Biete Özil – suche Götze

Deutschland im Sammelfieber: Warum Sticker den Einzelhandel begeistern

Köln. Die Fans von Fußball-Stickern sind empört. Viel zu spät, erst Ende Januar, kamen die Sammelbildchen zur aktuellen Bundesliga-Saison her­aus. Und der US-Hersteller Topps, der sich 2008 anstelle des Sticker-Weltmarktführers Panini die Exklusivrechte sicherte, beliefert jetzt nur den Discounter Penny statt wie bisher die 70.000 Kioske und Zeitschriftenläden im Land. „Sauerei“, „Tiefschlag“ lauten aufgebrachte Kommentare im Internet.

Für die Bundesliga-Bilder-Branche ist das nicht leicht zu verdauen. Auch nicht für Christian Lamping (25) aus Lohne in Niedersachsen: Er sammelt im großen Stil und ist über seine Website auch kommerziell behilflich, Alben vollzukriegen. „Bis zum nächsten Penny-Markt muss ich 30 Kilometer fahren“, klagt Lamping – und befürchtet weniger Nachfrage: „So viel Aufwand werden nicht viele Eltern mitmachen.“

Doch genau darauf setzt Penny. „Die Sammelaktionen des Einzelhandels haben riesige Anziehungskraft bewiesen“, berichtet Axel Dammler von der Münchner Marktforschungsfirma Iconkids & Youth. „90 Prozent der Kids, das wissen wir aus einer Repräsentativumfrage, sammeln irgendetwas.“ Für die Handelsketten seien die Sticker ein tolles Lockmittel.

Internet-Tauschbörse mit fast 500 Alben und 64.000 Klebe-Fans

Rewe, die Mutterfirma von Penny, hat es schon zur Fußball-WM 2010 vorgemacht: Die Sammelkarten des Deutschen Fußball-Bundes wurden den Kassiererinnen förmlich aus der Hand gerissen, der Umsatz stieg mancherorts um 25 Prozent. Das Album „Tier-Abenteuer“ der Umweltschutz-Organisation WWF musste man sogar nachdrucken, auch Disney- und Deutschland-Bildchen liefen wie geschmiert. Pro Aktion gehen etwa 100 Millionen Sammeltüten weg. Edeka, Coop, Kauf­land setzen ebenfalls aufs Sammelfieber.

Tauschtage am Eingang des Supermarkts gehören dazu: Biete Özil – suche Götze. „Rein rechnerisch reichen für das aktuelle Bundesliga-Album 56 Tütchen“, weiß Sticker-Händler Lamping, „doch meist muss man 70 Tütchen kaufen und dann tauschen.“ Ein Tütchen gibt’s für 10 Euro Umsatz. Oder für 60 Cent in bar – die Kosten für das komplett gefüllte Heft addieren sich dann auf stolze 44 Euro.

Getauscht wird auf dem Schulhof und zunehmend im Web: etwa bei stickermanager.com, wo allein aus Deutschland 64.000 Nutzer regis­triert sind. Dieses Portal listet zurzeit fast 500 Sammelalben auf.


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Schlagwörter: Konsum Familie

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