Einlösefristen, Übertragbarkeit, Barauszahlung

Gutscheine: Diese Rechte sollten Sie als Kunde kennen

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Für die einen sind sie eine Notlösung, für andere eine Möglichkeit, etwas zu schenken, ohne die Gefahr, danebenzuliegen: Gutscheine erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Um diesem Trend gerecht zu werden, halten zum Beispiel die größeren Handelsketten Karten bereit, die an der Kasse mit dem gewünschten Betrag aufgeladen werden können. Aber auch kleinere Geschäfte, Wellness- oder Erlebnisanbieter bieten die praktischen Lösungen an.

Doch was gilt, wenn der Beschenkte in dem Shop absolut nichts findet, was ihm gefällt? Oder der Gutschein verfällt, bevor er eingelöst werden konnte? Oder der Wert nicht ganz verbraucht wird?

Drei Jahre gültig

Die größte Unsicherheit herrscht in Bezug auf die Gültigkeit des Gutscheins. „Wenn keine ausdrückliche Befristung angegeben ist, haben Beschenkte drei Jahre Zeit, den Gutschein einzulösen“, erklärt Michaela Zientek, Rechtsexpertin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. So lange läuft die gesetzliche Verjährungsfrist. Wichtig zu wissen: Dieser Zeitraum beginnt erst am Ende des Kalenderjahres, in dem der Gutschein gekauft wurde, nicht bereits mit dem Kaufdatum.

Wenn auf dem Gutschein eine konkrete Einlösefrist aufgedruckt ist, muss diese angemessen lang sein. So entschied zum Beispiel das Oberlandesgericht (OLG) München, dass eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr bei einem Erlebnisgutschein nicht ausreichend ist (Az. 29 U 4761/10). Dasselbe gilt für einen Buchgutschein (OLG München, Az. 29 U 3193/07). Zu kurz veranschlagte Fristen sind unwirksam – mit der Folge, dass die gesetzliche Regelung an deren Stelle tritt.

Kürzere Frist im Einzelfall erlaubt

Ausnahmen gibt es allerdings auch: Bei einem Gutschein etwa für ein bestimmtes Theaterstück ist die Gültigkeit naturgemäß auf die Zeit beschränkt, in der das Stück aufgeführt wird.

Wenn sich das Geschäft nach Ablaufen der Frist weigert, den Gutschein noch einzulösen, können die Besitzer sich dessen Wert erstatten lassen. Für den entgangenen Gewinn darf das Unternehmen allerdings einen Abschlag einbehalten.

Keine Barauszahlung

Steht der Einlösung des Gutscheins grundsätzlich nichts im Wege, haben die Beschenkten nicht die Möglichkeit, sich den Wert des Gutscheins erstatten zu lassen, selbst wenn ihnen das Geld lieber wäre. Denn ein grundsätzliches Rückgaberecht gibt es für Gutscheine nicht. Auch eventuelle Restbeträge werden nicht automatisch ausgezahlt, wenn man den Wert des Gutscheins nicht ganz ausschöpft. Diese werden meist auf dem Gutschein vermerkt oder es wird ein neuer Schein ausgestellt. Auf Geschenkkarten wird der Rest gespeichert und kann innerhalb von drei Jahren verbraucht werden.

Wer eine Karte von einem Unternehmen mit mehreren Filialen hat, kann diese oft auch in anderen Geschäften der Kette vorlegen.

Name nicht ausschlaggebend

Wer selbst keine Verwendung für den Gutschein hat, kann ihn an Freunde oder Verwandte weiterverschenken. Denn auch wenn auf dem Gutschein der eigene Name steht, können ihn andere einsetzen. Rechtsexpertin Zientek: „Ein Gutschein ist ein sogenanntes Inhaberpapier. Das heißt, der Händler muss den Gutschein jeder Person einlösen, die ihn vorlegt.“ Eine Ausnahme könne nur dann vorliegen, wenn der Gutschein individuell auf den Beschenkten zugeschnitten worden sei.

Gleiche Vorschriften für Online-Gutscheine

Diese Regeln gelten auch für über das Internet erworbene Gutscheine. Zientek empfiehlt dennoch, auf das Kleingedruckte zu achten. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden sich womöglich genauere Angaben zu Einlösefristen oder Umtauschkonditionen. Wenn der über den Gutschein online erworbene Artikel nicht gefällt, kann er übrigens wie bei anderen Internetkäufen auch innerhalb von 14 Tagen zurückgeschickt werden. Bei einigen Unternehmen wird die Erstattung des Kaufpreises wieder dem Gutschein gutschrieben.


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