Checkliste: Was tun, wenns kracht?

Elf wichtige Dinge, die Autofahrer für den Fall eines Unfalls unbedingt wissen sollten

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Selbst bei kleinen Blechschäden: Nach einem Crash ist es nicht immer leicht, einen kühlen Kopf zu haben und an alles Notwendige zu denken. Die folgende Checkliste fürs Handschuhfach zeigt, was man nach einem Verkehrsunfall Schritt für Schritt tun sollte.

1. Den Unfallort absichern

Direkt nach dem Crash unbedingt das Warnblinklicht einschalten, den nachfolgenden Verkehr im Auge behalten, vorsichtig aussteigen (auf der Autobahn am besten über die Beifahrerseite). Jetzt macht sich die Warnweste in Griffweite bezahlt. Diese unbedingt anlegen, bevor man aus dem Auto steigt. „Danach unter Beobachtung des Verkehrs das Warndreieck aufstellen“, sagt Katharina Lucá vom ADAC. „Der richtige Abstand zur Unfallstelle liegt 50 bis 100 Schritte zurück, auf der Autobahn 200 Schritte.“ Ist eine Leitplanke vorhanden, unbedingt hinter dieser laufen. Dort sollten auch Beifahrer und Unfallzeugen warten – das ist sicherer.

2. Prüfen, ob es Verletzte gibt

Fragen Sie, ob Ihr Unfallgegner oder Beifahrer verletzt ist. Leisten Sie erste Hilfe. Die ersten Maßnahmen hat das Deutsche Rote Kreuz in einem Kurzüberblick zusammengefasst – dort findet man auch Adressen für Auffrischungskurse in Wohnortnähe: drk.de. Gibt es Verletzte, so muss der Rettungsdienst (112) sofort verständigt werden. Die Retter brauchen Antworten auf die folgenden Fragen:

  •  Was ist passiert?
  •  Wo ist es passiert?
  •  Wie viele Verletzte gibt es?
  •  Welcher Art sind die Verletzungen?

„Bloß keine Scheu haben, einen Verletzten anzufassen oder zu bewegen“, sagt Christoph Müller, Erste-Hilfe-Experte beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). „Das ist notwendig, vor allem um Lebensfunktionen wie Atmung und Puls zu überprüfen oder eine Blutung zu stillen. Der schlimmste Fehler, den man machen kann, ist nichts zu tun.“

3. Polizei verständigen

„Auch wenn es sich nur um einen Blechschaden handelt, sollte – bei hohem Sachschaden, unklarer Unfallursache, wenn der Unfallgegner sich unerlaubt von der Unfallstelle entfernt hat oder ein Fahrzeug mit Kennzeichen außerhalb der EU ohne Versicherungsnachweis beteiligt ist – auf jeden Fall die Polizei verständigt werden“, rät die ADAC-Expertin. Haben Sie Zweifel über den Unfallhergang, machen Sie gegenüber den Beamten nur Angaben zur Person und zum Fahrzeug. „Nur bei eindeutigem Verschulden sollten Sie ein polizeiliches Verwarnungsgeld akzeptieren.“ Die Polizei auch immer dann rufen, wenn der Unfallgegner nicht auffindbar ist – zum Beispiel, wenn ein geparktes Auto gerammt wurde. Einen Zettel zu hinterlassen reicht nicht!

4. Beweise sichern

„Fotografieren Sie, wenn möglich, die Unfallstelle“, rät Katharina Lucá. „Fast jeder hat heute ein Handy mit Fotofunktion dabei, das reicht zur Dokumentation aus.“ Ein Bild aus fünf bis zehn Metern Entfernung machen, dann die Schäden an den Fahrzeugen im Detail fotografieren. Bei Bagatellschäden können Sie danach die Unfallstelle räumen. „Notieren Sie sich zudem die Anschrift von Zeugen“, so die ADAC-Expertin. Wurde die Polizei hinzugezogen, wird der Beamte einen Unfallbericht ausfüllen, ansonsten tun Sie dies selbst. Viele Versicherungen bieten dafür Vordrucke an, die Sie immer mitführen sollten. Ansonsten halten Sie auf einem Stück Papier auf jeden Fall Folgendes fest: Unfallort und -zeit, Personalien des Unfallgegners, Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge, Versicherungsdaten und eine Skizze des Unfallhergangs in der Vogelperspektive.

