Gesundheit

Karies weg – ohne Bohren!


Gute gegen schlechte Bakterien: OrganoBalance entwickelt Produkte für besonders schonende Zahnpflege

Berlin. Biologische Prozesse „nachahmen“ und zur medizinischen Therapie nutzen – daran wird seit Jahren geforscht, jetzt mehren sich die Anwendungen.

 

Ein Beispiel kommt von der OrganoBalance GmbH aus Berlin: mit Biotechnologie für gesunde Zähne!

„Wir haben erstmals ein Verfahren entwickelt, um Karies-Bakterien mit harmlosen Milchsäure-Bakterien den Garaus zu machen“, berichtet Geschäftsführerin Christine Lang.  „Ende  dieses  oder  Anfang nächsten Jahres werden wir ein entsprechendes Zahnpflege-Kaugummi und eine entsprechende Zahncreme auf den Markt bringen.“

 

Putzen allein reicht oft nicht

Die kleine Laborfirma, die 2001 gegründet wurde und mittlerweile 25 Mitarbeiter beschäftigt, züchtet spezielle Bakterien-Stämme. Wohlgemerkt auf konventionellem Wege in Nährlösungen, mit Gentechnik hat diese Form der Biotechnologie nichts zu tun.

 

Ein besonderer Stamm  Bakterien, so fand man heraus, eignet sich vorzüglich als Karies-Killer. „Sie heften sich an die Karies-Bakterien an, verklumpen mit ihnen und lassen sich ganz einfach aus dem Mund spülen“, erklärt Lang die Wirkungsweise, die schon vielfach getestet und bewiesen wurde.

Jahrelang forschte das Unternehmen gemeinsam mit dem Chemie-Riesen BASF daran, wie man aus diesem Wissen ein Produkt macht. Jetzt ist es greifbar nahe.

 

„Im Unterschied zu herkömmlichen Zahnpflege-Mitteln beeinflusst unser Produkt in der Mundflora ausschließlich die  Verbreitung der Karies-Bakterien“, betont die Firmenchefin den schonenden Ansatz der Therapie. Streptococcus mutans, so der lateinische Name der Zahn-Kaputtmacher, lassen sich zwar auch durch eine vernünftige Ernährung und fleißiges Putzen in Schach halten. Aber das ist eben millionenfach nur Theorie. „Bei mangelhafter Zahnhygiene, viel Zucker in der Nahrung und schlecht gestellten Zähnen schafft man ideale Voraussetzungen für die Vermehrung dieser schädlichen Bakterien.“

Noch 8.000 Ideen in petto

Je mehr von ihnen in der Mundhöhle vorhanden sind, desto sicherer ist die Karies: Die schädlichen Bakterien siedeln sich im Zahnbelag an und bilden aus dem Zucker organische Säuren, die dem Zahnschmelz die Mineralien und damit die Stabilität entziehen. „Unsere Neuentwicklung“, so versichert Lang, „reduziert bei richtiger Anwendung die Zahl der Karies-Bakterien auf ein Minimum.“ Dann kann der Zahnarzt beim nächsten Termin den Bohrer stecken lassen.

Damit sind die Ideen der Firma noch lange nicht ausgeschöpft. Über 8.000 Bakterien-Stämme harren in der Unternehmens-Bibliothek noch ihrer speziellen Anwendung. Auf bestem Wege sind zum Beispiel probiotische Cremes für eine gesunde Haut oder ein Mittel gegen lästigen Körpergeruch.

Uwe Rempe

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