Kinder enterben? Gar nicht so einfach!

Erbrecht erklärt: Die Sache mit dem Pflichtteil

Oft gehörig über Kreuz: Alt und Jung – hier auf einem Holzstich aus dem 19. Jahrhundert. Foto: AKG

Angelbachtal. In Comics mit Donald und Dagobert Duck taucht die Drohung ebenso oft auf wie in Heimatfilmen: „Ich enterbe dich!“

Im echten Leben muss man sich davor nicht so sehr fürchten – vom Nachlass der Eltern kann man nicht komplett ausgeschlossen werden. Schon seit Kaisers Zeiten gilt: „Werden Kinder enterbt, steht ihnen ein Pflichtteil zu, der Gegenwert des halben gesetzlichen Erbteils“, sagt Ursula Seiler-Schopp, Fachanwältin für Erbrecht in der Kanzlei Rudolf & Kollegen in Angelbachtal (Baden-Württemberg).

Auch der Ehegatte hat stets Anspruch auf den Pflichtteil, gegebenenfalls auch die Eltern oder die Enkel. „Es bekommt ihn allerdings nur, wer ihn einfordert, dafür hat man drei Jahre Zeit“, so die Expertin.

„Den Pflichtteil kann man stets nur in Geld fordern – also nicht etwa das halbe Haus“

Ein einfaches Beispiel: Ein Witwer und sein einziger Sohn liegen über Kreuz. Ohne Testament würde Junior alles erben (mehr dazu). Der Vater will sein Vermögen aber dem Tierschutzverein vermachen. „Dafür muss er den Sohn nicht ausdrücklich enterben. Es genügt, wenn er den Verein per Testament als Erben einsetzt.“

Das kann der Sohn dann schlucken – oder nach dem Tod des Vaters den Pflichtteil verlangen: die Hälfte des Nachlasses (Beerdigungskosten und andere Posten aber herausgerechnet). „Der Sohn kann stets nur Geld verlangen, also zum Beispiel nicht das halbe Haus des Vaters“, betont Seiler-Schopp. „Der Verein muss auf Verlangen Auskunft über das Geerbte geben. In der Praxis gibt es oft Streit über die Zusammensetzung und den Wert des Nachlasses.“

Noch kniffliger wird es, wenn der Vater vor seinem Tod viel Geld an einen Freund verschenkt. „In so einem Fall hat der Sohn einen Pflichtteilsergänzungsanspruch“, sagt die Juristin, „der verschenkte Betrag wird mitgerechnet und der Tierschutzverein muss als Erbe entsprechend mehr aus diesem fiktiven Nachlass an den Sohn bezahlen.“

Generell werden nämlich Schenkungen (auch an spätere Erben!) der letzten zehn Jahre noch mitgerechnet, wenn es um den Pflichtteil geht – im ersten Jahr zu 100 Prozent, im zweiten zu 90 Prozent, und so fort.

Da staunt der Laie. Und die Fachfrau rät, auf juristischen Beistand zu setzen: Das Verlangen des Pflichtteils oder das Berechnen eines Ergänzungsanspruchs sollte man lieber nicht auf eigene Faust versuchen.

Übrigens: Man kann sich sozusagen selbst enterben, dafür muss man zum Notar gehen. „Man kann auf den Pflichtteil verzichten“, sagt Seiler-Schopp, „in der Praxis läuft das oft gegen eine Abfindung.“


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aktualisiert am 28.06.2016

Wer sichergehen will, dass sein Testament auch beachtet wird, versteckt es nicht etwa im Kleiderschrank oder auf dem Speicher. Besser: im Zentralen Testamentsregister (ZTR) registrieren lassen.

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