Alles, was draußen recht ist

Grillen, Musik hören, Wäsche aufhängen: Was ist wann und wie lange auf dem Balkon erlaubt?

Foto: Fotolia

Wenn die Sonne scheint, gibt es für viele nichts Schöneres, als auf dem Balkon zu sitzen. Doch während die einen es genießen, draußen zu sein, ärgern sich die anderen – die Nachbarn, die sich über Lärm, Gerüche, die aufgehängte Wäsche und Weiteres mehr aufregen.

Häufige Streitpunkte

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, heißt es nicht ohne Grund. Darüber, was die einen dürfen oder nicht und die anderen zu ertragen haben (oder nicht), kann man trefflich streiten. „Die Rechtslage hängt immer vom Einzelfall ab“, sagt Rechtsanwalt Thomas Hannemann aus Karlsruhe. Deshalb gehören viel zitierte Regeln wie „Man darf viermal pro Jahr feiern“ ins Reich der Mythen und Märchen.

Dabei ist der Grundsatz einfach: Auf dem Balkon darf man im Prinzip alles – mit einer Einschränkung: Es darf niemanden unzumutbar beeinträchtigen. Am häufigsten gestritten wird über Lärm und Gerüche, etwa durch Grillen, aber auch herabfallende Blütenblätter können die nachbarschaftlichen Beziehungen trüben.

Freude des Grillens

Oft finden sich in den jeweiligen Hausordnungen Regeln zum Grillen auf dem Balkon. In vielen Fällen ist es ganz verboten oder es wird nur die Nutzung eines Elektrogrills gestattet, auch aus brandschutztechnischen Gründen. Fehlen solche Vorschriften, ist gegen gelegentliches Grillen nichts einzuwenden. So legte das Amtsgericht Bonn beispielsweise fest, dass einmaliges Grillen pro Monat nach 48-stündiger Vorankündigung niemanden unzumutbar beeinträchtigt (6 C 545/96). Doch solche Entscheidungen gelten immer nur für den verhandelten Fall und sind nicht übertragbar, weil es immer auf die örtlichen Gegebenheiten ankommt.

Wenn durch den Grillqualm keiner gestört wird, etwa weil man die oberste Wohnung bewohnt und der Rauch nach oben wegzieht, kann man auch täglich grillen. Anders, wenn der Würstchen-Geruch direkt ins nächste Wohnzimmer gelangt – dann kann der Nachbar Zurückhaltung verlangen. „Was allerdings gar nicht hingenommen werden muss, ist der Geruch von Grillanzündern, Spiritus und Ähnlichem – denn der kommt beim üblichen Kochen in der Küche auch nicht vor“, sagt Hannemann.

Hauptärgernis Lärm

Der eine möchte seine Ruhe, der andere auch auf dem Balkon aufs Radiohören nicht verzichten: Die Geräusche der Nachbarn verursachen häufig Ärger. Ein leise eingestelltes Radio müssen Nachbarn tagsüber tolerieren. Wer Zank vermeiden will, sollte aber besser Kopfhörer nutzen.

Spätabends sieht die Sache anders aus: Selbst wenn die Sommernacht lau ist – will der Nachbar schlafen, dürfen sogar Gespräche in normaler Lautstärke nicht mehr draußen stattfinden, vom Feiern und Musikhören ganz zu schweigen. Von 22 Uhr bis morgens um 7 herrscht Nachtruhe, so sieht es das Bundes-Imissionsschutzgesetz vor. Das bedeutet: Die Feier oder die Unterhaltung müssen drinnen in Zimmerlautstärke fortgesetzt werden.

Der blaue Dunst

Immer wieder gibt es Ärger ums Rauchen. Auch hier gilt: Grundsätzlich gehört Rauchen zum normalen Gebrauch einer Mietsache und darf nicht ganz verboten werden. Dementgegen stehen die Interessen der Nichtraucher. Der Bundesgerichtshof hat dazu jüngst entschieden, dass grundsätzlich auch eingeschränkte Rauchzeiten auf dem Balkon vorstellbar sind (V ZR 110/14).

Vielen Dank für die Blumen?

Wer es gern grün hat auf dem Balkon, darf Blumenkästen anbringen, das ist grundsätzlich erlaubt. Voraussetzung ist allerdings, dass diese gut befestigt sind. Ein allzu üppiger Bewuchs ist jedoch bisweilen Anlass zum Streit – wenn Pflanzenbestandteile oder Gießwasser von oben auf einen anderen Balkon und womöglich in die Kaffeetasse rieseln.

