Mehr als nur Dosenfutter?

Frische Lebensmittel aus dem Internet: Was Online-Händler auf der Pfanne haben

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Der Paketmann klingelt: Er bringt Fleisch und Gemüse – ab in die Pfanne damit! So könnte bei vielen Leuten künftig der Feierabend aussehen. Denn Bringdienste für Frisches sind stark im Kommen. Marktforschungsinstitute wie die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) prophezeien für die kommenden Jahre den Durchbruch beim Online-Handel mit Lebensmitteln.

Der Anteil von Lebensmitteln und Drogerieartikeln am gesamten Online-Umsatz des Handels werde sich bis 2015 von 8 auf 16 Prozent verdoppeln, schätzt die GfK. Schon heute gibt es einige Anbieter, die alles liefern, was es auch im gut sortierten Supermarkt gibt. Doch was taugen sie?

Viele Online-Lebensmittelhändler liefern nur Konserven

Die Anbieter sind vor allem eines: höchst unterschiedlich. So gibt es bei Edeka24.de in der Rubrik Gemüse gerade mal Zwiebeln und Knoblauch, ebenso wie bei vielen anderen Online-Supermärkten. Und wiederum bei anderen, wie beispielsweise mytime.de, findet man allein rund 140 verschiedene Produkte – von frischen Zitronenseitlingen bis zum Mangold. Eine große Palette bieten etwa auch allyouneedfresh.de, der Online-Shop von Rewe (shop.rewe.de), food.de und bringmeister.de. Einen Überblick kann man sich auf der Vergleichsseite lebensmittel-lieferservice-check.de verschaffen.

Ein weiteres Manko vieler Online-Supermärkte ist, dass sie noch nicht überall hinliefern können. Meist wird erst die Postleitzahl abgefragt, dann heißt es zum Beispiel bei Food.de vielfach: „Sorry, du bist nicht im Liefergebiet.“

Mit Anlaufschwierigkeiten bei frischer Ware kämpft offenbar auch der Online-Gigant Amazon: Obwohl von Handelsexperten schon mehrfach angekündigt, ist das Angebot „Amazon fresh“ in Deutschland bisher noch nicht aktiv.

Genau auf die Versandkosten und -bedingungen achten

Die Tücke lauert im Detail, etwa bei den Versandkosten. Hier empfiehlt es sich, genau hinzuschauen: Manche Anbieter liefern ab einem bestimmten Warenwert kostenlos. Andere berechnen einen happigen Aufschlag für Gekühltes. Und wieder andere berechnen die Kosten gar nach dem Gewicht. Teilweise kann man den Lieferzeitpunkt mitbestimmen, zum Beispiel Abendzustellung wählen – aber auch das kostet zum Teil extra.

Die Sicherheit für den Verbraucher ist ähnlich wie im Supermarkt

Kaum Gedanken machen müssen sich Verbraucher über die Lebensmittel-Sicherheit. „Für Online-Anbieter gelten dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie für Supermärkte“, erklärt Susanne Moritz, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. „Kontrolliert werden sie durch die zuständigen Behörden der Lebensmittel-Überwachung.“ Mit Vorsicht zu genießen seien nur einige spezielle Produkte aus dem Ausland, wie Nahrungsergänzungsmittel.

Und was, wenn die per Mausklick bestellten Tomaten und Gurken runzelig oder gar schimmlig ankommen? „Wenn die Ware verdorben ist, tritt das Gewährleistungsrecht in Kraft“, erläutert Verbraucherschützerin Moritz. Sprich: Man kann reklamieren. Die Expertin rät: „Wenn man die Mängel sofort bei der Übergabe sieht, kann man die Annahme verweigern.“ Wenn es erst beim Auspacken auffällt: „Ich würde ein Foto von der Ware machen, was aber nicht unbedingt nötig ist, und damit möglichst schnell schriftlich reklamieren“, so Moritz. Dann kann der Bringdienst eine Nachlieferung anbieten oder gleich das Geld zurückerstatten.

Wer haftet für Fehler des Paketdienstes?

Die meisten Anbieter versenden die Ware mit ganz normalen Paketdiensten wie DHL, nur wenige haben ihren eigenen Lieferdienst. Wenn der Online-Supermarkt die Ware korrekt und pünktlich auf die Reise schickt, aber der Lieferant schlampt, muss man sich als Kunde nicht mit dem Paketdienst herumstreiten: „Ihr Vertragspartner ist immer der Anbieter“, sagt Expertin Moritz, „er haftet, bis die Ware beim Verkäufer ist, und muss sich gegebenenfalls mit dem Paketdienst auseinandersetzen.“

Woran man gute Anbieter erkennt

Online-Verkäufer von Lebensmitteln müssen in ihren Shops dieselben Informationen angeben, die man auch im Supermarkt und auf den Verpackungen findet – also zum Beispiel Zutatenliste, Nettomenge und Ursprungsland des Produkts. Auch die Nährwertdeklaration und Warnhinweise etwa bei koffeinhaltigen Lebensmitteln. Der Kunde sollte darüber aufgeklärt werden, in welcher Form gekühlte Produkte angeliefert werden, betonen die Verbraucherzentralen.

Seriosität zeigen könnten Bringdienste zum Beispiel, indem sie ihre Registrierungsnummer als Händler und die zuständige Lebensmittel-Kontrollbehörde nennen. Die Siegel „Trusted Shops“, „internet privacy standards“, „EHI Geprüfter Online-Shop“ und „Tüv Süd s@fer shopping“ können deutsche Anbieter nur erwerben, wenn sie sich vorschriftsgemäß bei ihrer örtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörde haben registrieren lassen.

„Kochboxen“ mitsamt Rezepten sind teurer

Neben Online-Supermärkten gibt es im Dschungel der Frische-Anbieter auch Lieferanten von „Kochboxen“: Hier wählt man aus verschiedenen Lebensmittel-Boxen und bekommt dann, teilweise im Abo, alle Zutaten für bestimmte Menüs mitsamt den dazugehörigen Rezepten. Man zahlt allerdings auch mehr als im Supermarkt oder Online-Supermarkt. Einen Vergleich der verschiedenen Kochbox-Anbieter gibt es zum Beispiel unter kochboxchecker.de.


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aktualisiert am 01.04.2016

Bio, Fairtrade & Co.: Eigentlich sollten Lebensmittelsiegel ja so manche Kaufentscheidung erleichtern. Doch wer blickt noch durch den riesigen Schildchenwald? AKTIV führt Sie hier durch den Dschungel von 18 bekannten Labels.

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