Außergerichtliche Schlichtung

Ein Mediationsverfahren kann Zeit, Geld und Nerven sparen


Mal drüber reden, Herr Nachbar? Hier ist das keine Option – bei vernunftbegabten Wesen schon. Foto: fotolia

Professionelle Schlichter helfen dabei, eine Lösung zu finden

Nachbarn kommen sich so in die Wolle, dass ein ruhiges Zusammenleben kaum mehr möglich ist. Ein Paar in Scheidung kämpft darum, bei wem die Kinder künftig wohnen sollen. Und nach einem Todesfall bricht bitterer Streit ums Erbe zwischen Geschwistern aus: drei Fälle, die gut und gerne vor Gericht landen könnten.

Aber nicht müssen! „Eine andere Möglichkeit für solche Fälle ist die Mediation“, sagt Sosan Azad, Pressesprecherin beim Bundesverband Mediation und selbst praktizierende Mediatorin.

„Mediation ist eine Chance“

„Mediation“ bedeutet Vermittlung – durch einen unparteiischen Dritten. Die gibt es zwar auch in Deutschland schon lange, sie hat jetzt aber durch das neue Mediationsgesetz einen offiziellen Rahmen bekommen. Azad vermutet, dass sich nach der staatlichen Regelung mehr Bürger auf eine Mediation einlassen als bisher.

„Mediation ist eine Alternative, eine Chance“, betont sie. Das Verfahren eigne sich für alle die Fälle, in denen die Beteiligten in irgendeiner Form eine gemeinsame Zukunft haben. „Die Kunst der Mediation ist, dass die Lösungen von den Konfliktparteien gemeinsam erarbeitet – und nicht in Form eines Urteils von Außenstehenden vorgegeben werden. Und das macht es allen Beteiligten leichter, die Lösung zu akzeptieren.“

Eine typische Mediation hat laut Azad fünf Phasen. In der ersten werden die Rahmenbedingungen geklärt: Wo findet das Ganze statt? Wer nimmt teil? Was kostet das? In der zweiten Phase stellen alle Beteiligten ihre Sichtweise und ihr Ziel dar. Im dritten Abschnitt geht es darum, die Geschichte des Konflikts aufzurollen.

Vermittler bewertet selbst nicht

Als vierter Schritt werden dann diverse Möglichkeiten erörtert, und es wird nach einer Lösung gesucht. Gelingt das, trifft man in der fünften Phase eine präzise Vereinbarung. Eventuell muss die noch von einem Notar oder Anwalt unterzeichnet werden, etwa wenn es um Immobilien geht.

Aufgabe des Mediators ist es, den ganzen Ablauf zu leiten, ohne sich einzumischen. Darum bewerten Mediatoren auch nicht, wie Azad erklärt, sie sollen vielmehr durch ihre Fragen die Parteien so lenken, dass die selbst eine Lösung finden können.

Das ist häufig weniger zermürbend als ein Gerichtsverfahren, auf das man zudem oft lange warten muss. Und es kann sich auch finanziell lohnen. Zwar liegen die Honorare der Mediatoren bei Stundensätzen ab 50 Euro aufwärts. Allerdings übernimmt oft die Rechtsschutzversicherung zumindest einen Teil der Kosten. Und geht ein Streit erst einmal vor Gericht, kann das ja ebenfalls sehr teuer werden.

Je nach Sachlage kann es also nicht schaden, eine Mediation auszuprobieren. Zumal sie sich gar nicht lange hinziehen muss: Manche Probleme lassen sich schon innerhalb eines Tages lösen.

www.bmev.de
www.bmwa.de
mediation.anwaltverein.de

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In zwölf Bundesländern gibt es eine ganz klassische – und günstige – Variante der Mediation: die Streit-Schlichtung durch ehrenamtlich tätige Schiedsleute. Ihre Kontaktdaten kann man im örtlichen Rathaus erfragen oder online suchen. Dafür startet man auf der Seite www.schiedsamt.de und klickt sich dann weiter zur jeweiligen Landes- oder auch Bezirksvereinigung.

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