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Mal eben Whatsapp installieren?

Firmenhandy und -laptop: Wie privat es Arbeitnehmer nutzen dürfen

Wenn der Chef ein Firmenhandy oder -tablet stellt, heißt das noch lange nicht, dass man alles damit machen darf, was man möchte. Schon das Installieren mancher Apps kann zum Problem werden – Stichwort: Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Attractive man in glasses working with multiple electronic devices. Freelancer businessman has laptop and smartphone in hands and laptop on table with charts on screen. Multitasking theme.

Foto: Adobe Stock

Mal eben übers Diensthandy Mails abrufen oder über die Facebook-App den eigenen Status posten – das ist nicht in jedem Unternehmen erlaubt. Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei WBS Law in Köln gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Dürfen Diensthandys und -geräte, die ein Unternehmen für die Arbeit stellt, auch privat genutzt werden?

Es kommt darauf an, ob es eine private Nutzungserlaubnis gibt. Gibt es diese nicht, so dürfen Arbeitnehmer das Handy oder Tablet eben nicht privat nutzen, sagt das Bundesarbeitsgericht. Allerdings sind die meisten Arbeitgeber eher großzügig und gestatten die Privatnutzung des Smartphones.

Wenn ich das Gerät privat nutzen darf, darf ich dann auch Apps herunterladen?

Dabei kommt es natürlich zunächst darauf an, ob der Arbeitgeber das in Hinblick auf Internetsicherheit überhaupt ermöglicht. Kann der Arbeitnehmer rein technisch gesehen Apps herunterladen, kommt es wieder darauf an, was mit dem Arbeitgeber vereinbart wurde. Gibt es keine Vereinbarung, sollte der Arbeitnehmer nachfragen.

Es ist sinnvoll, sowohl die Frage der Zulässigkeit der privaten Nutzung als auch deren konkrete Ausgestaltung so präzise wie möglich zu regeln. Von diesen Regeln hängt dann auch ab, welche Apps geladen werden dürfen. Apps wie die von Whatsapp oder Facebook darf man nur herunterladen, wenn die private Nutzung gestattet ist. Geschäftliche Hilfsprogramme, wie zum Beispiel eine Notizen-App, dürfen auch auf rein geschäftlich genutzten Handys installiert werden.

Und wie sieht es speziell mit der Nutzung von Whatsapp auf dem Smartphone aus? Was muss man da in puncto personenbezogene Daten wissen?

Arbeitnehmer sollten Whatsapp zur privaten Nutzung nicht auf Firmenhandys laden. Denn die Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, erlaubt die Weitergabe von personenbezogenen Daten ohne spezielle Rechtsgrundlage nur, wenn Nutzer dieser freiwillig zustimmen und sie unmissverständlich informiert wurden. Genau das unterbleibt aber bei der Whatsapp-Nutzung. Denn die Software greift auf persönliche und potenziell vertrauliche Kontaktdaten im Adressbuch der Nutzer zu, ohne dass die Unternehmenskunden hierzu ihr Einverständnis gegeben haben.

Hinzu kommt: Man kann seine Daten nicht aus dem System von Whatsapp löschen. Das war im Übrigen auch schon vor der DSGVO so. Außerdem gilt diese Regelung nicht nur für Whatsapp, sondern für alle Apps, die Zugriff auf die Kontakte haben.

Kann ich schon Ärger bekommen, wenn ich eine App einfach nur heruntergeladen, aber gar nicht genutzt habe?

Auch, wer eine App nur herunterlädt, kann Probleme bekommen. Denn der Arbeitgeber muss in diesem Fall davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer die App sehr wohl nutzt. Auch kann es ein Indiz dafür sein, dass der Arbeitnehmer die App während der Arbeitszeit heruntergeladen hat, was im Einzelfall auch verboten sein kann.

Darf ich vom Diensthandy meine Freunde anrufen?

Nur, wenn die private Nutzung ausdrücklich vorgesehen ist. Das Landesarbeitsgericht Hessen musste in einem Fall ein Urteil fällen, in dem ein Mitarbeiter im Urlaub mehr als 100 private Gespräche über sein dienstliches Mobiltelefon geführt hat. Diese Nutzung des Diensthandys hat ihn den Job gekostet (Az.: 17 Sa 153/11). Gleiches gilt übrigens für private Mails.

Darf ich private Fotos mit dem dienstlichen Smartphone machen?

Nur, wenn die private Nutzung generell erlaubt ist. Ist sie es nicht, stellt Fotografieren eine private Nutzung des Handys da und ist nicht zulässig.

Darf der Arbeitgeber überwachen, was ich mit dem Handy oder Tablet mache?

Der Arbeitgeber darf das Diensthandy kontrollieren, wenn er die private Nutzung nicht gestattet hat. Denn was Mitarbeiter mit dem reinen Diensthandy machen, ist keineswegs ihre Sache. Hat der Arbeitgeber den privaten Gebrauch verboten, darf er auch kontrollieren, ob der Angestellte das einhält. In dem Fall ist es zulässig, Verbindungsnachweise, besuchte Internetseiten und den E-Mail-Verkehr zu überprüfen.

Dürfen Mitarbeiter ihr Diensthandy privat nutzen, sind Überprüfungen für den Arbeitgeber dagegen tabu. Wenn der Mitarbeiter nicht ausdrücklich einer Kontrolle zustimmt, muss sich der Chef an das Fernmeldegeheimnis halten.

Darf der Arbeitgeber mich über das Diensthandy orten?

Nein, das ist eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Hält sich der Arbeitgeber nicht daran, ist er zivilrechtlich haftbar und macht sich sogar strafbar.

Ausnahme: Die Ortung ist zulässig, wenn sie aus objektiver Sicht erforderlich ist. Das ist beispielsweise bei Geldtransporten der Fall. Bei einem möglichen Überfall hat die Polizei die genauen Standortdaten, was zu mehr Sicherheit führt. Zulässig ist sie auch, wenn der Arbeitnehmer ihr zustimmt. Das ist häufig bei Lkw-Fahrern der Fall.


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