterstellen, und damit: Schwarzarbeit.“

Verschärfte Vorschriften

Ist der Helfer vom Fach, wird es besonders heikel. Wenn also beispielsweise eine Friseurin quer durch die Nachbarschaft gegen Bares Haare schneidet. Dann ist die Grenze zur Schwarzarbeit fast immer überschritten. „Und die Regelungen sind massiv verschärft worden“, warnt Kilger, „inzwischen gibt es sogar Ermittler, die direkt in den Wohngebieten unterwegs sind und beispielsweise prüfen, wer denn da den Rasen mäht.“

Ausgesprochen blöd: Wenn beim Helfen was passiert.

Die Schuldfrage

Jeder haftet grundsätzlich nur für Schäden eines anderen, wenn er eine Mitschuld am Geschehen hat. Ein Umzugshelfer, der „einfach so“ gegen einen Türrahmen rennt, kann keinen für die Beule am eigenen Kopf haftbar machen.

Vorsatz & Co.

Wer andere „vorsätzlich“ schädigt, also mutwillig, haftet immer: Stößt man jemanden absichtlich von einer Leiter, muss man dafür bezahlen. Das Gleiche gilt bei „grober Fahrlässigkeit“: Wenn vorhersehbar ist, dass höchstwahrscheinlich was passiert. Gibt also der Nachbar dem Helfer eine marode Leiter, haftet er, wenn diese Leiter zusammenkracht und der Helfer sich etwas bricht.

Leichte Fahrlässigkeit

Anders aber, wenn der Nachbar seine Leiter versehentlich umstößt: Dafür haftet er laut Kilger oft nicht. Wo sich Freunde helfen, werden Risiken der „leichten Fahrlässigkeit“ zu ihrem Problem! „Die Rechtsprechung unterstellt häufig, dass bei Gefälligkeitshilfen die Haftung bei leichter Fahrlässigkeit ausgeschlossen ist.“

Wenn also ein Umzugshelfer unabsichtlich den Fernseher fallen lässt, muss er den Schaden aus rein juristischer Sicht oft nicht ersetzen. Das kaputte TV-Gerät ist dann auch kein Fall für die Haftpflichtversicherung des Helfers – weil ja gar keine Haftung besteht.

Um späteren Streit zu vermeiden, sollten sich beide Seiten über diese Dinge im Klaren sein. Nützlich ist auch eine schriftliche Bestätigung àla „Ich reinige heute aus Gefälligkeit die Dachrinne von Max Mustermann.“

Automatisch versichert?

Wenn der Helfer dabei abstürzt, gilt eine Besonderheit: „Man sollte bei körperlichen Schäden des Helfers prüfen, ob die gesetzliche Unfallversicherung eintritt“, rät Experte Kilger. Denn es könnte – ohne jeden Papierkram! – Versicherungsschutz bestehen, wenn die Hilfe einem „fremden Unternehmen“ dient. Das werde oft weit ausgelegt: So könnten etwa Eltern versichert sein, die ein Klassenzimmer streichen.

Bei Schwarzarbeit holt sich die Unfallversicherung allerdings das Geld vom Auftraggeber zurück – und das wird dann richtig teuer.

Silke Becker

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