5. Gegebenenfalls Arzt aufsuchen

Im Schockmoment des Unfalls spürt unser Körper Schmerzen manchmal nicht sofort, Beschwerden tauchen erst Stunden später auf. „Vor allem beim Schleudertrauma tauchen die Schmerzen im Nacken oft erst viel später auf“, sagt Christoph Müller vom DRK. Dann muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, der die Verletzung dokumentieren kann. Diese Dokumentation ist für eventuelle Schmerzensgeldforderungen unerlässlich. „Wer nach dem Unfall Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder kleinere Lähmungserscheinungen hat, sollte unbedingt zum Arzt gehen, bei schneller Verschlechterung der Symptome sollte ein Rettungswagen alarmiert werden.“

6. Versicherung informieren

Melden Sie den Schaden so schnell wie möglich Ihrer Versicherung. Sämtliche Fotos, Skizzen und Anschriften der Beteiligten per Post oder per E-Mail nachreichen. Melden Sie eventuelle Schadenersatzansprüche umgehend der gegnerischen Haftpflichtversicherung. Diese Ansprüche können auch über die Schäden am Auto hinausgehen, wenn beispielsweise Transportgegenstände beschädigt wurden. „Hat der Unfallgegner den Unfall allein verschuldet, haftet die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel vollständig. Liegt eine Mitschuld vor, wird nur ein Teil des Schadens entsprechend der sogenannten Haftungsquote erstattet“, erklärt Rechtsexpertin Lucá.

7. Gegebenenfalls anwaltliche Hilfe suchen

Wenn Sie eine Verkehrs-Rechtsschutz-Versicherung haben, setzen Sie sich mit Ihrem Sachbearbeiter in Verbindung. „Jeder Geschädigte kann sich zur Geltendmachung seines Schadens einen Rechtsanwalt nehmen“, so Katharina Lucá. Hat man selbst keine Schuld am Unfall, muss die gegnerische Versicherung die Anwaltskosten komplett übernehmen, ansonsten greift auch für diese Kosten die Haftungsquote. „Gerade bei Unfällen mit hohen Schadenssummen sollte man von der anwaltlichen Unterstützung Gebrauch machen.“ Der Rechtsanwalt hilft auch dabei, Wertminderung, Nutzungsausfall, Schmerzensgeld und weitere anfallende Kosten geltend zu machen. Wichtig: Unterschreiben Sie unverständliche Formulare erst nach Rücksprache mit Ihrem Anwalt.

8. Schaden feststellen lassen

Bei Bagatellschäden bis 750 Euro gilt in der Regel der Kostenvoranschlag oder die Reparaturrechnung als Schadensnachweis. „Bei höheren Schäden ist es ratsam, einen Sachverständigen einzuschalten“, so die ADAC-Expertin. Bei einem unverschuldeten Unfall trägt die gegnerische Versicherung die Kosten des Sachverständigen. Im Fall eines mitverschuldeten Unfalls werden die Kosten anteilig übernommen. Wichtig: Das Gutachten hat Beweissicherungsfunktion. Es enthält auch Angaben zu einer eventuellen Wertminderung des Fahrzeugs, was gerade bei neuen Autos und Leasingfahrzeugen sehr wichtig ist.

9. Wagen reparieren lassen

Sie haben in jedem Fall das Recht, Ihr Fahrzeug in einer Werkstatt Ihrer Wahl reparieren zu lassen, also auch in einer Markenwerkstatt. „Liegen die vom Sachverständigen geschätzten Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs, ist eine Reparatur wirtschaftlich unvernünftig und Sie erhalten den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes“, erklärt Katharina Lucá.

10. Mobil bleiben

Solange Sie aufgrund des Unfalls kein Fahrzeug haben, können Sie einen Mietwagen nutzen. Informieren Sie sich bei einem selbst verschuldeten Unfall bei Ihrer Versicherung. Tragen Sie keine Schuld, zahlt die gegnerische Versicherung den Mietwagen. „Klären Sie aber unbedingt vor der Anmietung ab, welche Kosten die gegnerische Versicherung übernimmt“, rät die ADAC-Expertin. „Wer einen Kleinwagen fährt, sich als Mietwagen aber eine große Limousine leistet, wird auf den Differenzkosten sitzen bleiben.“ Wer auf einen Mietwagen verzichtet, hat als Nichtschuldiger Anspruch auf eine Nutzungsausfallentschädigung. Deren Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeugtyp des eigenen Wagens.

11. Besonderheiten bei Unfällen im Urlaub

Kracht es im Ausland, ist der Crash umso unangenehmer. Fremde Sprache, wohlmöglich andere Verkehrsregeln – da kommt schnell Panik auf. „Erst einmal sind zur Sicherung der Unfallstelle aber die gleichen Schritte erforderlich wie im Inland“, sagt Katharina Lucá. Danach sollten die gleichen Angaben notiert werden wie in Deutschland. Am einfachsten geht das mit dem Europäischen Unfallbericht, den verschiedene Versicherungen auf Anfrage zusenden. Ihn gibt es auch beim ADAC. Vorteil: Die Formulare sind darin in mehreren Sprachen zusammengefasst, so ist sichergestellt, dass jeder Unfallteilnehmer auch versteht, welche Angaben gefragt sind. „Im Zweifelsfall im Ausland lieber die Polizei verständigen“, rät die Expertin. „Und niemals fremdsprachige Schriftstücke unterschreiben, deren Inhalt Sie nicht verstehen.“


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