Qualität und Hygiene

Die Tattoo-Branche verändert sich

Willich. Einweg-Handschuhe, ein großer Stuhl, es riecht nach Desinfektionsmittel, ein leises Surren ist zu hören. Wäre nicht alles so bunt, könnte man das Tattoo-Studio von Andy Schmidt fast mit einer Arztpraxis verwechseln.

An diesem Tag sind es Spielkarten, die der Tätowierer seinem Kunden unter die Haut stechen soll. Etwa drei Stunden wird es dauern, bis Andy Schmidt die vier Asse auf dem kräftigen Oberarm platziert hat, zwischen anderen Motiven – wie Anker und Koikarpfen.

Hygiene und Sauberkeit gehören in seinem Studio im niederrheinischen Willich einfach dazu: Einwegnadeln, steriles Werkzeug. „Leider ist das längst nicht in jedem Studio Standard“, so Schmidt, der auch Vorsitzender des Bundesverbands Tattoo ist: „Kein Wunder, denn in Deutschland kann jeder Tätowierer werden. Man muss nur ein Gewerbe anmelden.“ Deshalb lässt sich die Zahl der Studios nur schätzen. Von bundesweit 6.000 ist die Rede. Doch niemand weiß, wie viele Dilettanten in Kellern und Garagen herumstümpern.

Damit die Kunden Profis und Amateure besser unterscheiden können, stellt die Branche Regeln auf. „Unser Verband hat ein Label eingeführt für Studios, die alle Qualitätsstandards einhalten.“ Dazu gehören auch Farben, die frei von giftigen oder krebserregenden Stoffen sind, streng nach der staatlichen Tätowiermittel-Verordnung.

Schmidt wirbt zudem dafür, dass jeder Berufseinsteiger Seminare zu gesundheitlichen Risiken besuchen muss. Neben medizinischer Kompetenz ist aber auch künstlerisches Talent entscheidend. Das Spielkartenmotiv für seinen Kunden zum Beispiel skizziert Schmidt zuerst auf Papier. Dann schiebt er den Entwurf durch den Thermodrucker, der ein Abziehbild ausspuckt. Dann kommt die Nadel, mit der er die Farbe unter die Haut bringt.

Bundesweit haben rund sieben Millionen Menschen diese Prozedur mindestens einmal erlebt. Die günstigsten Tattoos gibt es ab 80 Euro, große Kunstwerke können schon mal 4.000 Euro und mehr kosten.

Aber wer lässt sich tätowieren? „Die Jüngeren mehr als die Älteren“, erklärt Klaus Hoffmann, Leiter der Abteilung für ästhetisch operative Medizin an der Universitätshautklinik Bochum, „aber die Kunden kommen aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten“, so der Mediziner.

Zu ihm kommen die 10 Prozent der Leute, die ihre Tattoos wieder loswerden wollen. „Die Gründe dafür sind fast nie gesundheitliche Probleme. Manche wollen Platz für neue Motive machen, weil die alten nicht mehr im Trend liegen.“ Die sogenannten Steißtribals, im Volksmund „Arschgeweih“, kommen derzeit häufig unter den Laser.


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