Tipp der Woche

Der Nachlass


Schicksal aller Sterblichen: Früher oder später wird fast jeder zum Erben. Foto: ddp

Pflichtteil und Schulden: Was Sie beim Erben beachten müssen

Der Tod nimmt einem einen lieben Menschen: Bei aller Trauer muss man sich dann rasch um bürokratische Dinge kümmern – und nicht zuletzt um das Erbe. Das fällt etwas leichter, wenn man seine Rechte kennt.

Ehepartner, eingetragene Lebenspartner und Kinder können nicht ganz „enterbt“ werden: Ihnen steht ein sogenannter Pflichtteil zu. Hinterlässt ein Verstorbener weder Kinder noch Enkel, können auch seine Eltern zu „Pflichtteilsberechtigten“ werden.

Geregelt ist das in Paragraf 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Demnach steht einem per Testament ausgeschlossenen Erbe die Hälfte dessen zu, was er laut gesetzlicher Erbfolge geerbt hätte. Mit einem Beispiel erklärt das Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge.

Angenommen, die einzigen Hinterbliebenen sind zwei Geschwister – und laut Testament soll der Sohn nichts, dafür die Tochter alles erben. „Nach der gesetzlichen Erbfolge würde jedes Kind die Hälfte bekommen“, sagt Bittler. Wenn also nun der „enterbte“ Sohn den Pflichtteil einfordert, wird ihm die halbe Hälfte zugesprochen: ein Viertel des Vermögens.

Drei Jahre Bedenkzeit

Praktische Fälle sind leider meistens viel kniffliger – zumal, wenn ein Erblasser  noch zu seinen Lebzeiten Vermögen verschenkt hat. Wer über so etwas mit anderen Erben streiten will, sollte stets auf die Hilfe eines Anwalts setzen.

Immerhin hat ein Pflichtteilsberechtigter bis zu drei Jahre Zeit, seinen Anteil einzufordern. Und die Frist beginnt erst, wenn er  von dem Todesfall erfahren hat.

Viel weniger Zeit hat, wer eine Erbschaft „ausschlagen“, also sie ablehnen will: nur sechs Wochen. Nicht in allen Todesfällen ist ja eine sogenannte Erbmasse vorhanden – und manchmal sind sogar nur Schulden zu erben.

Wer als Erbe den Verdacht hat, dass der Verstorbene überschuldet war, sollte versuchen, mehr Informationen zu bekommen. Ob eine eidesstattliche Versicherung („Offenbarungseid“) geleistet worden ist, weiß das Amtsgericht. Banken geben aber meist nur Auskunft, wenn ein Erbschein vorliegt – und den bekommt nur, wer ein Erbe angenommen hat.

Steht klar fest, dass der Tote überschuldet war, sollte man das Erbe ausschlagen. Das muss man aber aktiv tun – sonst gilt es automatisch als angenommen! Die Ausschlagung erklärt man beim örtlichen Nachlassgericht.

Wird ein Nachlass mit Schulden angenommen, muss man in den ersten drei Monaten noch keine Rechnungen begleichen. Zeigt sich, dass die Schulden nur knapp beglichen werden können, ist es sinnvoll, bei Gericht eine „Nachlassverwaltung“ zu beantragen.

Haftung beschränken

Der Erbe beschränkt damit seine eigene Haftung auf den Nachlass. Der Nachlassverwalter sorgt dann dafür, dass alle Gläubiger ihr Geld bekommen – was am Ende übrig bleibt, zahlt er an den Erben aus.

Wer allerdings vermutet, dass das Erbe doch nicht ausreicht, um alle Schulden zu begleichen, sollte sofort ein „Nachlassinsolvenzverfahren“ beantragen. „Denn sonst“, warnt Experte Bittler, „haftet der Erbe auch mit seinem eigenen Vermögen.“

 

Bettina Blass

 

www.dvev.de

www.erbrechtsforum.de

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