Krach lass nach!

Jeder hat ein Recht auf Ruhe – aber was heißt das genau?

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Der Typ nebenan hat die Stereoanlage voll aufgedreht. Im Erdgeschoss rumst dauernd die Tür zum Kinderzimmer. Und der Mieter im dritten Stock klimpert stundenlang auf dem Klavier: Lärm kann nerven – und auf Dauer sogar krank machen. „Lärmbelästigung ist ein typischer Fall für Streitigkeiten in der Nachbarschaft“, weiß Beate Heilmann, Fachanwältin für Immobilienrecht in Berlin. Im Gespräch mit AKTIV verrät sie, wo die Grenzen sind.

Grundsätzlich gilt: Normale Wohngeräusche wie Schritte, Töpfeklappern oder Stühlerücken muss man hinnehmen. Natürlich sollte jeder Bewohner „ein gewisses Maß an Rücksicht und Toleranz mitbringen, damit das Zusammenleben in der Hausgemeinschaft funktioniert“, sagt Heilmann. „Staubsaugen am Sonntagmorgen ist keine gute Idee, wenn man mit den Nachbarn auskommen will.“

In der Nacht gilt Zimmerlautstärke

Vor allem die Nachtruhe ist wichtig: Zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens sollte man dem Nachbarn jede Ruhe gönnen. Die ist sogar vom Gesetzgeber geschützt – während dieser Zeit gilt Zimmerlautstärke. Das bedeutet: Geräusche, zum Beispiel auch CD- oder TV-Klänge, dürfen außerhalb der Wohnung praktisch nicht zu hören sein.

Lautes Feiern ist entgegen oft zu hörender Vermutungen weder „einmal im Monat“ noch „dreimal im Jahr“ erlaubt! Also auch am Party-Abend ab 22 Uhr die Fenster schließen, die Musik leiser drehen – und die Gäste bitten, etwas ruhiger zu werden. Oder die Nachbarn gleich mit einladen: Wer dabei ist oder dabei sein könnte, wird sich wohl kaum beschweren.

Zimmerlautstärke gilt normalerweise auch in der Mittagszeit zwischen 13 und 15 Uhr: Hier ist die Ruhe zwar nicht gesetzlich geregelt, aber in den meisten Hausordnungen um des lieben Friedens willen vorgeschrieben.

Notfalls ein Lärmprotokoll führen

Doch was tun, wenn sich ein Nachbar wiederholt nicht daran hält? „Zunächst ein klärendes Gespräch führen“, rät Anwältin Heilmann. Als zweiten Schritt sollte man sich schriftlich beim Krachmacher beschweren und ihn auffordern, den Lärm zu unterlassen.

Hilft das nichts, bleiben in Mietshäusern laut Heilmann zwei Wege: Eine Beschwerde beim Vermieter einlegen und ihn auffordern, für Ruhe zu sorgen. Am besten geht das mit einem Lärmprotokoll, in dem man die Störungen mit Datum, Uhrzeit und eventuellen Zeugen ein paar Wochen lang notiert hat.

Der Vermieter kann den Störenfried abmahnen und ihm im Extremfall kündigen.

Bei Lärm, den der Vermieter nicht unterbinden kann, darf die Miete gemindert werden. Dabei kommt es darauf an, wie stark der Lärm den Aufenthalt in der Wohnung beeinträchtigt. „Lautes Gedröhne und Gestreite jede Nacht ist eine starke Beeinträchtigung, bei der man die Miete unter Umständen um 20 Prozent mindern kann“, erklärt Heilmann.

Oft landet Lärm vor Gericht – einige Beispiele

Man kann als Mieter auch selbst aktiv werden und Unterlassungsansprüche vor Gericht geltend machen. Da wird es allerdings knifflig: Die Beweislast trägt immer der, der sich gestört fühlt. Und die Gerichte entscheiden von Fall zu Fall. Einige Beispiele:

Mit Stöckelschuhen auf Laminat? Lieber nicht: Der Trägerin solchen Schuhwerks ist es zuzumuten, dieses an der Wohnungstür abzulegen, damit sich die darunter wohnende Mieterin nicht gestört fühlt (Landgericht Hamburg, 15.12.2009, S 14/09).

Männer dürfen im Stehen urinieren, auch wenn die Nachbarn das Plätschern stört (Amtsgericht Wuppertal, 14.1.1997, 34 C 262/96). Körperhygiene im Badezimmer ist auch nach 22 Uhr erlaubt (Landgericht Köln, 17.4.1997, 1S 304/96). Duschen darf man dann allerdings nicht länger als eine halbe Stunde (Oberlandesgericht Düsseldorf, 25.1.1991, 5 Ss411/90).

Wiederholtes lautes Streiten und Gestöhne beim Sex sind eine unzumutbare Belästigung (Amtsgericht Warendorf, 19.08.1997, 5C 414/97). Mieter dürfen keine Lustgeräusche verursachen, die die Zimmerlautstärke überschreiten, so das Gericht.

Was nachts auch nicht geht: lautes Werkeln. Das zeigt der Fall eines Bastlers, der munter den Motor seiner Säge laufen ließ. Die Richter ließen das Gerät beschlagnahmen (Oberlandesgericht Karlsruhe, 25.3.2010, 14 Wx 9/10).

Wer musiziert, darf auch mal lauter sein

Außerhalb der Ruhezeiten sind täglich zwei Stunden Musizieren erlaubt. „Klavier zum Beispiel kann man nicht in Zimmerlautstärke spielen“, so Expertin Heilmann. „Würde das vorausgesetzt, könnte man auf manchen Instrumenten zu Hause gar nicht üben.“

Einem Hund kann man das Bellen nicht verbieten. Jault das Tier jedoch den ganzen Tag, ist das ein Grund zur Beschwerde. Das Aufhängen einer Pendeluhr wiederum gehört zum normalen Gebrauch einer Wohnung – auch wenn das halbstündliche Schlagen der Uhr in der Nachbarwohnung deutlich zu hören ist (Amtsgericht Spandau, 25.6.2003, 8C 13/3).

Kinder genießen übrigens besondere Freiheiten: Wenn die Kleinen poltern, toben, weinen oder schreien, muss das in der Regel geduldet werden. Allerdings gehören laute Spiele, etwa Üben mit den Rollerskates, nicht in den Flur, sondern nach draußen (Amtsgericht Celle, 17.6.2002, 11 C1768/01).


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