Impfen

Der Glaubenskrieg: Impfen oder nicht?

Mediziner raten zur Vorsorge, Skeptiker warnen vor Risiken

Hohes Fieber, Kopfweh und starke Gliederschmerzen – wer schon einmal eine Influenza hatte, weiß dass die Virus-Grippe mehr ist als eine harmlose Erkältung. Acht- bis zwölftausend Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an der Infektionskrankheit. Obwohl es längst einen wirksamen Impfstoff gibt. Noch ist Zeit sich impfen zu lassen. Doch nur etwa jeder dritte Deutsche sorgt vor.

„Das ist viel zu wenig, besonders in der Risikogruppe von Menschen über 60 und beim medizinischen Personal“, bedauert Sabine Reiter, Expertin für Impfprävention beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Und nicht nur beim Grippeschutz hapert es in Deutschland. „Viele Erwachsene vergessen einfach, dass sie ihren Schutz gegen Diphtherie und Tetanus alle zehn Jahre auffrischen sollten“, erklärt Reiter. Sie empfiehlt: „Jugendliche sollen sich darüber hinaus noch einmal gegen Keuchhusten und Polio impfen lassen.“

Wer die Impfung vergisst, gefährdet sich selbst – und andere: Keuchhusten zum Beispiel gilt als typische Kinderkrankheit. Tatsächlich ist aber mehr als ein Drittel der Erkrankten älter als 45, so das Ergebnis einer Studie von Martina Littmann vom Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern.

Weltweit 17 Millionen Opfer

Diese Menschen sind ein lebensbedrohliches Risiko für nicht geimpfte Säuglinge. Die meisten Kleinstkinder werden von ihren Eltern oder Großeltern angesteckt.

Weltweit sterben jedes Jahr 17 Millionen Menschen an Infektionen. Die Erfolge des Impfens lassen sich dagegen nur schätzen, bedauert Stefan Kaufmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin: „Es sind jene acht Millionen Menschen pro Jahr, die am Leben bleiben.“

Dennoch sind viele beim Impfen nachlässig. Manche Eltern kleiner Kinder haben aber auch grundsätzliche Bedenken gegen das Impfen. Sie fürchten: Impfstoffe könnten zu Komplikationen führen, die gefährlicher sind als die Krankheiten, vor denen sie schützen sollen.

Und Impf-Skeptiker behaupten: Langfristige Nebenwirkungen wie Allergien oder Diabetes würden schlicht nicht registriert. „Man kann als Laie nur schwer einschätzen, ob dieser Verdacht stimmt“, sagt die Mutter Annika Franck aus Köln. Sie geht auf Nummer sicher: Ihre zweijährige Tochter ist nur gegen Diphtherie, Tetanus und Polio geimpft. „Alles andere kommt später, wenn ihr Immunsystem stärker ist.“

„Es wird nichts verschleiert“

Fachleute wie Sabine Reiter halten die Ängste der Impf-Skeptiker für unbegründet. „Es wird nichts verschleiert“, sagt die RKI-Impfexpertin. Impfstoffe gehören nach ihrer Überzeugung zu den am besten überwachten Arzneimitteln überhaupt. Für die Wissenschaftlerin steht fest: Die Krankheiten sind auf jeden Fall schlimmer als die Nebenwirkung der Immunisierung. Masernausbrüche wie 2006 an Rhein und Ruhr belegen das. Rund 350 Kinder und Jugendliche steckten sich an. „Es gab schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle, weil nicht genug Kinder gegen Masern geschützt sind.“

Nicht ohne Grund will die Weltgesundheitsorganisation WHO die gefährliche Krankheit intensiver bekämpfen. 2005 starben nach ihrer Schätzung weltweit 345.000 Menschen an den Masern, meist Kinder. Bis 2010 will die WHO die Zahl der Todesopfer durch eine Impfkampagne um 90 Prozent verringern.

„Doch das gelingt nur, wenn alle mitmachen“, weiß Reiter. In Deutschland ist das bisher nicht der Fall. „Wir Deutschen sind leider noch immer einer der Hauptexporteure für das gefährliche Virus.“

 

Suska Döpp

 

Hier erhalten Sie Infos

Zum Impfen: Eine Impf-Hotline gibt es beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg, einer gemeinnützigen Vereinigung. Telefon: 06421-293188 (jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr)

Zu den diskutierten Risiken: Sind Impfungen nötig? Oder gar gefährlich? Was weiß man über Impfschäden und Risiken? Robert-Koch-Institut und Paul-Ehrlich-Institut informieren ausführlich darüber im Internet.


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