Strengere Regeln

Freizeitspaß Drohne: Was ist da erlaubt – und was verboten?

Immer mehr Spielzeug-Drohnen surren durch Deutschlands Lüfte. Doch wann braucht man extra eine Flugerlaubnis? Wie sollte man versichert sein? Und was gilt es sonst noch zu beachten? Experten-Antworten gibt’s hier.

Startklar: Auf öffentlichem Grund braucht man aber eine Erlaubnis. Foto: Mauritius

Startklar: Auf öffentlichem Grund braucht man aber eine Erlaubnis. Foto: Mauritius

Bonn/Düsseldorf. Sie sind der letzte Schrei in Sachen Hightech-Spielzeug: Freizeit-Drohnen. Doch: „Auch wenn diese sogenannten Flugmodelle harmlos aussehen, gelten sie als Luftfahrzeuge und fallen damit unter die Luftverkehrsordnung“, sagt Carl Sonnenschein, Verbandsjustiziar beim Deutscher Modellflieger Verband (DMFV).

Man sollte sich also unbedingt an die Spielregeln halten. Seit April 2017 wurden die Regeln verschärft, allerdings besteht teilweise noch eine Übergangsfrist: Spätestens ab 1. Oktober 2017 gibt es jedoch kein Pardon mehr.

Brauche ich eine Flugerlaubnis?

Die Antwort ist wie so oft: Das kommt darauf an. „Nur kleinere Geräte unter fünf Kilogramm Gewicht und ohne Verbrennungsmotor dürfen ohne Erlaubnis betrieben werden“, erklärt DMFV-Experte Sonnenschein. Ansonsten benötigt man eine Genehmigung der zuständigen Luftfahrtbehörde. Um Überraschungen zu vermeiden, sollte man also vor dem Kauf einen Blick auf die technischen Daten werfen.

Wie muss ich die Drohne kennzeichnen?

Wiegt der Flieger mehr als 250 Gramm, muss er mit dem Namen und der Adresse des Besitzers gekennzeichnet werden. „Die Plakette muss gut sichtbar, dauerhaft und feuerfest sein“, erläutert Sonnenschein. Das wäre beispielsweise bei einer Plakette aus Aluminium der Fall.

Brauche ich einen Drohnen-Führerschein?

„Für Drohnen mit einer Startmasse ab zwei Kilogramm benötigt man einen Kenntnisnachweis“, erklärt Sonnenschein. Man bekommt diesen bei einem Verband oder Verein, das Mindestalter dafür beträgt 14 Jahre. Den Schein braucht man auch, wenn der Flieger höher als 100 Meter steigen soll, selbst wenn das Gewicht unter der Zwei-Kilogramm-Marke liegt.

Ausnahme: „Auf einem Modellfluggelände mit Aufstiegserlaubnis gelten diese Einschränkungen nicht“, sagt Sonnenschein. Dort können also alle ohne jeden Kenntnisnachweis unbegrenzten Flugspaß genießen.

Richtig versichert?

„Unabhängig von der Genehmigung benötigen alle Luftfahrzeuge, also auch Spielzeugdrohnen, eine Luftfahrthaftpflichtversicherung“, sagt Justiziar Sonnenschein. Das steht im Luftverkehrsgesetz. Die private Haftpflichtversicherung greift hier oft nicht. Man braucht also eine Extra-Police. Die bekommt man am einfachsten, wenn man in einen entsprechenden Verein eintritt.

Grundsätzlich haftet nämlich der Halter der Drohne für alle Schäden, die das Gerät anrichtet. Ruiniert beispielsweise ein abstürzender Flieger Nachbars teuren Rosenstrauch oder verletzt er gar Menschen, ist der Besitzer in der Pflicht. Deshalb sollte man auch besondere Vorsicht walten lassen, wenn Junior mit der Drohne spielt.

Gut zu wissen: Verkauft man beispielsweise per Drohne geschossene Fotos, gilt das nicht mehr als private Nutzung. Die Folge: Der Flieger gilt als gewerbliche Drohne und benötigt eine spezielle Versicherung.

Wo darf ich starten und landen?

Klar, dass man Nachbars Grundstück nicht einfach so als Startplatz nutzen darf. „In Wohngebieten benötigt man das Einverständnis sämtlicher Grundstückseigentümer, deren Grundstücke überflogen oder für Start und Landung genutzt werden sollen“, erklärt Sonnenschein. Kreist die Drohne ausschließlich über dem eigenen Garten, kann man natürlich machen, was man will.

Doch was ist mit öffentlichem Grund? „Auch hier besteht grundsätzlich Erlaubnispflicht“, sagt der Jurist. Absolut tabu sind Drohnenflüge über Naturschutzgebieten, militärischen oder polizeilichen Einrichtungen und natürlich Gefängnissen. Auch über wichtigen Infrastruktureinrichtungen wie beispielsweise Industrieanlagen, Krankenhäusern, Behörden, Konsulaten sowie über Fernstraßen und Bahnanlagen darf die Drohne nicht steigen. „Hier muss man einen seitlichen Sicherheitsabstand von 100 Metern einhalten“, erklärt Sonnenschein.

