Senioren

Gut auf der Rolle

Viel Aluminium, knallige Lackierung, schicke Tasche. Und wenn der Rollator dann auch noch mit Navigationsgerät, LED-Leuchten und Handwärmern ausgestattet ist, sind neidische Blicke im Stadtpark gewiss. Deutschlands Senioren haben die Gehhilfe als Statussymbol entdeckt.

Rund 2,5 Millionen Rollatoren sind bereits unterwegs. „Sie stehen längst nicht mehr für Gebrechlichkeit“, sagt Martina Koepp, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik, die im Auftrag der Industrie Trends aufspürt, neue Modelle entwickelt und testet.

Als Schnäppchen beim Discounter

Mehr als 400.000 Rollatoren werden jährlich verkauft. „Die Ansprüche an die Ausstattung steigen. Schirm- und Stockhalter gehören längst zum Standard“, sagt Koepp. Der letzte Schrei: Wechselschablonen, mit denen der Rollator an die Kleidung angepasst werden kann. Dazu kommen Hupen mit Melodie, Rückspiegel und Sicherheitsschlösser.

So bringt die Gehhilfe – die 1978 von der an Kinderlähmung erkrankten Schwedin Aina Wilfalk erfunden wurde – nicht nur Beweglichkeit, sondern auch Lebensfreunde. Wie bei Erika Theile. „Wegen meiner Arthrose konnte ich nur noch zehn Meter laufen“, sagt die 88-Jährige, „dem Rollator verdanke ich auch ein Stück Freiheit.“ Sie hat ihren „Rolli“ aus dem Internet. Bei der Bestellung waren die Enkelkinder behilflich.

Knapp 200 Euro hat das gute Stück gekostet. Da reichte die Pauschale von der Krankenkasse – gezahlt werden zwischen 70 und 100 Euro – nicht. „Aber das Kassenmodell war mir zu schwer und unhandlich“, stellte die Rentnerin bei einer Testfahrt fest.

Günstigere Versionen werden inzwischen sogar bei Discountern angeboten. Schon für 59 Euro kann man damit auf die Piste gehen. Edlere Ausführungen der kleinen Wägelchen sieht man sogar auf dem Golfplatz oder am Strand. Tanzschulen bieten Kurse an, mit eigens auf die Ansprüche der speziellen Kundschaft angepassten Tänzen. Rock ’n’ Roll – buchstäblich.

Einer für drinnen – einer für draußen

Doch auch Luxusmodelle genügen nicht jedem. Im Seniorenheim Bachstraße in Langenhagen bei Hannover tunen Rentner in Bastelrunden ihre Gehhilfen selbst. Tieferlegen geht nicht, dafür einiges andere. „Pimp-my-Rollator“ heißt das Projekt. „Wir haben schon einen Blumentopf-Rollator, eine Pink-Lady-Version, derzeit ist ein Weihnachtsrollator in Arbeit“, sagt Projektleiter Gregor Brill.

Durch die Umbauten verlieren die Rollatoren meist ihre Straßen-Tauglichkeit. Macht aber nichts, der Trend geht ohnehin zum Zweit-Rollator – einer für drinnen, einer für draußen. So bleibt die Branche richtig im Rollen.


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