Hier gilt: „Einzelne Blätter müssen Nachbarn tolerieren, aber größere Mengen müssen sie nicht hinnehmen“, erklärt Rechtsanwalt Hannemann. Werden die Blumen zu groß, müssen Pflanzenliebhaber zum Beispiel durch regelmäßiges Zupfen oder Beschneiden sicherstellen, dass nicht zu viel Abfall nach unten fällt.

Bad in der Sonne

Sonnenliebhaber dürfen sich auch auf dem Balkon ihrem Hobby hingeben – wenn sie sich an die herrschenden Sitten halten. Sprich: Bekleidung, die im Schwimmbad üblich ist, ist auch für das Sonnenbad auf dem Balkon angemessen. Ganz textilfreies Sonnenbaden kann gegen die guten Sitten verstoßen, wenn der Balkon für andere einsehbar ist. Hier ist Zurückhaltung angeraten.

Wäsche aufhängen

Auch über die zum Trocknen aufgehängte Wäsche erhitzen sich bisweilen die Gemüter. Die kleine Wäsche darf auf dem Balkon trocknen, auf mobilen Wäscheständern, sofern diese optisch nicht stören. Fest installierte Wäscheleinen dürfen jedoch nicht einfach nach Gusto angebracht werden.

Das Gespräch suchen

Für alle Konfliktfälle gilt: Vor dem Gang zum Rechtsberater sollte man zunächst das Gespräch mit dem Nachbarn suchen, rät Hannemann. Vielleicht weiß der gar nicht, dass er Anlass zum Ärger ist. Kann man sich nicht auf einen Kompromiss einigen, sind allerdings weitere Schritte nötig. Hier ist eine gründliche Beratung über die Erfolgsaussichten einer Klage hilfreich.

Denn: „Bei gerichtlichen Verfahren muss der, der sich beeinträchtigt fühlt, die Störung durch den Nachbarn nachweisen“, sagt Anwalt Hannemann. Dies kann unter Umständen schwierig sein – oder teuer, wenn zum Beispiel Sachverständigen-Gutachten eingeholt werden müssen. Die Gefahr: Im Fall des Misserfolgs bleibt der Kläger auf diesen und weiteren Kosten des Verfahrens sitzen.


Mehr zum Thema:

Endlich Feierabend – raus in den Garten und die Stille genießen! Blöd nur, wenn die Nachbarn auch schon da sind und keine Ruhe geben. Der Rasenmäher dröhnt, der Hund bellt, der Fernseher brabbelt. Wo sind da die Grenzen?

Wer rastet, der röstet: Vor allem im Sommer hat es oft den Anschein, als sei ganz Deutschland eine einzige Grillparty-Zone. Was für Griller das Paradies auf Erden ist, kann anderen höllisch stinken. Darum sollte jeder seine Rechte kennen.

Was steht nicht alles im Mietvertrag! Aber ein Raum wird auch dort eher stiefmütterlich behandelt: der Keller. Welche Regeln gelten da? Wir haben einen Experten gefragt: Jurist Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds.

Sollte man erst losgrillen, wenn die Holzkohle weiß ist? Sorgt häufiges Grillgut-Wenden für perfekten Fleischgenuss? Und grillen wahre Könner tatsächlich indirekt? Die korrekten Antworten auf weitverbreitete Fragen gibt’s hier.

aktualisiert am 18.05.2016

Ob nebenan ein Hund dauernd jault oder jemand nachts im Bad rumplätschert: Lärm vom Nachbarn kann ganz schön nerven … AKTIV erklärt, was man akzeptieren muss, wo die Grenzen sind und wie man sich wehren kann.

Der Nichtraucher-Schutz ist nicht nur in der Gastronomie auf dem Vormarsch: Das Landgericht Hamburg hat einem Mieter erlaubt, die Miete um 5 Prozent zu mindern – weil nachbarlicher Zigarettenqualm in die Wohnung drang.

 

Der Blick auf eine wehende Fahne von Borussia Dortmund in Nachbars Garten verärgerte einen Mann im Sauerland derart, dass er Klage erhob. Wie das Gericht entschieden hat, lesen Sie hier.

Zank unter Nachbarn, Zwist ums Sorgerecht oder um eine Erbschaft: Eine Mediation kann Streithähne versöhnen. Jetzt ist das Verfahren durch ein neues Gesetz gestärkt worden. AKTIV schildert, wie eine Mediation abläuft.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang