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Grillen: Was ist wo erlaubt?

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Jetzt im Sommer gehört es für die Mehrheit der Deutschen einfach dazu, den Grill anzufeuern. 87 Prozent der Bundesbürger grillen gerne und regelmäßig, für 15 Prozent ist das Brutzeln über Holzkohle, mit Gas oder elektronisch sogar ein Ganzjahres-Vergnügen, auf das sie nicht mal im Winter verzichten wollen. Das hat eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ergeben. Doch nicht überall darf auch jederzeit gegrillt werden.

AKTIVonline erklärt, wo wann und wie oft der Rost zum Einsatz kommen darf:

Im Haus oder in der Wohnung

Der Elekto-Tischgrill kann in den eigenen vier Wänden zum Einsatz kommen, anders sieht es beim Grillen mit Holzkohle in geschlossenen Räumen aus. Das verbietet ja auch der gesunde Menschenverstand, meinen Sie? Klar, dennoch gibt es jedes Jahr Unfälle mit Holzkohlegrills in Wohnungen. Das Problem ist nicht mal so sehr die Brandgefahr, sondern viel mehr das Kohlenmonoxid, das durch den Betrieb eines Holzkohlegrills freigesetzt wird. In Wohnungen, schlecht belüfteten Garagen oder auf Balkons mit wenig Luftaustausch kann dies zur tödlichen Falle werden. „Es sind sogar sogenannte Holzkohle-Indoor-Grills auf dem Markt, die aber die gleiche Problematik haben“, sagt Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung. „Es gilt: Holzkohlegrills dürfen nur draußen, bei ausreichender Belüftung, genutzt werden – niemals drinnen.“

Denn Holzkohle und Briketts setzen immer Kohlenmonoxid frei. Drinnen verbreitet sich das geruchlose Gas unbemerkt, die Personen im Raum werden bewusstlos und können ersticken. Die Gefahr einer Vergiftung besteht übrigens auch, wenn man Fenster und Türen offen lässt. Selbst wenn die Konzentration nicht ausreicht, um einen Menschen bewusstlos zu machen, reichert sich das Kohlenmonoxid im Blut an, es kann zu Übelkeit und Schwindel führen, ebenso zu Kreislaufproblemen. „Besonders tückisch ist: Das Zeitfenster zwischen den ersten spürbaren Symptomen und dem Verlust des Bewusstseins ist sehr kurz“, so Jürgen Thier-Kundke. Also: In der Wohnung oder im Haus hat der Grill nichts zu suchen.

Auf dem Balkon oder im eigenen Garten

Mieter sollten vor dem Anheizen des Grills erst einmal einen Blick in ihren Mietvertrag und in die Hausordnung werfen. „Wenn dort Grillen ausdrücklich verboten ist, muss man sich auch daran halten“, sagt Silke Gottschalk vom Deutschen Mieterbund NRW. „Grillt man dennoch, riskiert man eine Abmahnung, bei nochmaliger Zuwiderhandlung sogar eine Kündigung.“

Doch auch, wenn kein ausdrückliches Verbot im Mietvertrag festgehalten ist, kann es sein, dass Mieter aufs Grillvergnügen auf dem heimischen Balkon verzichten müssen. „Es gilt das Rücksichtnahmegebot. Wenn der Qualm des Grills beim Nachbarn in die Wohnung zieht, dann ist das eine Belästigung.“ Mieter sollten also darauf achten, dass sie niemanden mit ihrem Grillen beeinträchtigen (klarer Vorteil für alle, die im obersten Stock wohnen). Außerdem kann man Geruchsbildung vermeiden, indem man das Grillgut auf Aluschalen legt. So tropft nichts in die Glut, und es entstehen keine unangenehmen Gerüche.

