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Fenster: Wann man sie in welchem Umfang erneuern lassen sollte

Zugegeben: Neue Fenster können einiges kosten. Doch sie können auch einiges an Energie und somit Geld sparen. Nicht zuletzt Nerven – wenn man weitere Faktoren wie Lärm- und Einbruchschutz gleich mitdenkt.

Foto: Fotolia

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Wenn es ab Herbst durch die Ritzen zieht, ist es schon zu spät, um über einen Fensteraustausch nachzudenken. Deshalb sei schnell noch vor Beginn der nächsten Heizperiode daran erinnert: Neue Fenster machen das Wohnen behaglicher. Sie senken außerdem den Energieverbrauch – und können auch den Einbruchsschutz verbessern. Entscheidend sind die richtige Wahl und der fachgerechte Einbau. Wir haben einen Experten gefragt, worauf man unbedingt denken sollte.

Fenster-Check – was man wie prüfen sollte:

Wärmeschutzverglasung vorhanden?

Die erste Frage sollte lauten: Hat mein Fenster eine Wärmeschutzverglasung? „Ist es vor 1995 gebaut worden, hat es in aller Regel keine. Erst in den 90ern gab es da einen großen Technologie-Sprung“, sagt Martin Brandis, Energieexperte der Verbraucherzentralen. Die Wärmeschutzverglasung ist aber wichtig, sonst geht in der kalten Jahreszeit zu viel Wärme über die Fenster flöten. „Ein technisch veraltetes, einfach verglastes Fenster lässt bis zu viermal so viel Wärme entweichen wie eine ungedämmte Wandfläche gleicher Größe.“ Nach Schätzungen der Deutschen Energie Agentur sind in der Republik 320 Millionen Fenster sanierungsbedürftig.

Baujahr und Produktname stehen meist auf dem Distanzhalter zwischen den Scheiben. Findet man dort nichts, kann man den sogenannten Feuerzeugtest machen. „Halten Sie vor dunklem Hintergrund eine Flamme vors Fenster. Wurde Wärmeschutzglas eingebaut, hat eines der Spiegelbilder der Flamme eine andere Farbe als die anderen“, erklärt Brandis. Der Grund für diesen Effekt: eine Metallbedampfung auf der inneren Scheibe, die das Licht anders reflektiert als unbeschichtetes Glas. „Bei den allerneuesten Fenstern ist dieser Effekt nicht in jedem Fall zu sehen – diese wird man aber auch nicht austauschen wollen“, so Brandis.

Fensterrahmen dicht?

Der nächste Blick sollte dem Rahmen gelten. Der sollte nicht verwittert, gebrochen, verzogen oder anderweitig beschädigt sein. Um die Dichtheit zu testen, kann man ein Blatt Papier zwischen Fensterrahmen und -flügel einklemmen. „Lässt sich das Papier bei geschlossenem Fenster nicht herausziehen, ist das Fenster an dieser Stelle dicht genug“, so der Experte. Den Test sollte man an mehreren Stellen wiederholen.

Zieht es stark?

Als Drittes schaut man sich die eigenen Erfahrungswerte an. Weiß man beispielsweise, dass ein Raum deutlich schlechter warm wird als alle anderen? Zieht es an bestimmten Stellen, obwohl die Fenster zu sind? Kommt man zu dem Ergebnis, dass etwas getan werden muss, lohnt es sich, einen unabhängigen Energieberater ins Haus zu holen. Der kann einem genau sagen, ob man nur eine kleine Korrektur der Fenstereinstellung vornehmen oder neue Dichtungen besorgen muss oder ob es wirklich eines Fensteraustausches bedarf. So eine Beratung vor Ort gibt es bei den Verbraucherzentralen zum Beispiel schon ab 20 Euro.

Fenster-Wechsel: Wogegen man austauschen sollte:

Fenster haben viele Funktionen: Schallschutz, Hitze- und Einbruchsschutz, manche lassen sich sogar ins Smarthome-System einbauen und dann per Handy öffnen und schließen. Bevor es an die gewünschten Funktionen geht, muss man sich aber erst einmal im Klaren sein, welche Materialien man sich wünscht.

Der richtige Rahmen

Etwa 20 bis 40 Prozent eines Fensters sind Rahmen. Dessen Material ist wichtig für die energetische Qualität eines Fensters. „Rahmen aus Mehrkammerprofilen oder speziell gedämmte Rahmen sind heute Standard“, sagt Brandis. „Holz- und Kunststoffrahmen geben in der Regel weniger Wärme nach außen ab als Metallrahmen.“ Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen ein Material aber eine sehr individuelle. Da spielen auch ökologische Faktoren und Recyclingmöglichkeiten eine Rolle, genauso wie Wirtschaftlichkeit, Wartungsaufwand und Aussehen der Fenster.

Vorsicht, Glas!

Absoluter Mindeststandard sind Wärmeschutzverglasungen mit zwei Scheiben, besser direkt schon auf eine Dreifachverglasung zurückgreifen. „Die Mehrkosten belaufen sich bei einem Einfamilienhaus auf ein paar Hundert Euro fürs gesamte Haus – da sollte man nicht dran sparen“, sagt der Experte der Energieberatung. „Zweifachverglasung lässt nur noch halb so viel Wärme entweichen wie ein einfaches Isolierfenster. Noch einmal halbiert wird der Verlust bei Dreifach- statt Zweifachverglasung.“

Wie viel Wärme durch ein Fenster verloren geht, zeigt der sogenannte U-Wert: Je kleiner dieser ist, desto geringer ist der Verlust teurer Heizenergie. Bei 1,3 sollte er mindestens liegen. Entscheidend ist immer der Wert des kompletten Fensters, also von Glas und Rahmen zusammen. „Er wird als Uw-Wert bezeichnet und muss von allen Herstellern angegeben werden. In manchen Prospekten findet sich auch der Ug-Wert, der sich nur auf die Verglasung bezieht. Man muss unbedingt darauf achten, stets die Uw-Werte zu vergleichen“, so der Experte.

