Smartphones

Der Doc für unterwegs


Gesundheits-Apps liegen im Trend – doch vor allem Männer scheuen den Weg zum Arzt

Berlin. Das Smartphone einschalten, Zeigefinger auf die Foto-Linse des Flachmanns legen – und schon zeigt das Display den Puls an. Vorausgesetzt, man hat die richtige App auf dem Phone.

Gesundheits-Apps sind der neueste Trend. Ihre Zahl hat sich seit 2010 auf 15.000 fast verdreifacht. „Sie treffen den Puls der Zeit“, sagt Pablo Mentzinis, Telemedizin-Experte beim IT-Verband Bitkom.

Apps sind kleine Programme. Die lassen sich aus dem Internet auf das Smartphone herunterladen.

Das Handy kann sogar feststellen, ob Blutdruck oder Blutzuckerspiegel in Ordnung sind. Dazu benötigt es aber Zubehör: Der Blutdruck wird per Manschette am Arm, der Blutzuckeranteil durch einen Tropfen Blut auf einem Teststreifen ermittelt – und dann ans Telefon übertragen.

Der Clou: Die Handys liefern laut „Stiftung Warentest“ ähnlich präzise Ergebnisse wie die Profi-Technik in der Arztpraxis.

Der virtuelle Doc ist stets griffbereit. Vor allem aber: Er stellt keine unangenehmen Fragen, wenn etwa der Blutdruck immer viel zu hoch ist.

Denn geht es darum, sich vom Arzt tatsächlich durchchecken zu lassen – dann kneifen die meisten. So ging 2010 nur jeder vierte Mann über 45 zur Krebsvorsorge, ergab eine Umfrage der Techniker Krankenkasse im vergangenen Sommer.

Ab diesem Alter haben Männer Anspruch auf die jährliche kostenlose Untersuchung. Immerhin: Sechs von zehn Frauen lassen sich regelmäßig durchchecken.

Messen und messen, bis der Wert stimmt

Elli Stenkamp, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie, wundert sich nicht, dass immer mehr Menschen ihr Heil in den coolen Apps suchen – anstatt mal zum Gesundheitscheck zu gehen: „Viele wollen nicht wissen, was mit ihnen wirklich los ist“, so die Gesundheitsexpertin der Techniker Krankenkasse.

Was die Umfrage auch belegt: Jeder dritte Herr der Schöpfung möchte sich nicht mit schlimmen Erkrankungen auseinandersetzen.

Stenkamp: „Die greifen dann lieber zur Selbstkontrolle – und messen wieder und wieder. In der Hoffnung, dass die Werte irgendwann stimmen.“

Gerade bei Männern käme noch ein anderer Aspekt hinzu: „Die wollen nicht im Wartezimmer sitzen.“

Das dürfte in Zukunft in vielen Fällen kein Thema mehr sein. Dank Handy. Die gespeicherten Daten lassen sich per E-Mail an den Arzt verschicken, der sich dann alles anschauen kann. Vor allem für chronisch Kranke, die sich streng an einen Therapieplan halten müssen, könne das so manchen Besuch in der Praxis ersparen, meint Bitkom-Mann Mentzinis.

Gleichwohl warnt er Vorsorge-Muffel, sich durch die Apps in Sicherheit zu wiegen: „Sie können die Untersuchung nicht ersetzen!“

Kostenlose ärztliche Checks, auf die Sie Anspruch haben:

www.aktiv-online.info/gratis-vorsorge

Zur Themenseite Smartphone-Apps: www.aktiv-online.info/apps

 

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