Gesundheit

Der starke Mann und der Zucker


Ein Weltmeister im Schwergewicht steht an der Spitze – trotz Diabetes

Leimen. Der Gewichtheber Matthias Steiner ist einer der stärksten Männer der Welt: 461 Kilo wuchtet er bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking im Reißen und Stoßen in die Höhe – Gold! Doch in den Jubel mischt sich Trauer: Unter Tränen widmet der Schwergewichtler die Medaille vor laufenden Kameras seiner Frau Susanne. Sie kam bei einem Autounfall ums Leben. Die Bilder gehen um die Welt.

Dank Hightech ein normales Leben

Seitdem steht der Hochleistungssportler im Rampenlicht wie kaum ein anderer. Immer wieder meistert er schwere Rückschläge im Leben, packt die Dinge energisch an.

Wie seine Zuckerkrankheit: Im Sommer 2000 fühlt sich Steiner „komisch“, hat ständig Durst, nimmt ab, hat Prob­leme beim Sehen. Die Diagnose ist hart für den damals 18-Jährigen: Diabetes! Das bedeutet lebenslang strenge Diät und täglich Insulin spritzen.

Aus für den Hochleistungssport? Nicht bei Steiner: „Frühstück um acht Uhr, drei Stunden Training, Mittagessen, Fanpost, Kaffeetrinken und noch mal zwei bis drei Stunden Training.

So läuft mein Arbeitstag“, berichtet der heute 27-Jährige. Das Diabetesmanagement schafft er mit Hilfe von „Accu-Chek Mobile“, einem Blutzuckermessgerät des Pharma-Unternehmens Roche Diagnostics aus Mannheim. Regelmäßiges Messen und die Insulintherapie ermöglichen ihm ein normales und aktives Leben.

6 Milliarden Euro steckt Mutterkonzern Roche jährlich in Forschung und Entwicklung, ein großer Teil dieses Geldes fließt in die Erforschung der Zuckerkrankheit. Nach Schätzungen der International Diabetes Federation leben inzwischen weltweit mehr als 246 Millionen Menschen mit Diabetes. Bis 2030 dürfte die Zahl auf 438 Millionen steigen.

Am Anfang ist die Umstellung für Steiner schwer; die ersten Wettkämpfe sind ein Problem: „Wegen massiver Unterzuckerung ist mir die Hantel ins Genick gefallen“, so der gelernte Installateur.

Aus der harten Erfahrung lernt er: „Der Körper und die Belastungen verändern sich, Insulin wirkt nicht immer gleich. Man muss sich ständig neu einstellen und die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen.“

Mindestens fünf Mal pro Woche trainiert Steiner im Leimener Bundesleistungszentrum: „Durch regelmäßige Messungen kenne ich meinen Körper perfekt und gehe doppelt motiviert ins Krafttraining, wenn die Werte stimmen“, sagt der Sportler. Die Zahlen zeigen knallhart an, wie gesund er lebt: Nach einer Portion Spaghetti Bolognese liegt der Blutzuckerwert zum Beispiel wesentlich höher als nach einem Salat mit Putenstreifen.

Alle Daten überträgt Steiner aus seinem Gerät auf den Computer: „Das mit dem Messen habe ich sehr gut im Griff, das ist ungemein wichtig für den Alltag.“

Ohne Ärger geht es besser

Klar, ihn nerven dabei die gleichen lästigen Dinge wie alle acht Millionen Diabetiker bundesweit: „Da messe ich abends, alle Werte sind prima“, erzählt der Gewichtheber jetzt seinen Fans und Leidensgenossen bei einer Internet-Aktion von Roche. „Im Bett messe ich noch einmal – Mist, der Blutzucker ist plötzlich zu niedrig. Damit ich nicht in einer Stunde schweißgebadet aufwache, muss ich jetzt was essen. Dabei habe ich doch schon die Zähne geputzt.“

Er selbst bleibt gelassen: „Diabetes hat man, das lässt sich nicht ändern. Je weniger ich mich darüber ärgere, umso besser geht es!“

Die letzte Weltmeisterschaft in Südkorea fand ohne Steiner statt. Grund: Eine Leistenbruch-Operation. Jetzt trainiert er für die nächste WM im September. Die Wartezeit dürfte ihm nicht lang werden: „Supersteiner“ hat wieder eine Freundin, die TV-Moderatorin Inge Posmyk. Sie erwarten im Frühjahr ein Kind.

Sabine Latorre

Damit sich Diabetiker beim Sport nicht übernehmen

Tipps von Matthias Steiner

  • Stärke: Regelmäßig große Muskelgruppen fordern. Dann verbraucht der Körper mehr Glukose. Das senkt aktiv den Blutzuckerspiegel.
  • Ernährung: Fettarme Mischkost aus Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, frischem Obst und Gemüse ist auch für Diabetiker die beste Ernährungsform.
  • Motivation: Gute Blutzuckerwerte führen automatisch zu einem Motivationsschub – bei Steiner jedenfalls.
  • Messen: Blutzucker vor und nach dem Training sowie vor und nach den Mahlzeiten kontrollieren.
  • Offenheit: Vor dem Trainingsbeginn mit einem Arzt sprechen. Während des Programms Kontakt mit einem Mediziner halten. Trainingspartner über die Erkrankung aufklären und auf die Möglichkeit einer Unterzuckerung hinweisen, damit er im Notfall helfen kann.

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