Ein Volk von Bastlern

Heimwerken und Handarbeit: Fürs Selbstmachen geben die Deutschen 20 Milliarden Euro aus

Berlin. Deutschland im Selbstmach-Fieber: 22 Millionen Heimwerker und Handarbeit-Fans gibt es laut Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Die leidenschaftlichen Tüftler sind nicht nur zur Weihnachtszeit rege. Sie lassen ganzjährig die Kasse in Baumärkten und Bastelläden klingeln: 20 Milliarden Euro Umsatz machte die Branche allein im vergangenen Jahr.

„Die Menschen haben Spaß am eigenen Schaffen. Sie wollen kreativ sein und Dinge ganz nach ihrem Geschmack gestalten“, sagt Sonja Knap, Marktforscherin bei Tomorrow Focus Media in München. Der Vermarkter von Werbeflächen hat in einer groß angelegten Studie herausgefunden: Die Frauen liegen deutlich vorn beim Thema „Do it yourself“.

„Da haben sie den Männern etwas voraus. Trotzdem halten sie an der klassischen Rollenverteilung fest“, so Knap. Frau strickt, näht und töpfert. Mann renoviert im Haus, legt Parkett und Fliesen, bringt den Garten auf Vordermann oder verwirklicht sich im Modell- und Holzbau.

Was die männlichen Hobby-Handwerker besonders reizt: „Beim Heimwerken wird man schnell Spezialist“, sagt Peter Walschburger, Psychologe an der Freien Universität Berlin. Fertigkeiten, um andere zu beeindrucken, lassen sich zügig erwerben.

Mit den Selbstmach-Fans setzten allein die rund 2.000 Baumärkte im Land in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fast 14 Milliarden Euro um. Das sind 3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, heißt es beim Branchenverband BHB in Köln

„Die Menschen wollen Dinge nach ihrem Geschmack gestalten“

Während Männer sich in Baumärkten tummeln, bescheren Frauen Stoff-, Näh- und Bastelläden ein Comeback. 70 Prozent der Frauen kaufen laut der Studie von Tomorrow Focus Media in solchen Läden. Jährlicher Umsatz: 1,5 Milliarden Euro. Davon profitieren auch Nähmaschinenhersteller wie Singer in Stuttgart: „Seit fünf Jahren wächst der Markt jährlich um 5 bis 7 Prozent“, sagt Singer-Geschäftsführer Georg Günther.

Die Lust am Werkeln bringt nicht nur der Selfmade-Branche Geld. Auch viele Bastler sind geschäftstüchtig: Sie verkaufen ihre Produkte – etwa über Dawanda. Auf der Plattform bieten 320.000 Hobby-Handwerker und Bastler fünf Millionen Produkte an, von Strickmützen bis zu Holzspielzeug. Allein 2014 wurden so Waren für 140 Millionen Euro verkauft. Dawanda-Gründerin Claudia Helming: „Zu 80 Prozent sind da Frauen am Werk, für fast die Hälfte von ihnen ist es ein ernsthafter Beitrag zum Lebensunterhalt.“


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Do it yourself ist wieder angesagt. Selbstgemachtes macht dem Tüftler Spaß und zu Beschenkten Freude. Wir verraten Ihnen sechs Fundgruben im Internet, in denen Sie praktische Bastelanleitungen, Strickmuster und noch viel mehr finden.

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Häkeln, Töpfern, Schreinern – manch einer fertigt nach Feierabend hübsche Dinge, für die andere gerne gutes Geld ausgeben. Dann stellt sich bald die Frage: Was geht da, bevor es Probleme mit den Behörden gibt?

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