Innovation

Der digitale Suchhund


Bergung von Lawinenopfern: Galileo-Satelliten sollen helfen

Berchtesgaden. Tiefschneehänge sind für Skifahrer wie für Tourengeher verlockend – und gefährlich. Sobald eine Lawine den Traum in Weiß zur weißen Hölle macht, ist die passende Ausrüstung nötig – aber nicht immer am Mann.

„40 Prozent haben keinen Lawinenpiepser dabei“, schätzt Gerd Waizmann, Geschäftsführer der Firma „proTime“. Der Unternehmer aus Prien am Chiemsee arbeitet deshalb gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft an einem neuen Rettungssystem. Mit ihm sollen verschüttete Wintersportler auch über ihr Mobiltelefon geortet werden können – mit Hilfe des Satellitensystems Galileo. „Denn ein Handy“, sagt Waizmann, „hat heute jeder.“

Ortung bis auf wenige Meter genau

Bislang sind Funksignale von Lawinenpiepsern der einzig brauchbare Hinweis für Rettungstrupps: Mit herkömmlichen Empfangsgeräten lassen sich Verschüttete grob lokalisieren. Dann müssen Hunde sie aufstöbern oder Rettungsmannschaften mit Stöcken im Schnee herumstochern. Wichtiger Helfer ist das Glück.

Galileo bietet neue Möglichkeiten: Das System lässt eine auf wenige Meter genaue Ortung von Funksignalen zu – auch von Handys. 2012 soll der erste Satellit des europäischen Raumfahrt-Projekts im Weltall sein. Zwei Jahre später könnten dann 29 weitere die Erde umkreisen.

Waizmann möchte das amerikanische Satellitensystem GPS und Galileo gemeinsam nutzen, um die Genauigkeit seiner Ortung noch zu erhöhen. In Berchtesgaden wird Galileo dafür bereits getestet. Antennen auf sechs Berggipfeln simulieren das Signal aus dem All. Aber selbst wenn alles klappt: Ein Problem bleibt. Auch eine mit Galileo grob geortete Position muss noch genau festgestellt werden.

Gipfel-Antennen simulieren Signal

Waizmann ist zuversichtlich, auch dafür eine Lösung zu finden. So ist schon der Prototyp eines Empfängers entwickelt, der Funksignale genau orten kann – allerdings nur die von Lawinenpiepsern. Dafür sind am Unglücksort Messungen an mindestens drei Stellen nötig.

Der Geschäftsführer von pro-Time hofft, auf diese Weise auch einmal Handys orten zu können. „Wir stecken aber noch in der Entwicklung“, sagt der Ingenieur. Für alle Lawinensuchhunde heißt das: Zumindest in den nächsten Jahren bleiben die sympathischen Retter voll gefordert.

MST

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