Technologie

Elektronik wie gedruckt


Innovationen der Strom-Erzeugung verändern unseren Alltag – Deutschland an der Spitze

Eigentlich hat die Welt Energie im Überfluss: In nur 30 Minuten schickt die Sonne mehr Energie, als alle Menschen zusammen in einem Jahr verbrauchen. Bisher lässt sich die „himmlische Kraft“ aber nicht richtig nutzen. Das soll sich ändern: Bald können wir Autos, Dächer und Häuserfronten mit Hilfe einer Spezialfolie zur Stromerzeugung nutzen und faltbare Displays oder Kleidung mit Solarzellen kaufen.

Plastikelektronik in Chip und Solarzelle

Möglich machen das elektrisch aktive Kunststoffe, sogenannte „Plastikelektronik“. Die ist biegsam, lässt sich in fast jede Form bringen und kostet in der Herstellung nur einen Bruchteil herkömmlicher Bauteile aus Silizium.

Das macht den massenhaften Einsatz  attraktiv – etwa als Solarzelle, Leuchtdiode und Computerchip. Die treibende Kraft dahinter ist ein Forschungsverbund aus 28 Unternehmen und Hochschulen im Rhein-Neckar-Raum. An Bord dieses sogenannten Spitzenclusters sind unter anderem die Chemie-Konzerne BASF und Merck, die Softwareschmiede SAP und AutomobilZulieferer Bosch.

„Elektronische Komponenten lassen sich bald zu geringen Kosten und ressourcenschonend auf flexible Trägermaterialien drucken“, verspricht BASF-Professor Bernd Sachweh. Um Letzteres kümmert sich die Heidelberger Druckmaschinen AG.

Mit 40 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Vorhaben. In drei Jahren sollen erste Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Möglichkeiten gäbe es viele. Zum Beispiel Einweg-Messgeräte für die medizinische Diagnostik.

Bereits Realität ist ein Pflaster zur elektronischen Messung der Nierenfunktion durch die Haut. Oder Transistoren, die als „Funketiketten“ auf den Verpackungen kleben. Zusammen mit Sensoren, die Daten wie Helligkeit, Feuchtigkeit oder Temperatur messen, können sie dem Verbraucher jederzeit Informationen über den Zustand der Ware liefern. Sie sollen schon bald den „Barcode“ ablösen.

Organische Elektronik bringt 10.000 Jobs

Effektiv sind Solarzellen aus Kunststoff-Folien: Klebt man die hauchdünne transparente Schicht auf Fensterscheiben oder Auto-Karosserien, erzeugt sie Strom. Und organische Leuchtdioden („OLEDs“) sollen Glühbirnen, Energiesparlampen und klassische Leuchtdioden (LED) ablösen.

Dann erhellen selbstleuchtende Tapeten, Kacheln und Fenster die Wohnung. Kleine OLED-Displays kennen wir bereits von Mobiltelefonen und Autoradios. Bei der großflächigen Anwendung haperte es bisher noch an der Qualität bei der Herstellung.

Experten wie die „Organic Electronics Association“ sehen für die organische und gedruckte Elektronik in den nächsten Jahren einen Milliarden-Markt: „Jede Branche der Wirtschaft wird vom Einsatz organischer und gedruckter Elektronik betroffen sein“, meint der Vorsitzende Wolfgang Mildner. Heute liegt der Umsatz weltweit bei etwas über einer Milliarde Euro, bald soll es das 20-Fache sein.

Das erfordert aber etwas mehr Mut. Mildner: „Wir brauchen jetzt den Sprung von der reinen Technologie zum einsatzfähigen Produkt!“ Bei den derzeit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist das schwierig: „Die Kunden scheuen sich momentan davor, neue Technologien einzusetzen. Das Risiko-Empfinden ist noch relativ hoch.“

Der Spitzencluster ist da optimistischer: „Langfristiges Ziel ist es, zum weltweit führenden Standort für organische Elektronik zu werden“, sagt Cluster-Geschäftsführer Bernhard Schweizer. Für die Rhein-Neckar-Region sieht er ein Marktpotenzial von „bis zu 7 Milliarden Euro“. Das würde „bis zu 10.000 neue Jobs“ bedeuten.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang