Der Kult um den Kaffee

Kapsel- und Vollautomaten sind Status-Symbole


Hamburg. Belebende Dosis Koffein für eine strukturschwache Region. An der mecklenburgischen Ostseeküste baut der Lebensmittelkonzern Nestlé eine neue Fabrik. In Schwerin sollen künftig die immer beliebteren Kaffeekapseln produziert werden.

Zwei Milliarden der kultigen kleinen Container sollen ab 2014 jährlich von den Fließbändern purzeln. 220 Millionen Euro kostet das Mega-Projekt. Rund 450 Arbeitsplätze könnten entstehen.

Die Lust der Deutschen auf Kaffee ist ein großer Wirtschaftsfaktor. „Seit 2005 hat sich der Absatz von Kapseln, Pads und Discs verzehnfacht“, sagt Britta Zietemann vom Kaffeeverband in Hamburg.

Zuletzt wurden hierzulande im Jahr mehr als fünf Milliarden Stück verkauft. Das entspricht 37.650 Tonnen Einzelportionen Kaffee. Pads führen den Markt an. „Die Nachfrage nach Kapseln wächst jedoch viel stärker“, sagt Zietemann. Die Branche jubelt. Schließlich verzeichnen auch die Hersteller der Kaffeeautomaten für die heimische Küche oder das Büro Zuwachsraten von 30 bis 50 Prozent.

In jedem vierten deutschen Haushalt steht mittlerweile eine Portionsmaschine, so die Schätzungen. „Der Kaffee auf Knopfdruck gehört zum Lifestyle unserer dynamischen Gesellschaft“, sagt die Expertin, „in Dutzenden Geschmäcken und aus schick designten Maschinen.“

Unternehmen stecken Millionen Euro in neue Werke

Auch für den Hersteller Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH) ist Kaffee der Wachstumstreiber schlechthin: Bis heute wurden mehr als fünf Millionen Geräte mit dem Namen „Tassimo“ verkauft. Im bayerischen Traunreut hat BSH deshalb kürzlich für 2,4 Millionen Euro ein Kompetenzzentrum für Kaffeemaschinen aufgebaut. 140 Experten entwickeln dort die neuesten Trends. 2013 sollen noch mehr Arbeitsplätze entstehen.

Auch luxuriöse Vollautomaten mit Mahlwerk boomen. Rund 400.000 Stück hat die Branche 2011 bundesweit verkauft, errechneten Marktforscher. Die Geräte kosten zwischen 300 und mehr als 1.000 Euro.

Und obwohl Deutschland doch eigentlich das Land der Schnäppchenjäger ist: Der hohe Preis für den schnellen Kaffeegenuss schreckt die Fans nicht ab. Eine Kapsel kostet um die 30 Cent. Das Alu- oder Kunststoff-Döschen umschließt jedoch nur ungefähr sechs Gramm Kaffee. Insgesamt schlägt ein Kilogramm so mit gut 50 Euro zu Buche, das ist circa sechsmal so viel wie zwei Pfund gemahlener Kaffee aus dem Supermarkt-Regal.

„Dafür wird aber auch deutlich weniger Kaffee in den Ausguss geschüttet“, sagt Zietemann. Und: Warmgehaltener Kaffee hat ausgedient. Die punktgenaue Zubereitung spare auf lange Sicht also auch Energie.

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