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Groll auf Google


Big Brother? Kamerawagen von Google bei der Fahrt durch eine deutsche Stadt. Foto: WAZ

Warum der Streit um Street View zu kurz greift

Köln. So schnell kippt ein KultImage. Lange Zeit galt der Internet-Konzern Google als cool. Als hip und sympathisch. „Don’t be evil“, „tue nichts Böses“ hat Google als Leitmotto auf seine Firmenfahnen geschrieben, und das nahm man dem poppigen Suchmaschinen-Riesen bislang nur zu gern ab.

Tja. Vorbei. Heute macht Google vor allem eins: Angst. Schuld ist sein Bilderdienst „Google Street View“. Ende des Jahres soll der auch in Deutschland starten, 20 deutsche Städte werden dann am Bildschirm „begehbar“ sein. Dafür kurvten monatelang Google-Autos mit Spezialkameras auf dem Dach durch die Straßen. Und filmten alles: Häuserfassaden und parkende Autos, Fußgänger und Gartenzwerge.

Jetzt schlägt Google vor allem in Deutschland eine Wut-Welle entgegen. „Die flächendeckende Fotoaktion ist nichts anderes als eine millionenfache Verletzung der Privatsphäre“, schäumte beispielsweise Verbraucherministerin Ilse Aigner unlängst in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Kein Geheimdienst dieser Welt würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen.“

Haarsträubende Sorglosigkeit

Schweres Geschütz, was Agentin Aigner da auffährt. Was nichts daran ändert, dass sie damit gründlich am Ziel vorbeiballert. Denn das teils hysterische Töne annehmende Protestgeheul gegen Googles 3-D-Stadtplan ist vor allem Beleg für die rätselhafte Janusköpfigkeit der Deutschen im Umgang mit dem Internet überhaupt.

Denn: Einerseits reagieren wir entrüstet, wenn Google filmt und kartografiert, was ohnehin jeder sehen kann, der durch unsere Straßen schlendert. Andererseits aber verhalten wir uns im Umgang mit Internet und Smartphone haarsträubend sorglos – und finden das auch noch toll.

Mal ehrlich: Wen von uns stört, dass der Online-Allesverkäufer Amazon genau weiß, welche Bücher wir mögen oder welche Kaffeemaschine wir benutzen?

Jede E-Mail wird gescannt

Wer mit dem iPhone in der Tasche herumläuft, verrät Apple fröhlich seine Standortdaten – in Echtzeit. Wir alle „googeln“ nach Gott und der Welt und nehmen dabei hin, dass die Suchmaschine alle Anfragen monatelang speichert. Und sämtliche E-Mails maschinell mitliest, die wir über „Google Mail“ abrufen. Mit dem Ziel, noch mehr personalisierte Werbung platzieren zu können.

Mit der könnte man ja noch leben. Die eigentliche Gefahr aber besteht in den Augen von Experten eher darin, dass aus all den Datenschnipseln problemlos Persönlichkeitsprofile, Krankenakten oder Einkommensverhältnisse destilliert werden können.

Facebook ist die Gefahr, nicht die Fassade

„Irgendwelche Häuserfassaden sind nicht die Gefahr“, sagt auch die Juristin Eva Dzepina von der auf Web-Recht spezialisierten Kanzlei Borgelt & Partner in Düsseldorf. „Bedenklich ist, dass diese mit Daten verbunden werden können, die wir woanders preisgegeben haben.“ Und zwar freiwillig!

 

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