Zuverdienst übers Internet

Die Zimmerbörse Airbnb bringt Vermieter in die Grauzone

Berlin. Richard bietet 16 Quadratmeter im behaglichen Wilmersdorf, Joanna 20 Quadratmeter im Berliner Szene-Viertel Prenzlauer Berg. Bundesweit vermarkten Tausende Mieter und Wohnungseigentümer ihr Zuhause auf Internetportalen wie Airbnb. Allein in Berlin dürften letztes Jahr 245.000 Touristen oder Geschäftsreisende bei Airbnb gebucht haben. Tendenz steigend.

Städtische Kontrolleure gehen gegen Zweckentfremdung vor

Das Geschäftsmodell ermöglicht Reisenden günstige Zimmer und Einheimischen einen Zuverdienst. In der Hauptstadt zm Beispiel kommen Gastgeber jährlich auf rund 2.500 Euro, so eine Studie des US-Unternehmens. 3 Prozent Provision nimmt das Internetportal ihnen für die Vermittlung ab.

Aber Vorsicht: Wer selbst Mieter ist, dem kann die Wohnung fristlos gekündig werden, wenn er „Luftmatratze und Frühstück“ (englisch: Airbed and Breakfast) ohne die Erlaubnis seines Vermieters anbietet. Das hat das Landgericht Berlin entschieden (3.2.2015, 67 T 29/15 und 18.11.2014, 67 S 360/14).

Außerdem muss man sicherstellen, dass das Geschäft mit der Zimmervermietung nicht gegen die kommunale Zweckentfremdungsrichtlinie verstößt. Manche Großstädte wollen dem grauen Übernachtungsmarkt einen Riegel vorschieben. Begründung: Der treibe in begehrten Vierteln die Mieten weiter nach oben und verknappe den Wohnraum.

In Berlin-Mitte sind inzwischen Mitarbeiter der Bezirksverwaltung unterwegs, um nach zweckentfremdeten Wohnungen zu fahnden. Wer erwischt wird, dem drohen Geldbußen bis zu 50.000 Euro. Die Sharing-Portale, zu denen außerdem Anbieter wie 9flats.com und Wimdu gehören, machen freilich auch dem klassischen Beherbergungsgewerbe zu schaffen.

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ist man über die Konkurrenz alles andere als begeistert, auch wenn die deutsche Hotellerie 2014 den fünften Übernachtungsrekord in Folge verbuchte. Das Gastgewerbe wehrt sich dagegen, dass die Auflagen, etwa bei Sicherheit und Hygiene immer höher würden, während die Privatvermietung übers Internet ein fast rechtsfreier Raum sei.

Die Forderung der Profis lautet: gleiche Rechte, gleiche Pflichten!

 

 


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