Forschung

Die Echse und der Nano-Trick


Auf den Spuren winziger Alleskönner im Technoseum Mannheim

Mannheim. Die grüne Echse ist ein wahrer „Spiderman“. Problemlos läuft der Madagaskar Taggecko kopfüber an der Glasdecke seines Terrariums. Wie geht das? Durch winzige Härchen an seinen Füßen. Sie haften an mikroskopisch kleinen Unebenheiten von Oberflächen.

Das Tier ist jetzt als Anwender natürlicher Nano-Effekte zu bestaunen: im Mannheimer „Technoseum“, in der Ausstellung mit dem Namen „Nano! Nutzen und Visionen einer neuen Technologie“. Bis zum 3. Oktober dieses Jahres lässt sie die Besucher mittels dreidimensionaler Objekte, Tierchen und Mikroskope in eine faszinierende Szenerie eintauchen.

Zu den ersten Entdeckern dieses Nano-Kosmos gehören Moritz Groden (18) und Xandra Boge (16), die am Moll-Gymnasium Mannheim den Leistungskurs Physik belegen: Neugierig untersuchen sie das Modell eines Atom-Gitters. „Das ist echt spannend“, sagt Xandra. Projektleiter Reiner Bappert verdeutlicht den Unterschied der Dimensionen: „Im Vergleich zu unserer Erde bewegen wir uns in der Nano-Welt in der Größenordnung einer Haselnuss. Selbst Bakterien sind hier Giganten.“

Forscher setzen auf Nano-Tech

Die Ausstellung ist nicht nur unterhaltsam – sie wirbt auch um Verständnis für einen Zukunftsbereich unserer Wirtschaft. Die Nano-Technologie ist längst unter uns, in Zahncremes und Sonnenmilch genauso wie in Outdoor-Jacken oder sauerstoffdichten PET-Flaschen. In vielen Bereichen setzt die Forschung auf die Wirkung der Winzlinge.

Beispiel Werkstoffe: Sogenannte Kohlenstoff-Nano-Röhrchen besitzen unglaubliche Eigenschaften. Gemessen an ihrem Gewicht sind sie 400-mal so fest wie Stahl – und doch federleicht. Schon heute machen sie zum Beispiel Tennisschläger noch stabiler.

Beispiel IT: Für noch schnellere und leistungsfähigere Rechner setzt man auf Photonik, die Übertragung und Verarbeitung von Information durch Licht. Photonische Kristalle sorgen dank ihrer Nano-Strukturen dafür, dass sich Licht in gewünschter Weise leiten lässt. Es wird sogar daran gearbeitet, Gegenstände auf diese Weise unsichtbar zu machen.

Beispiel Medizin: Die Zellen im menschlichen Organismus sind raffinierte Nano-Maschinerien, in denen Tausende Prozesse gleichzeitig ablaufen. Wenn man die besser versteht, lassen sie sich  nutzen, etwa zur Bekämpfung von Krebs oder Diabetes. Geforscht wird zum Beispiel an insulinbildenden Zellen mit einem nanoporösen Tarn­mantel, die man in den Körper schleust.

Die Ausstellung informiert auch über mögliche Risiken der Nano-Technologie. Wer will, kann an Bildschirmen dazu Expertenmeinungen abrufen. Info: www.technoseum.de

Gabriele Koch-Weithofer

Was ist Nano?

Die Nano-Technologie gilt als Zukunftsfeld des 21. Jahrhunderts. Allerwinzigste Partikel verleihen hier Materialien und Strukturen neue Eigenschaften.

Nano ist das griechische Wort für Zwerg. Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters – also 0,000000001 Meter. Eine Nadelspitze ist im Vergleich dazu bereits riesig: eine Million Nanometer. In dieser Zwergenwelt gelten andere Gesetzmäßigkeiten als in unserer „normalen“, sichtbaren Welt.

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