„Crowd Investing“, Online-Kreditbörsen & Co.

Fremden Kredit geben? Nur was für Zocker!

In den Abfluss: Schade um die schönen Kröten! Montage: dapd

MehHamburg. Die Zinsen sind im Keller. Das verlockt manche Privatleute dazu, auf viel zu riskante Anlageformen zu setzen.

Wenn für „Crowd Investing“ und „Schwarmfinanzierung“ geworben wird, sollte man wissen: Dahinter steckt immer ein extremes Risiko. Egal, ob es um Geld für neu gegründete Firmen („Start-ups“) geht oder um die Beteiligung an Immobilien: Dafür auf Online-Plattformen Geld hinzulegen, ist nur etwas für Zocker.

Im schlimmsten Fall ist alles weg

Letztlich gilt das auch für die Online-Kreditbörsen wie Auxmoney, Lendico und Smava. Hier wird der Sparer quasi zur Bank: Er leiht anderen Personen über die Plattform Geld und bekommt es dann samt Zinsen zurück – wenn alles klappt. Auch hier sollte man aber höchstens so viel investieren, dass man einen Totalverlust locker verkraften kann.

Schon auf den ersten Blick wirken ja viele der Kreditgesuche wenig überzeugend: Warum sollte, nur zum Beispiel, jemand mit geregeltem Einkommen über 14 Prozent Zinsen für einen 3.500-Euro-Kredit hinblättern, mit dem er dann eine Renovierung und neue Möbel bezahlen will – wo doch viele Möbelhäuser Null-Prozent-Finanzierungen anbieten?

Zwar geben die Portale jedem potenziellen Schuldner eine Bonitätsnote. Je besser die ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er den Kredit ordnungsgemäß abstottert. Bei geringem Risiko gibt’s aber eben nicht die Traumzinsen aus der Werbung, sondern nominal oft weniger als 5 Prozent. Davon gehen noch Gebühren fürs Portal ab.

Dazu kommt das Ausfallrisiko. Smava bietet einen Rechner, mit dem man checken kann, wie hoch die Rendite voraussichtlich sein wird. Nach Gebühren und Risikoabschlag bringt dann beispielsweise ein fünfjähriger Kredit zu 4 Prozent in der zweitbesten von acht Bonitätsklassen nur noch eine Rendite von 2,4 Prozent. Und das ist nicht wirklich sicher, sondern nur eine Prognose. Legt man das gleiche Geld einfach für fünf Jahre bei einer Bank an, kann man dafür ähnlich hohe Zinsen bekommen – ganz ohne Risiko.

Die Anlegerpools der Portale machen die Sache auch nicht viel besser. Damit leiht man dann beispielsweise nicht einer Person 1.000 Euro, sondern 40 Kreditsuchern je 25 Euro. Wenn dann einer gar nichts zurückzahlt, ist das verschmerzbar. Mehrere Ausfälle fressen schon die Zinsen auf. Und im Extremfall ist auch hier: alles weg.


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Man muss nicht mehr in eine Filiale gehen, um einen Bank-Kredit zu bekommen: Darlehen gibt’s auch per Internet – einfach und auf den ersten Blick auch günstig. Man sollte dabei aber auf einige wichtige Punkte achten.

Millionen Deutsche werfen ihr Geld mit beiden Händen zum Fenster raus – zum großen Teil unbewusst. Denn: Schuldenfallen lauern vielerorts im Alltag! AKTIV hat einen Experten befragt, wie man seine Finanzen besser in Griff bekommt.

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