Vorsicht auch auf Segel- oder Sportflugplätzen, denn die sind juristisch normalen Flughäfen gleichgestellt. „Für den Betrieb einer Drohne auf Flugplätzen benötigt man immer eine Genehmigung“, warnt der Verbandsjustiziar. In den sogenannten Kontrollzonen rund um den Flugplatz haben die meisten Flughäfen aber inzwischen eine „allgemeine Freigabe“ erteilt. Dann dürfen Drohnen auch ohne spezielle Genehmigung bis 50 Meter hoch steigen. „Man sollte sich vor dem Start erkundigen, wie diese Frage vor Ort geregelt ist“, sagt Sonnenschein. Ansonsten ist ein Mindestabstand zum Flugplatz von mindestens 1,5 Kilometern Pflicht – die Sicherheit der Flugzeuge hat schließlich Vorrang.

In der Praxis kann man die Drohnen also vielerorts nur auf Modellfluggeländen steigen lassen. An einigen Orten wird das Spiel mit den kleinen Fliegern in Parks, auf Wiesen oder an Stränden von den Behörden jedoch manchmal geduldet. Kommt aber ein schlecht gelaunter Ordnungshüter vorbei, kann es trotzdem Ärger geben. Hat man keine Genehmigung, ist der Polizist im Recht. Also immer schön freundlich bleiben, denn der Uniformierte kann den harmlosen Freizeitspaß als Ordnungswidrigkeit einstufen, und die kann teuer werden. Unproblematisch sind allerdings beliebte Treffpunkte, an denen Modellflieger schon lange aktiv sind. Weil sie den Behörden bekannt sind, darf man davon ausgehen, dass die Flüge hier okay sind.

Menschenansammlungen

Egal ob Party oder Sport-Event: „Das Fliegen über Menschenansammlungen ist generell verboten“, sagt Sonnenschein. Das gilt auch bei Unfällen und anderen Unglücksorten, in Katastrophengebieten oder bei Manövern und Übungen der Sicherheitskräfte. Hier muss ein seitlicher Sicherheitsabstand von mindestens 100 Metern eingehalten werden.

Wie steht es mit Nachtflügen?

Im Schutze der Dunkelheit darf ohne Genehmigung gar kein Modell in die Luft gehen. „Jede Art von Nachtflug ist erlaubnispflichtig“, sagt Sonnenschein. Sobald es dämmert, sollte man die Drohne also sicherheitshalber wieder zurück auf den Boden holen.

Flüge mit Videobrille

Beliebt sind sogenannte FPV-Flüge, bei denen man mit einer Videobrille die Welt mit den „Augen“ der Drohne sieht. Bei Modellen bis 250 Gramm und Flughöhen bis maximal 30 Metern ist das auch kein Problem. Ist die Drohne schwerer, gilt das aber nicht mehr. Dann muss eine zweite Person danebenstehen, die aufpasst, was rundherum angesaust kommt, im Juristendeutsch: Man braucht einen „Luftraumbeobachter“.

Steigt der Flieger, unabhängig vom Gewicht, über 30 Meter hoch, sind die Regeln sogar noch strenger: „Eine Steuerung per Videobrille oder Monitor ist in diesen Fällen nur erlaubt, wenn eine zweite Person direkten Sichtkontakt hat und mit einer eigenen Steuerung jederzeit die Kontrolle übernehmen kann“, erläutert der Jurist. Experten sprechen hier von einem Lehrer-Schüler-System.

Luftaufnahmen

Viele Drohnen sind mit Kameras ausgestattet. Trotzdem darf man nicht alles aufnehmen, was einem vor die Linse kommt. Jurist Daniel Kötz von der Arbeitsgemeinschaft geistiges Eigentum und Medien im Deutschen Anwaltverein nennt folgende Faustregel: Aufnahmen vom öffentlichen Raum sind okay, Aufnahmen von privaten Räumen dagegen tabu. Die Drohne darf also im Park oder am Strand filmen, sie darf aber nicht über Nachbars Garten fliegen, um zu checken, was dort gerade abgeht.

Sind auf den Bildern Menschen zu sehen, kommt es auf die Feinheiten an. „Personen, die nur klein oder am Rande des Motivs zu sehen sind, gelten als sogenanntes Beiwerk und dürfen ohne Genehmigung aufgenommen werden“, erklärt Kötz, der in Düsseldorf als Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht tätig ist. Filmt man also beispielsweise das Seeufer und erwischt dabei ein paar Spaziergänger, ist das juristisch kein Problem. Richtet man die Kamera dagegen gezielt auf einzelne Personen, verstößt das gegen deren Persönlichkeitsrechte. Die attraktive Blondine oder den knackigen Kerl am Strand darf man also nicht ungefragt fotografieren.

Erst recht darf man niemanden per Drohnenkamera regelrecht verfolgen. Wer also dem vermeintlich untreuen Partner aus der Luft hinterherspioniert, verstößt gegen geltendes Recht und macht sich unter Umständen sogar strafbar.


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