Technikbegeisterte Männer gefragt

Feinoptiker: ein Job mit hoher Präzision und viel Gefühl


Wendelstein. Vor allem auf Präzision und viel Gefühl im Umgang mit Glas kommt es an. Sonja Marthold (40), Geschäftsführerin von Sill Optics in Wendelstein südlich von Nürnberg, schwärmt für Feinoptik: „Das ist ein hochtechnischer Beruf.“

Trotzdem tut sich der Hersteller von optischen Linsen und Objektiven schwer, Nachwuchskräfte zu finden – vor allem männliche. In diesem Jahr haben in dem Betrieb sieben Jugendliche ihre Ausbildung zum Feinoptiker abgeschlossen: fünf junge Frauen, aber nur zwei junge Männer.

In vielen anderen Metall- und Elektro-Branchen ist es umgekehrt: Dort ist es besonders mühsam, Mädchen für eine Ausbildung zu gewinnen.

Ein weites Spektrum von Produkten

Von den 180 Mitarbeitern von Sill Optics machen die Frauen mittlerweile 60 Prozent aus – auch in der Produktion. Vor ein paar Jahren war das Verhältnis noch ausgeglichen.

Marthold ist die Tochter von Berndt Zingrebe, dem die Firma seit 1994 gehört; in der Geschäftsführung ist sie für Personal und Finanzen zuständig. Die Zurückhaltung der jungen Männer erklärt sie sich vor allem so: „In der Berufsbezeichnung Feinoptiker fehlt der Begriff Technik.“

Viele dächten zudem zuerst an Brillengläser. „Aber mit Augenoptik haben wir nichts zu tun.“ Das Spektrum der Produkte von Sill Optics ist weitgefächert: Es reicht von Objektiven zur Qualitätskontrolle in der Fertigung von Lebensmitteln bis zu Linsen für Laser in Maschinen oder in Druckern. Mit den letztgenannten Geräten werden zum Beispiel in wenigen Sekunden die Buchstaben, Zahlen und Zeichen auf die Computer-Tastatur graviert.

Besonders auffällig in der Werkhalle von Sill Optics sind halbe Glaskugeln, so groß wie Medizinbälle. „Die nennen wir Dome“, erklärt Fertigungsleiter Torsten Krause. „Diese Halbkugeln werden als Gehäuse für Unterwasser-Kameras verwendet oder auch in ferngesteuerte U-Boote eingebaut, die die Ozeane vermessen.“

„Richtig für alle, die Abwechslung suchen“

Bis in eine Tiefe von 10.000 Metern bleiben die dicken Glashüllen wasserdicht und schützen so Kameras und Messgeräte. Ebenso wichtig ist der richtige Schliff der Dome, damit unter Wasser unverzerrte Fotos geschossen werden können.

„Viele unserer Produkte sind Einzelanfertigungen“, berichtet Sonja Marthold. „Also das Richtige für alle, die Abwechslung im Job suchen.“ Sie will weiter mit Elan für die Berufe in ihrer Branche werben – etwa für den Feinwerktechniker, aber vor allem für den Feinoptiker.

Sie präsentiert ihr Unternehmen und die Berufschancen auf Ausbildungsbörsen und in Wendelsteiner Schulen. „Künftig wollen wir auch in Haupt- und Realschulen im Süden Nürnbergs und im benachbarten Feucht gehen.“

Dort will Marthold Jugendliche für ein Praktikum bei Sill Optics gewinnen. Die Suche nach Nachwuchs liegt ihr am Herzen – besonders nach männlichen Feinoptikern.

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