Verbraucher

Die schöne Hülle wird klug

Verpackung der Zukunft zeigt an, wenn die Ware nicht mehr frisch ist

Nürnberg. Nehme ich lieber die Creme in der weißen oder die in der blauen Tube? Der Joghurt im Plastik-Becher sieht echt lecker aus! Und die Chips? Au ja, die Rolle finde ich praktischer als die Tüte. Die Entscheidung treffen wir blitzschnell: Das Urteil über Kauf oder Ablehnung eines Produktes fällt innerhalb von 1,6 Sekunden, das fanden Marktforscher heraus.

„Wir entschließen uns zu 80 Prozent erst im Laden vor dem Regal“, weiß Günter Birnbaum von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung. Die Verpackung dient zunächst als Orientierungshilfe, wenn wir vor 20 verschiedenen Duschgels und 30 Tiefkühlpizzas stehen: Man nimmt, was einem am ehesten zusagt. Wie Marktbeobachtungen zeigen, sind Kunden sogar bereit, für ein ansprechendes Äußeres einen höheren Preis zu zahlen. Birnbaum: „In einem SB-Warenhaus gibt es 50.000 Artikel sogenannter schnelldrehender Konsumgüter. Wir kaufen im Schnitt aber nur 440 unterschiedliche Artikel pro Jahr.“

Viel Geld für die Forschung

Doch nicht nur als Orientierungshilfe sind Schachteln, Dosen, Tüten, Kisten und Flaschen gut. Die schützende Hülle garantiert uns vor allem Hygiene und Unversehrtheit der Ware. Zuversichtlich steckt die Industrie Millionenbeträge in die Entwicklung neuer Verpackungen.

Es geht um das attraktive Äußere und ums Gewicht: Joghurtbecher werden leichter, Chipstüten dünner. Die Hülle der Zukunft soll zudem „aktiv“ und „intelligent“ sein, so Professor Horst-Christian Langowski, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising: Die Verpackung könne die Qualität der Waren bis zum Zeitpunkt des Verzehrs verbessern, Kräuter grün halten oder anzeigen, ob das Fleisch noch frisch ist.

Allerdings setzen die Kosten den Möglichkeiten dann doch Grenzen. Langowski: „Im Fokus steht eine bestmögliche Produktqualität bei gleichzeitig sehr niedrigen Kosten.“ Laut Statistik verbraucht derzeit jeder Deutsche täglich sieben Verpackungen. Und die Verpackungsindustrie boomt: „Wir werden 2007 stärker wachsen als viele andere Wirtschaftsbereiche“, glaubt ein Drittel aller Unternehmen, die das Deutsche Verpackungsinstitut Berlin kürzlich befragte. 70 Prozent der Firmen rechnen sogar mit Beschäftigungszuwachs.

 

 

Kunststoff auf dem Vormarsch

 

Die größte Packmittelfraktion stellen in Deutschland derzeit Papier, Pappe und Karton mit 8,3 Millionen Tonnen pro Jahr, gefolgt von Glas (3,9 Millionen) und Kunststoff (3,8 Millionen). „Wertmäßig liegen aber die Kunststoffverpackungen an der Spitze“, sagt Jürgen Bruder, Hauptgeschäftsführer der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. „Sie erreichen einen Produktionswert von 12 Milliarden Euro.“ Er ist sicher, dass der Anteil an Plastikverpackungen weiter steigen wird. Das glaubt auch Forscher Langowski: „Hauptbestandteil wird Kunststoff sein – wahrscheinlich kommen Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen hinzu.“

Sabine Latorre

Info: Verpackungsmuseum Heidelberg

 

 

200 Jahre Verpackungsgeschichte: Manche Hüllen sind Kultobjekte geworden – wie die gelbe Uhu-Tube, die blaue Nivea-Dose oder die markante braune Maggi-Flasche. Wie es dazu kam, zeigt das Deutsche Verpackungsmuseum in Heidelberg, Hauptstraße 22.

 

 

Öffnungszeiten: Jeweils Mittwoch bis Freitag von 13 bis18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

www.verpackungsmuseum.de

 


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