Auf die Fassade geguckt

Einen Fenstertausch sollte man zusammen mit einer nachträglichen Außenwanddämmung andenken. „In einem schlecht oder gar nicht gedämmten Gebäude sind Fenster mit besonders starkem Wärmeschutz nämlich nicht immer empfehlenswert“, sagt Brandis. Baut man in einem ungedämmten Haus Wärmeschutzverglasungen ein, werden im Inneren statt der Fensterscheiben Bereiche der Außenwände zu den kältesten Oberflächen. Das bringt ein Schimmel-Risiko mit sich: „Dem kann man aber mit einem veränderten Lüftungsverhalten entgegenwirken. Der Fenstertausch macht eine nachträgliche Dämmung nicht zwingend notwendig, in vielen Fällen ist diese aber ratsam. Auch bei diesen Fragen hilft der Energieberater weiter.

Ruhe? Bitte!

Wer an einer viel befahrenen Straße wohnt, sollte Lärmschutzfenster einbauen lassen, zumindest in den Schlafzimmern. Fenster gibt es in sechs verschiedenen Schallschutzklassen, wobei Klasse 6 den größten Schutz bietet. Diese Fenster können den Schalldruckpegel um bis zu 50 Dezibel senken. Damit der Schallschutz überhaupt wirksam ist, müssen angrenzende Fugen dicht sein, etwa Einbaufugen, Schließfugen oder Rollladenkästen.

Aussicht auf Neues

Wer sich zum Einbau neuer Fenster entscheidet, der kann in diesem Zuge auch neu gestalten. So lässt sich die Öffnungsrichtung ändern oder eine ganz neue Einteilung und Flügelgröße wählen. Wenn der Fachmann eh schon mal dran ist, lassen sich gegen einen nicht allzu großen Aufpreis auch Fensterausschnitte vergrößern, was ein völlig neues Raumgefühl mit sich bringt.

Schutz vor Einbrüchen

In weniger als 30 Sekunden können Einbrecher ein Fenster aufhebeln, wenn es nur einfache Rollzapfenverschlüsse hat. Deutlich schwerer haben sie es bei sogenannten Pilzkopfzapfenverriegelungen. Die können sogar nachgerüstet werden, „das lohnt sich aber nicht immer – die Kosten liegen wegen des handwerklichen Aufwands vergleichsweise hoch“, sagt Brandis. Pilzkopfzapfen verhaken sich mit dem Rahmen, sodass Diebe deutlich mehr Mühe haben, Fenster und Rahmen zu trennen.

Die Nachrüstung von Schlössern und Scharnieren ist fast immer möglich. Abschließbare Fenstergriffe können gleichzeitig als Kindersicherung dienen. Bei mehreren Fenstern sollte auf gleich schließende Zylinder geachtet werden und der Schlüssel im Notfall immer auffindbar sein. Außerdem gibt es einbruchhemmende Verglasungen. Dabei unterscheidet man zwischen sechs Widerstandsklassen („Resistance Classes“, kurz RC). „Sie beziehen sich auf die Gesamtkonstruktion aus Rahmen, Beschlag und Verglasung. Bei privaten Wohngebäuden sollte man mindestens auf RC 2, besser auf RC 3 setzen“, sagt Brandis.

Die Kosten – womit man rechnen muss:

Mehrere Angebote einholen

Die besten neuen Fenster nützen nichts, wenn sie nicht ordentlich eingebaut werden. Daher sollte man diese Arbeit unbedingt einem Fachmann überlassen. „Holen Sie mindestens zwei, besser noch drei Angebote von qualifizierten Fachfirmen ein“, rät auch der Verbraucherzentralen-Experte. Die Berufsbezeichnung Fenstermonteur ist in Deutschland nicht geschützt. Qualitätsmerkmale für eine Firma können Gesellen- oder Meisterbrief als Schreiner, Tischler oder Glaser der Fachrichtung Fensterbau sein. Mitgliedschaften in der Handwerkskammer, Innung oder der Kreishandwerkerschaft sprechen für einen Mindeststandard.

Wichtig: In den Angeboten sollten genaue Angaben zur Fensterqualität und zur Montage gemacht werden. Weitere Punkte wie Gerüst- und Entsorgungskosten sollten eigene Posten sein. Ein Energieberater kann entsprechende Angebote prüfen. „Mit einem vier- bis fünfstelligen Betrag sollte man für ein Einfamilienhaus rechnen“, so Brandis. Ein Betrag zwischen 8.000 und 14.000 Euro ist realistisch.

Förderung nutzen

Für Umrüstung und Austausch von Fenstern gibt es verschiedene finanzielle Förderprogramme, zum Beispiel der KfW. Der Experte rät in jedem Fall dazu, die Mittel zu beantragen, bevor Handwerksbetriebe beauftragt werden. Wer ohne Förderung austauscht und umrüstet, kann gegebenenfalls die Handwerkerrechnungen von der Steuer absetzen.

Was Haus- oder Wohnungsbesitzern klar sein muss: Die Energieersparnis wird den Betrag für die neuen Fenster nicht schnell amortisieren. „Je nach Nutzerverhalten spart man etwa 10 Prozent zum bisherigen Verbrauch ein“, sagt Brandis. Aber durch neue Fenster verändert sich das Raumklima positiv, es zieht weniger, und im Winter setzt man sich wieder gerne ans Fenster. Und die kalte Jahreszeit kommt schneller, als man denkt.


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