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Öko-Trend

Imkern in der Stadt: Ausgerechnet dort finden Bienen reichlich Futter

Für die Honigbiene liegt die Zukunft in der Stadt. Zwischen Häuserschluchten und auf Dächern findet sie reichlich Nahrung und wird neuerdings von Stadt-Imkern gehegt und gepflegt.

Geschäftiges Treiben: Viele Stadt-Imker halten ihre Völker auf Hausdächern. Foto: Getty

Geschäftiges Treiben: Viele Stadt-Imker halten ihre Völker auf Hausdächern. Foto: Getty

Viel Arbeit: Jetzt im Frühjahr müssen die Bienen gezählt werden. Foto: Getty

Viel Arbeit: Jetzt im Frühjahr müssen die Bienen gezählt werden. Foto: Getty

Wachtberg. Mehr Sonne, steigende Temperaturen – das bringt Leben in die Bienenstöcke. Die fleißigen Arbeiterinnen haben jetzt einen wichtigen Auftrag: Nahrung heranschaffen für den Nachwuchs!

Und das tun sie immer öfter in Städten wie Stuttgart, Regensburg, München oder Berlin. „Dort gibt es mittlerweile fast fünfmal so viele Bienenvölker pro Hektar wie auf dem Land“, sagt Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbunds (D.I.B) in Wachtberg bei Bonn.

Dass es zwischen den Häuserschluchten summt und brummt, ist auch dem Trend des Stadt-Imkerns zu verdanken. „Darin sehen vor allem viele junge Leute einen persönlichen Beitrag zum Naturschutz“, weiß Chef-Imker Maske. Meistens hielten sie nur ein oder zwei Bienenvölker: „Der Honigertrag ist für sie Nebensache.“

Das Hobby vieler Städter hat die Zahl der Imker in Deutschland kräftig steigen lassen. Waren es 2007 etwas über 87.000, stieg ihre Zahl bis 2017 auf knapp 127.000. Sie kümmern sich derzeit um rund 880.000 Bienenvölker.


Den Appetit deutscher Honigliebhaber können die heimischen Insekten bei weitem nicht stillen

„Es könnte gern noch mehr geben“, wünscht sich Maske. Denn der Appetit der Deutschen ist mit der heimischen Produktion von zuletzt gut 28.000 Tonnen Honig kaum zu decken. Im Schnitt vertilgt jeder von uns pro Jahr etwa ein Kilo Honig. Das ist europaweit spitze. Deshalb wurden allein 2017 laut Statistischem Bundesamt fast 90.000 Tonnen im Wert von 267 Millionen Euro importiert.

Wildblumenwiesen und Brachflächen sind auf dem Land fast verschwunden

Trotz des hippen Hobbys naturbewusster Städter: Wild lebende Bienen haben es zunehmend schwer. „In Parks, Grünanlagen, Privatgärten und sogar auf Friedhöfen ist das Futterangebot für Bienen mittlerweile besser als auf dem Land“, sagt Helmut Horn vom Landesamt für Bienenkunde der Universität Hohenheim in Stuttgart. Dort schwinde durch die intensive Landwirtschaft die Artenvielfalt. Blumenwiesen oder Brachflächen seien fast verschwunden: „Das hat besonders bei Wildbienen, die auf eine Futterquelle angewiesen sind, in den letzten Jahren zu einem Massensterben geführt“, so der Experte.

Die genügsamere Honigbiene hingegen rettete sich in die Stadt – und gedeiht dort mit tatkräftiger Unterstützung der urbanen Neu-Imker. „Die meisten Neulinge sind ernsthaft bei der Sache“, beobachtet Horn. Er organisiert gemeinsam mit den örtlichen Imkervereinen Schnupperkurse für Anfänger: „Jedes Jahr kommen 300 bis 400 Interessenten. Unsere Kurse sind immer ausgebucht.“ In ihnen pauken die Bienen-Fans Theorie und Praxis der Insektenzucht: „Wann muss ich zufüttern? Woran erkenne ich Schädlinge wie Milben? Wie zähle ich ein Bienenvolk?“

150 Euro kostet ein Bienenvolk für Anfänger

Wer dabeibleibt, kann mit zwei oder drei Bienenvölkern starten. Kostenpunkt: etwa 150 Euro – pro Bienenvolk. Für Unterbringung in Boxen und Gerätschaften wie Smoker, Abkehrbesen, Honigschleuder oder Rähmchen kommen schnell 400 bis 500 Euro zusammen.

Sie schwärmen über städtische Grünflächen, die bewusst als Wildblumenwiesen angelegt oder kaum noch gemäht werden. „In vielen Städten findet derzeit ein Umdenken statt“, lobt Imker Maske.

Auch auf dem Land wünscht er sich mehr naturbelassene Flächen und hat dafür auch ein ökonomisches Argument: „85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen von der Bestäubung durch die Honigbienen ab.“

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