Zusatzversicherungen für Elektrogeräte

Garantieverlängerungen: Viel Geld für wenig Schutz

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München. Bei Handys, Kühlschränken oder Fernsehern gehören sie inzwischen fast schon zum Standard: sogenannte Garantieverlängerungen. Das klingt auf den ersten Blick gut. So fühlt man sich bis zu fünf Jahre lang vor teuren Reparaturen, manchmal sogar Diebstahl geschützt. Der Haken sind die ziemlich saftigen Prämien, oft rund 20 Prozent des Kaufpreises, teilweise noch mehr. Lohnt sich die Sache überhaupt?

„In den ersten zwei Jahren nach dem Kauf gilt die gesetzliche Gewährleistung, falls das Gerät kaputtgeht“, erklärt Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern. Damit sind zahlreiche Reparaturen sowieso abgedeckt. Der teure Extraschutz greift also in vielen Fällen erst ab dem dritten Jahr. Man sollte sich deshalb vor dem Abschluss überlegen, ob man das Gerät überhaupt so lange benutzt. Viele Hightechgeräte wie Handys oder Laptops sind dann nämlich schon veraltet und werden sowieso ausgetauscht.

Was bietet der gesetzliche Schutz?

Funktioniert ein Produkt im ersten halben Jahr nach dem Kauf nicht ordnungsgemäß, unterstellt das Gesetz, dass die Ware von Anfang an nicht in Ordnung war. Deshalb muss der Hersteller defekte Geräte in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf sowieso reparieren beziehungsweise ersetzen. Eine Zusatzversicherung ist also völlig überflüssig.

In den folgenden 18 Monaten hat der Kunde ebenfalls noch einen Anspruch auf eine Reparatur, allerdings sind die Bedingungen dann strenger. „Jetzt muss der Verbraucher beweisen, dass das Produkt nicht in Ordnung war“, erklärt Juristin Tatjana Halm. Im Extremfall müsste dann per Gutachter und Gerichtsverfahren geklärt werden, wer schuld an dem Defekt ist. In der Praxis hängt es vom Hersteller ab, wie intensiv er diese Diskussion tatsächlich führt. Einige sind hier eher kulant, andere versuchen grundsätzlich, Kunden abzuwimmeln.

Blick ins Kleingedruckte nötig

Mit einer Garantieverlängerung dagegen hat man scheinbar keine Probleme, doch das täuscht. Einige Zusatzversicherungen sind nämlich gar nicht besser als der gesetzliche Schutz. Wird die Reparatur nur bezahlt, wenn es sich um Material- oder Produktionsfehler handelt, entspricht das ja den gesetzlichen Leistungen. Damit bringt die Garantieverlängerung in den ersten beiden Jahren praktisch keinen Zusatznutzen. „Man sollte das Kleingedruckte genau lesen. Denn jeder Anbieter kann individuell festlegen, welche Leistungen er zu welchen Bedingungen bietet“, erklärt Halm.

Manchmal bietet die Garantieverlängerung aber tatsächlich einen echten Mehrwert. Dann sind beispielsweise auch Verschleißteile wie Akkus enthalten. Oder die eigene Schusseligkeit ist versichert, wenn etwa das Handy runterfällt oder eine umgekippte Cola den Tablet-PC ruiniert. Doch auch hier ist der Blick in die Vertragsunterlagen wichtig. Oft sind die Leistungen im Falle eines Falles nämlich ziemlich mickrig.

Oft nur Zeitwert

Grundsätzlich wird das Gerät natürlich repariert, wenn das technisch möglich ist. Das gilt allerdings nur, solange die Reparatur nicht teurer ist als der Restwert des Geräts. Ansonsten spricht man vom „wirtschaftlichen Totalschaden“. Dann erstattet die Versicherung aber nicht den ursprünglichen Kaufpreis, sondern nur der Zeitwert. Je nach Alter und Art des Geräts sind das teilweise nur noch 40 Prozent des Neupreises. Davon kann man sich in der Regel keinen Ersatz kaufen. Rechnet man dann noch die Kosten für den Abschluss hinzu, lohnt sich das Ganze kaum noch.

Dazu ein Beispiel: Geht eine 500-Euro-Waschmaschine im fünften Jahr irreparabel kaputt, bekommt man beispielsweise 200 Euro (40 Prozent) von der Versicherung. Dafür hat man aber eine Prämie von 70 Euro bezahlt, macht netto also nur 130 Euro auf dem Konto.

Besonders teuer sind nach Berechnungen von Stiftung Warentest monatliche Prämien. Dann zahlt man beispielsweise für ein Tablet von 479 Euro in drei Jahren saftige 322 Euro Versicherungsprämien. Das dürfte sich in den meisten Fällen nur für den Anbieter, nicht aber für den Kunden lohnen.

Manchmal bekommt der Kunde auch kein Geld, sondern ein Ersatzgerät. Dann gibt’s aber nicht unbedingt ein neues, aktuelles Modell, sondern „gleichwertigen Ersatz“. Und das ist oft ein uraltes Teil. Manchmal bekommt man sogar ein „überholtes“, mit Pech also gebrauchtes Gerät, hat Stiftung Warentest herausgefunden.

Kein echter Nutzen

Auch der oft beworbene Diebstahlschutz ist in vielen Fällen Augenwischerei. Erfahrungsgemäß zahlen die Versicherer nämlich nur dann, wenn man die Geräte praktisch nicht aus den Augen lässt, was im wirklichen Leben völlig unrealistisch ist, schreiben die Warentester.

Teilweise werben die Anbieter auch mit weiteren Leistungen, etwa nach Überspannungsschäden oder Einbruch. Hierzu sollte man wissen, dass solche Schäden meist auch durch die Hausratversicherung abgedeckt sind. Eine Zusatzpolice ist also überflüssig.


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aktualisiert am 26.02.2016

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