Tipp der Woche

Fragwürdige Helfer


Schrauben ohne Sicht: Ist da ein Top-Profi am Werk – oder ein Pfuscher? Foto: fotolia

Ob PC-Klempner oder Schlüsseldienst: Gegen überhöhte Forderungen kann man sich wehren

Was tun, wenn der  PC nix  tut?   

Karin B. aus Grabenstetten (Kreis Reutlingen) holte Hilfe. Ohne Erfolg: „Der PC-Techniker hat in eineinhalb Stunden nicht die gewünschte Leistung erbracht und eine Horror-Rechnung geschickt“, schrieb die AKTIV-Leserin an die Redaktion. „Muss ich das bezahlen? Meine Frage nach seinem Stundenlohn hat er nicht beantwortet.“

Den Einzelfall müssen womöglich Juristen klären. Allgemeine Tipps  geben wir gern: Kann ein PC-Klempner das Problem nicht lösen, hat er im Prinzip keinen Anspruch auf Lohn! So erklärt es Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. „Denn in diesem Fall liegt meist ein Werkvertrag vor, das heißt, es wird ein Erfolg geschuldet.“

Also wie beim Auto: Ist der Wagen in der Werkstatt, erwartet der Kunde, dass es danach wieder fährt. Manchmal muss der Mechaniker oder eben der PC-Spezialist stundenlang nach dem Fehler suchen. „Dann muss er aber vorher darauf hinweisen, dass es teuer werden kann.“

Im Zweifel nicht bezahlen

„Und wenn nach der Reparatur eine Rechnung kommt, die in keinem Verhältnis zum Restwert des Geräts steht, hat der Dienstleister seine Aufklärungspflicht verletzt.“ Auch das kann also ein Ansatz sein, sich gegen überhöhte Forderungen zu wehren.

Grundsätzlich sollten sich Kunde und Dienstleister vor Beginn des Einsatzes über den Stundensatz einigen. Sonst darf der Dienstleister nur in Rechnung stellen, was vor Ort in der Branche üblich ist.

Immer wieder gibt es da auch mit Schlüsseldiensten Probleme. Reichertz rät: „Der Kunde sollte am Telefon fragen, woher der Schlüsseldienst  kommt – denn An- und Abfahrt muss man bezahlen.“

Als Richtwert gibt er mit: Eine durchschnittliche Tür, die nur ins Schloss gefallen ist, sollte innerhalb von 30 Sekunden geöffnet werden können. Das kostet an einem Werktag tagsüber gut 90 Euro. Will der  Schlüsseldienst mehr, bezahlt  man zunächst nicht, sondern lässt die Rechnung prüfen. Parole: „Nicht einschüchtern lassen! Wenn der Schlüsseldienst die Wohnung trotz Aufforderung nicht verlässt, ruft man die Polizei.“

Notfalls hilft der Anwalt

Denn solange eine überteuerte Rechnung noch nicht beglichen ist, hat der Kunde bessere Chancen, gegen einen  fragwürdigen Helfer vorzugehen: mithilfe eines Anwalts oder der örtlichen Verbraucherschützer (zu finden über www.verbraucherzentrale.de).

Leider ist es gar nicht so einfach, einem PC-Spezialisten oder auch einem Friseur nachzuweisen, dass er zu viel Geld genommen oder zu schlechte Arbeit geleistet hat. Das geht oft nur mithilfe eines Sachverständigen, den der Kunde zunächst selbst entlohnen muss. Stellt sich dann heraus, dass der Dienstleister wirklich Mist gebaut hat, muss der Pfuscher die Kosten des Sachverständigen  übernehmen. „Dieses Verfahren kann sich aber in die Länge ziehen und teuer werden“, warnt Reichertz.

Gut beraten ist daher, wer über die Innung oder die Handwerkskammer versucht, den passenden Fachmann zu finden. „Ist ein Dienstleister Mitglied in einer Innung, hilft die oft schlichten, wenn es Ärger gibt“, sagt Reichertz.

Ansonsten gilt nach wie vor der alte Tipp mit der Mundpropaganda. Haben Bekannte zum Beispiel mit einem PC-Klempner schon prima Erfahrungen gemacht, gibt es eine reelle Chance, dass man selbst auch nicht schlecht mit ihm fährt.

 

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