Staat hilft beim Studium

Kaum bekannt: Guten Facharbeitern winkt das Aufstiegsstipendium

Der traut sich was zu! Nach der Ausbildung fängt für manche das Lernen erst richtig an … Foto: Fotolia

Bonn. Studieren kann man auch ohne Abi. Wer begabt ist und schon Praxis im Beruf hat, bekommt dafür sogar Geld vom Staat: Die Stiftung Begabtenförderung für berufliche Bildung (SBB) vergibt jährlich bis zu 1.000 sogenannter Aufstiegsstipendien – an Fachkräfte, die in ihrer Ausbildung oder danach mit besonderen Leistungen glänzen.

Das kaum bekannte und steuerfreie Stipendium wird im Auftrag des Bildungsministeriums vergeben: als Teil der Initiative „Aufstieg durch Bildung“, die für mehr Durchlässigkeit in der Gesellschaft sorgen soll.

Wer Vollzeit an der Uni büffelt, kann monatlich 750 Euro bekommen (670 Euro Grundförderung plus 80 Euro Büchergeld). Wer kleine Kinder hat, bekommt zudem eine Betreuungspauschale. Bei einem berufsbegleitenden Studium winken 2.000 Euro im Jahr. Gefördert wird bis zum ersten akademischen Abschluss (in der Regel ist das der Bachelor).

Für die Bewerbung zählt nicht der Schulabschluss, sondern nur das Können im Job: Bewerber brauchen einen Ausbildungsabschluss, der besser ist als Note 2,0, und mindestens zwei Jahre Erfahrung am Arbeitsplatz. Ein vorderer Platz in einem überregionalen beruflichen Wettbewerb oder ein „begründeter Vorschlag“ seitens der Firma gelten laut SBB ebenfalls als Talent-Beweis.

Auf die Auftakt-Bewerbung per Internet folgt gegebenenfalls ein Online-Fragebogen („Kompetenz-Check“) und schließlich ein Bewerbungsgespräch. Für die zweite Staffel 2015 ist eine Online-Bewerbung vom 14. April bis voraussichtlich 29. Juni möglich (über die Seite aufstiegsstipendium.de – dort auf den Reiter „Bewerbung“ klicken).

Eine Altersgrenze gibt es nicht! Auch wer schon etwas länger im Arbeitsleben steht, kann sich bewerben. Die Hälfte der bisher Geförderten war nach der Lehre schon fünf Jahre oder länger im Betrieb.

Seit Beginn des Programms 2008 sind rund 6.000 Stipendien vergeben worden. Zum Beispiel an Bosch-Mitarbeiter Yasin Yüksel. Der ehemalige Hauptschüler aus Esslingen war einer der ersten Stipendiaten, er schaffte es vom Industriemechaniker zum Ingenieur. In einem der lesenswerten „Alumni-Interviews“ auf der Homepage sagt Yüksel: „Ganz wichtig ist es bei einem berufsbegleitenden Studium, sich andere Studierende aus der Region zu suchen und regelmäßig in einer Arbeitsgruppe zu treffen. Man kann sich gegenseitig helfen und auch schwere Zeiten überstehen.“

Übrigens: Wer schon an der Uni ist, kann sich nachträglich bewerben – bis zum Ende des zweiten Semesters.


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Der Schulabschluss spielt keine Rolle mehr – allein die berufliche Leistung zählt: Wer seinen Job prima beherrscht und unter 25 ist, kann sich um das staatliche Weiterbildungsstipendium bewerben. Mit guten Chancen!

Meister werden, oder auch Techniker, Betriebsinformatiker, Bilanzbuchhalter und so fort: Für eine Aufstiegsfortbildung gibt’s Geld vom Staat. Ab August sind die Regeln dafür viel großzügiger. AKTIV erklärt die Reform.

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