Die Narren sind los

Fasching: So feiern die Bayern

Dietfurt/Würzburg/Oberstaufen. Die Narren sind los! Wenn es am Unsinnigen Donnerstag im oberpfälzischen Dietfurt aus 10.000 Kehlen „Kille Wau“ schallt, ist klar: Der Chinesenfasching hat seinen Höhepunkt erreicht. In der Gemeinde an der Altmühl, in diesen Tagen besser bekannt als „Bayerisch-China“, besteigt dann wieder Kaiser Ko-Houang-Di den Thron.

Der 6.000-Einwohner-Ort verwandelt sich dabei in ein chinesisches Spektakel mit Akrobaten, Tänzern und einem bunten Drachen. Jeder sechste Einwohner ist in einer der 55 Fest-Gruppen dabei, wenn am 12. Februar der „Gaudiwurm“ genannte Drache samt Kaiser durch die Straßen zieht.

Schließlich hat das Rheinland kein Monopol auf den Karneval. Auch hier wissen die Narren so richtig zu feiern. „Nicht nur in Mainz und Köln am Rhein, auch in Bayern kann man fröhlich sein“, reimen die Dietfurter Narren.

Im Freistaat gibt es rund 550 Vereine mit mehr als 100.000 Mitgliedern

Ob Fasching oder Fastnacht: Die Bayern feiern vor Beginn der Fastenzeit vielerorts ausgelassen und individuell. In rund 550 Faschingsvereinen im Freistaat pflegen mehr als 100.000 Mitglieder ihre Traditionen, über 70.000 allein in Franken.

Der Fastnacht-Verband Franken gehört sogar zu den größten Verbänden Deutschlands. Die von ihm organisierte Fernsehsitzung „Fastnacht in Franken“ aus Veitshöchheim verfolgen bundesweit regelmäßig mehrere Millionen Zuschauer. In Würzburg besuchen jedes Jahr am Fastnachtssonntag rund 200.000 Menschen den größten Umzug in Süddeutschland.

Nur einige Kilometer weiter, im Spessart, gibt es während der Fastnacht spektakuläre Bilder zu sehen. Grund ist der vorchristliche Brauch des „Faselsrads“. Am Faschingsdienstag rollt nahe Lohr am Main in den Orten Neuhütten, Wiesthal und Obersinn Feuer vom Berg: Mit Stroh umwundene, brennende Metallräder, die sich die Hügel herunterwälzen, sollen den Winter vertreiben.

In Oberstaufen im Allgäu wiederum geht es während der tollen Tage besonders ernst zu. Dort kehrt die Hauptperson, der „Butz“, mit seinem Besen symbolisch die Pest aus dem Dorf und erinnert damit (ähnlich wie der Münchner Schäfflertanz) an frühere Opfer der Pest. Er trägt am „Fasnat-Ziestag“ eine traditionelle Holzmaske – das Besondere an der schwäbisch-alemannischen „Fasnet“ im westlichen Allgäu und im angrenzenden Schwaben.

In Oberstaufen ist allein der Butz maskiert. Alle anderen Teilnehmer des Festumzugs sind in Tracht dabei. Am Abend des Faschingsdienstags muss die Kunstfigur dann schließlich sterben – wie jedes Jahr.


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