Social Media

Kampf der Giganten


Wahnsinn im Web: Wie die Internet-Riesen Facebook und Google um die Vorherrschaft kämpfen

Köln. Es ist das Duell um die Vormacht im Reich des Internets, und der Sieger wird keine Gnade kennen: Google gegen Facebook!

Mit seinem neuen Dienst „Google+“ versucht der König der Suchmaschinen seit Juli, seinem Konkurrenten Facebook die User abzujagen. Und zwar auf dessen ureigenem Territorium: bei Social Media, den sozialen Netzwerken.

Soziale Netzwerke? Während noch vor wenigen Jahren höchstens ein paar Freaks wussten, was das ist, sind die Online-Treffpunkte mittlerweile zum Tummelplatz der Massen geworden. Millionen Nutzer treffen sich in dieser virtuellen Welt, diskutieren, teilen Fotos und Videos oder bewerten das Hotel vom letzten Sommerurlaub.

Vom „Fratzenbuch“ zur Fußgängerzone

Das mag zwar nach Freizeit-Beschäftigung klingen. Ist in Wahrheit aber ein MilliardenMarkt. Experten glauben, dass insbesondere mit Social Media bald das ganz große Geld verdient wird. „Unternehmen wie Facebook werden die Fußgängerzonen der Zukunft werden“, glaubt der Hamburger Zukunftsforscher Eike Wenzel. Grund dafür: Die weltweit etwa 700 Millionen Facebook-Mitglieder gewähren mit ihren Statusmitteilungen bereitwillig Einblick in Lebens- und Konsumgewohnheiten. Für Firmen ein wahrer Datenschatz. „Facebook wird Firmen irgendwann komplette Nutzer-Profile verkaufen“, sagt Wenzel.

Schon heute ist die einst als Plauder-Plattform oder „Fratzenbuch“ verspöttelte Site fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation vieler Firmen geworden.

Beispiel BMW: Munter füttert der Autobauer auf seiner Facebook-Seite die User mit Produkt-Infos, verknüpft die Premieren neuer Modelle gern mal mit Online-Aktionen. „Social Media ist für uns unverzichtbar“, sagt Tino Kühnel, BMW-Marketing-Manager.

Die User honorieren das: Fast 6,5 Millionen Facebook-Freunde darf BMW bereits verzeichnen. Trotzdem ist noch Luft nach oben: Sage und schreibe 34 Millionen User lassen sich von den Werbebotschaften des Brausebrauers Coca-Cola den Tag versüßen.

Von solchen Erfolgsgeschichten angezogen, drängen mehr und mehr Firmen auf die Plattform, um dort zu werben, Kunden zu umschmeicheln oder auf die Suche nach neuen Mitarbeitern zu gehen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg freut’s: Sprudelnde Werbeeinnahmen sorgten im ersten Halbjahr 2011 für einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Ein Ende des Social-Media-Booms ist nicht in Sicht. Ende 2012 könnte Facebook den Gang an die Börse wagen, dort mit einem Schlag 100 Milliarden Dollar wert sein! So viel wie Daimler, Lufthansa und Adidas zusammen!

Ist das bloß ein Hype, eine neue Dot.com-Blase? Der Ökonom Erskine Bowles sieht das anders. „Facebook ist zu einer transformierenden Kraft in der Welt geworden“, sagt der Ex-Stabschef des Weißen Hauses und heutige Facebook-Verwaltungsrat.

Was er meint: Autobauer oder Fluglinien gibt es viele. Die Strahlkraft eines Webriesen, dem Abermillionen folgen, hat keines dieser Unternehmen.

475.000 Jahre im sozialen Netzwerk

Und jetzt drängt also auch noch Google auf den Social-Media-Markt. Und der Auftakt seines Dienstes „Google+“, einer verbesserten Facebook-Blaupause, ist gelungen. Wenige Wochen nach der Einführung im Sommer verzeichnete Google+ bereits 25 Millionen Mitglieder. „Was für ein Start, ich könnte nicht stolzer auf das Team sein“, jubelte Projektchef Vic Gundotra kurz darauf im Firmenblog. Seither soll die Zahl der Nutzer täglich um eine Million steigen.

Aber: Der Gigant braucht diesen Erfolg dringend. Zwar knackte Google laut dem US-Marktforscher Comscore im Mai als erstes Web-Unternehmen die Marke von einer Milliarde Nutzern im Monat. Doch die Kalifornier spüren den heißen Atem von Facebook, das 714 Millionen User anzog.

Und: Die Internetgemeinde verbringt mittlerweile mehr Zeit mit Facebook als mit Google. Während die User im Mai dieses Jahres zusammengerechnet unfassbare 250 Milliarden Minuten „facebookten“ (also etwa 475.000 Jahre!), blieben für alle Google-Dienste inklusive dem Video-Portal Youtube „nur“ 200 Milliarden Minuten übrig.

Jetzt aber läuft Googles Gegenschlag. Der Kampf um die Web-Vorherrschaft tobt. Und das Ende ist offen.


 

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