Tipp der Woche

Geld für alte Schätzchen?


Nackter Nippes? Oder kostbare Kunst? Ein Laie kann da nur raten ... Foto: Carmeneve

Experte weiß um den Wert der Dinge

Wer Hausrat erbt oder auch nur den Keller einer pflegebedürftigen Tante entrümpelt – der staunt oft, was da alles zutage kommt. Möbel, Briefmarken, goldene Manschettenknöpfe oder Sektgläser mit Silberrand, Porzellan-Nippes  und Orient-Teppiche ... „Das ist doch was wert“, denkt man sich – und täuscht sich oft.

„Die Chancen, dass Otto Normalverbraucher etwas richtig Wertvolles im Hausrat findet, sind eher gering“, betont Willi Schmidbauer. Er ist vereidigter Sachverständiger, Sprecher des Bundes der Hausratexperten (www.bdh-expert.de) und Autor eines gut 1.000 Seiten starken Buchs zum Thema.

Also gleich weg mit dem alten Mist? Aber nein!

Die Sache mit dem Bauernschrank

„In Bayern beispielsweise bekomme ich oft Anrufe von Leuten, die einen Bauernschrank geerbt haben“, berichtet der Experte. Er bittet sie  dann stets, ihm ein Foto zu schicken: Daran lässt sich ablesen, ob es sinnvoll ist, dass er selbst die Reise antritt, um das Möbelstück zu schätzen. Denn wenn Schmidbauer und Kollegen aktiv werden, kostet das Geld.

„Da wir vor der Schätzung nicht wissen, ob das Erbe etwas wert ist, können wir nicht prozentual im Verhältnis zum Wert abrechnen – da bekämen wir im Zweifelsfall nichts. Wir rechnen darum nach Stunden ab“, erklärt Schmidbauer.

Kommen die Hausrat-Profis zum Schluss, dass sie tatsächlich einen Wertgegenstand vor sich haben, greifen sie auf das Netzwerk an Expertisen im Verband zurück: „Die Bandbreite von Porzellan über Gemälde bis zu Münzen oder Briefmarken ist groß; wenn wir selbst nicht sicher sind, fragen wir die Kollegen.“

Weiß man genau, dass eine alte Schatulle keine raren Stücke birgt, geht es auch anders: „Schmuck oder Edelmetall-Gegenstände bringt man am besten zu einem Juwelier, der Gold und Silber ankauft“, rät Schmidbauer. Dort wird gewogen, mit dem Metall-Preis multipliziert – und die Einschmelz-Kosten abgezogen: Es kann sich also lohnen, mehrere Angebote einzuholen.

Schlechter sieht es bei Münzen und Marken aus. „Mit Briefmarken aus der DDR und den Standard-Sammelmünzen ist der Markt übersättigt: Die wird man fast nicht los“, weiß Schmidbauer.

Das Pech mit dem Porzellan

Ähnlich bitter ist seine Prognose für gebrauchtes Porzellan oder Teppiche. „So was will mit Ausnahme wirklich seltener Stücke eigentlich keiner – unter anderem, weil sich die Moden und Geschmäcker geändert haben.“

Bevor man aber die mehr oder weniger wertlosen Teile einfach wegwirft, kann es sich lohnen, sie auf Auktionsplattformen wie www.ebay.de anzubieten – „oder mit allen Überbleibseln zum Flohmarkt zu gehen“, so Schmidbauer.

Wem das zu zeitaufwendig ist, der kann den gesamten Hausrat an Trödler verhökern: „Dann kommt jemand, der schätzt alles zusammen. In die Kalkulation lässt er einfließen, dass eine Menge Unrat dabei ist, die er entsorgen muss“, sagt Schmidbauer.

Wer die alten Schätzchen also selbst verkauft, bekommt oft mehr als der, der alles auf einen Schlag abgibt. Überraschend ist das nicht – auch in diesem Fall gilt eben: Zeit ist Geld.

 

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