Gebäudetechnik

Fernsehtürme kann man echt knicken


Warum so viele Riesen leer stehen

Da geht die Post ab: 230 Meter in wenigen Sekunden. So schnell rasen die Hochgeschwindigkeitsaufzüge im Innern des Frankfurter Fernsehturms rauf und runter. Der Tower ist eine Teststrecke für Hightech-Lifte.

Allerdings ist der Turbo-Aufzug das Einzige, was sich im Frankfurter Europaturm noch bewegt. „Fernsehtürme haben in den vergangenen 20 Jahren stark an Bedeutung verloren“, sagt Malte Reinhardt vom Betreiber, der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm.

Seitdem Satelliten die Fernsehsignale verbreiten, werden die Riesen des Richtfunks kaum noch gebraucht. Und wenn Ende April auch noch das analoge Satellitenfernsehen abgeschaltet wird, sind die Türme so gut wie überflüssig. Laut Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung nutzten Anfang der 90er-Jahre noch 60 Prozent der Deutschen den erdnahen Empfang über die Riesen-Tower. Heute schauen nur noch gut 4 Prozent über die Antenne auf dem Dach.

Die meisten Türme stehen deshalb fast leer: außen abmontierte Antennen, innen verwaiste Technik-Etagen. Nur die Technik für Handy-Netze, das UKW-Radio und das digitale Antennenfernsehen ist noch geblieben.

Selbst Restaurants und Ausflugplattformen sind dicht, weil sich deren Betrieb entweder nicht lohnt oder die Betreiber längst fällige Reparaturen und Investitionen nicht finanzieren können. Denn im Einzelfall können Investitionen in neue Aufzüge, Fluchtwege und Brandschutzmaßnahmen 10 Millionen Euro kosten.

Hotel im kultigen Zigarren-Design

Viel Platz also, um mit ungewöhnlichen Ideen und Anwendungen wieder Menschen in die höchsten Immobilien Deutschlands zu locken. Für den schon seit elf Jahren geschlossenen Heinrich-Hertz-Funkturm in Hamburg beispielsweise gibt es Pläne eines dänischen Architekten.

Er möchte den Turm so umgestalten, dass dieser an eine große Zigarre erinnert. Hinter der ungewöhnlichen Fassade soll dann auch noch ein Hotel entstehen – wenn die Denkmalschutzbehörde mitmacht.

Berliner Telespargel bekommt Ostflair

Auch der 43 Jahre alte Fernsehturm auf dem Berliner Alexanderplatz wird kräftig umgebaut. Hier herrscht bald Ostalgie. „Innen bringen wir wieder Holzpaneele an, warme Braun- und Sandtöne werden dominieren“, erklärt Christina Grau, Geschäftsführerin in dem einstigen Prestigebau der untergegangenen DDR.

Vom Ostflair-Umbau erhoffen sich die Berliner mehr Besucher und höhere Einnahmen, um die hohen Betriebskosten des Turms decken zu können. Wie in Stuttgart, wo sich Jahr für Jahr Zehntausende vom Aufzug in 217 Meter Höhe bringen lassen.

Mit den Eintrittsgeldern kann der Eigentümer, der Südwestrundfunk, sogar die Kosten von rund 110.000 Euro im Jahr für Aufzüge, Heizung, Lüftung und Brandmeldeanlagen decken. Der verantwortliche Bereichsleiter Klaus Rismondo sagt: „Wir schreiben eine schwarze Null.“

Damit der Aufzug nicht zum Engpass wird, haben sich die Betreiber in Berlin einen besonderen Service überlegt. Wer ein Ticket kauft, wird per SMS benachrichtigt, wenn die Zeit zur Reise in über 200 Meter Höhe gekommen ist. Versendet wird die Nachricht von den Antennen des Turms.


Info: Digitales Satellitenfernsehen

Ab dem 30. April wird der analoge Satellitenempfang abgeschaltet. Was ist zu tun, damit der Bildschirm nicht schwarz bleibt?

Satellitenempfang: Wer schon eine Schüssel auf dem Dach hat, muss prüfen, ob sein Receiver digitale Signale verarbeiten kann. Ist das nicht der Fall, muss ein neuer her. Bei älteren Dachschüsseln muss zusätzlich die Empfangseinheit (LNB) erneuert werden.

Kabelempfang: Hier ändert sich in der Regel nichts. Für nähere Informationen sollte man sich aber bei seinem Kabelnetzbetreiber erkundigen.

Weitere Infos unter: www.klardigital.de

 

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