Und wenn der Grilldunst gar nicht beim Nachbarn ins Schlafzimmer zieht, dieser sich aber dennoch durch das Brutzeln gestört fühlt? Das Gute ist: Es gilt ein gegenseitiges nachbarschaftliches Rücksichtnahmegebot. „Ein Nachbar muss auch mal tolerieren, wenn nebenan hin und wieder gegrillt wird“, sagt Rechtsanwältin Silke Gottschalk. „Dauergrillen muss aber niemand in Kauf nehmen.“

Wie oft es etwas vom Rost geben darf, da urteilen die Gerichte bundesweit übrigens unterschiedlich: „Mitunter ist fünfmal im Jahr okay, mitunter einmal im Monat von April bis September“, so Silke Gottschalk. „Immer sollte man aber die gesetzlichen Ruhezeiten einhalten.“ Und sich am besten einfach um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemühen. „Dann sehen die es auch nicht so eng, wenn mehr als einmal im Monat gegrillt wird. Den Nachbarn einzuladen, hilft fast immer.“

Wer einen Garten hat, muss auch Rücksicht auf Nachbarn nehmen. Da man hier in der Regel aber mehr Platz hat, reicht es aus, dass man den Grill in einiger Entfernung zum Haus positioniert, damit der Rauch nicht direkt zu den Nachbarn zieht. „Zwar gibt es auch hier Urteile, nach denen nur zehnmal im Jahr im Garten gegrillt werden darf, aber wenn man es nicht übertreibt, gibt es in der Regel auch keine Streitereien, die vor Gericht landen“, so die Expertin. Wenn es die Nachbarn nicht stört (oder keine da sind), kann man so oft grillen, wie man möchte.

Im Park, auf Grünflächen und an Flussufern

Gerade in Großstädten hat nicht jeder einen eigenen Balkon oder Garten, da zieht es die Menschen im Sommer in die Parks und auf die öffentlichen Grünflächen. Darf man dort einfach seinen Grill aufstellen? Die Kommunen handhaben das sehr unterschiedlich, daher empfiehlt es sich immer, zuvor auf den Webseiten der betreffenden Stadt nachzuschauen.

Verboten ist das Grillen in Wildparks, botanischen Gärten, auf Hundefreilaufflächen und Spielplätzen. In vielen Parks ist das Grillen zwar nicht offiziell erlaubt, wird aber vom Ordnungsamt toleriert, wenn man die Grünflächen nicht beschädigt und seinen Müll wieder mitnimmt (sonst drohen Bußgelder bis zu 1.000 Euro!). Aber auch dort sollte man sich vorab bei der Stadt informieren. „Überall muss man auf jeden Fall ein paar brandschutztechnische Grundlagen beachten“, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. „Der Grill muss sicher stehen und darf nicht in der Nähe von Bäumen aufgestellt werden. Er muss immer beaufsichtigt werden. Zum Anzünden nur geeignete Anzünder verwenden, niemals Spiritus in die Glut gießen. Und nach dem Grillen die Asche komplett abkühlen lassen und erst danach entsorgen – aber niemals in Kartons oder Plastikbehälter füllen.“

Auf dem Campingplatz

Auf Campingplätzen regelt die Hausordnung, ob gegrillt werden darf oder nicht. Meist ist dies nur auf den ausgewiesenen Grillplätzen erlaubt. „Bei warmem, trockenem Wetter oder viel Wind kann das Grillen aus Sicherheitsgründen auch kurzfristig untersagt werden“, sagt Franziska Kögelmeier vom Verband der Campingplatzunternehmer. „Außerdem sollte man darauf achten, dass die Nachbarn nicht zu viel Rauch abbekommen. Da ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt.“ Dreckiges Geschirr sollte zudem nicht in den Toiletten-Waschbecken abgespült werden, sondern in den dafür vorhandenen Spülbecken.

Am Strand

Auch hier sollte man darauf achten, ob Schilder auf ein ausdrückliches Grillverbot hinweisen. Auf Sylt ist Grillen am Strand beispielsweise durch eine Gemeinde-Satzung verboten. Wenn es nicht verboten ist, gelten die gleichen brandschutztechnischen Vorkehrungen wie beim Grillen im Park. Auch hier muss jeder seinen Müll und die Asche wieder mitnehmen.


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aktualisiert am 18.05.2016

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