Verbraucher

Die Musik spielt online


Bryan Adams oder lieber Madonna? Für monatlich 10 Euro hat man heute Zugriff auf 16 Millionen Musiktitel – dank Smartphone auch unterwegs. Foto: dpa

Nutzen statt besitzen – wie das Internet unser Konsumverhalten verändert

Berlin. So ein MP3-Player ist schon klasse. Stundenlang die Lieblingsmusik. Immer dabei und winzig klein. Als dieses Abspielgerät samt digitaler Plattensammlung 1998 auf den Markt kam, war es revolutionär. Doch heute begeistert sich die Jugend für eine völlig andere Technik.

Immer mehr Konsumenten wollen gar keine Musik mehr besitzen – egal ob auf CD, Platte, Band oder digital. Warum auch? Sie möchten Musik ja nur hören: jeden Hit, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Und das geht. Online.

Das neue Internet-Angebot heißt „Musik-Streaming“: Songs werden nicht mehr von der eigenen Festplatte oder dem Speicher des MP3-Players abgespielt, sondern von einem Web-Dienst bereitgestellt. Das bedeutet: Die Musik wird gemietet, nicht gekauft.

Nachfrage verdoppelt sich jährlich

Die Nutzer bedienen sich quasi in einer riesigen Musik-Bibliothek. Deren Vorteil ist, dass sie nie geschlossen hat. Der Bestand ist top-aktuell und jeder Titel immer verfügbar. Wer ein Smartphone besitzt, kann sie an jedem Ort nutzen.

Das alles klingt nach Wachstum. Und so sieht es auch das US-Marktforschungsunternehmen ABI. Die Nachfrage nach Streaming-Angeboten werde sich weltweit bis 2016 jährlich verdoppeln – von rund fünf Millionen Abonnenten im vergangenen Jahr auf mehr als 160 Millionen in vier Jahren. Klar, dass dann auch im deutschen Markt ordentlich Musik drin ist.

„Derzeit kommt viel in Bewegung“, bestätigt Tina Ro-driguez, Leiterin Fachausschuss für Online-Inhalte des Internet-Verbands Bitkom. Für die Branchen-Kennerin steht fest: „Streaming wird den Musik-Konsum in Deutschland deutlich verändern.“

Nach einer Umfrage streamt bereits jeder Zweite im Alter zwischen 20 und 29 Jahren Musik – kostenfreie Angebote eingerechnet. Jeder Dritte glaubt, dass Streaming das Herunterladen von digitaler Musik irgendwann einmal komplett ersetzen wird.

Zu den Unternehmen, die bereits das große Geschäft wittern, zählt der Weltmarktführer Spotify. Seit kurzem ist der schwedische Anbieter auch in Deutschland vertreten. Sein Geschäftsmodell: Für 5 Euro im Monat kann man 16 Millionen Titel hören. So oft man will. Für 10 Euro gibt es den Service aufs Handy.

Angebote auch für Filme

Und bei Musik wird es nicht bleiben. Bereits heute gibt es aktuelle Kino-Hits als Video-Stream. Expertin Rodriguez glaubt aber nicht, dass sich die Flatrate-Angebote der Musik-Branche zu vergleichbaren Konditionen auf Bewegtbilder übertragen lassen: „Filme schaut man meist nur einmal. Außerdem sind die Kunden bereit, für einzelne Filme mehr zu zahlen.“


 

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