Ausflugs-Tipp

Der Chemiepark ist eine Reise wert


Die „Route Industriekultur“ lockt Jung und Alt nach Marl

Mit großen Augen guckt Claudia Carnein durch das Fenster des Reisebusses. „Schau mal, Papi, der hohe Schornstein!“, „Da ein Tankschiff!“, „Das sind aber viele Rohre hier!“, ruft die Zwölfjährige bei der Fahrt durch den großen Chemiepark. „Was  produzieren die hier?“, will das Mädchen wissen.

Klaus Feldmann, der den Bus durch das Werk begleitet, lächelt. „Wichtige Stoffe für deine Zahnbürste zum Beispiel. Und Substanzen, die in Windeln die kleinen Babys trocken halten.“

An die 6000 Touristen pro Jahr im Park

Dann schiebt er für die Erwachsenen nach: „Die Firmen hier produzieren aber auch Anti-Klopfmittel für Benzin sowie Biodiesel aus Rapsöl.“ Erstaunte Blicke sind die Antwort. „Wow, in so vielen Dingen steckt Chemie!“, staunt einer der Besucher.

An die 6.000 Touristen führen Feldmann und seine Kollegen jährlich durch den Chemiepark. Er ist eine der zwei Dutzend Hauptattraktionen der „Route Industriekultur“  im Ruhrgebiet, die Industrie und Technik zum Freizeit-Erlebnis für Kinder und Erwachsene macht. Zu besichtigen sind alte Hütten und Zechen, Kokereien und Kraftwerke, das Gasometer in Oberhausen (derzeit mit Astronomie-Ausstellung) sowie das Gaseum in Essen (über Gase).

Die kleine Claudia hat sich beide schon angeguckt. „Das sind tolle Technikmuseen“, findet sie. Seit ein paar Wochen klappert die Essenerin zusammen mit ihrem Vater die Industrie-Route ab.

Jetzt ist der Chemiepark in Marl dran. Den findet sie besonders spannend. Denn der ist kein Industrie-Relikt, sondern ein lebendiger Standort. Hier dampft und zischt es bei manchen Betrieben, sprudelt und wirbelt es in der Kläranlage, surrt und brummt es im Elektrizitätswerk.

„Die Betriebe produzieren tagein und tagaus“, so Feldmann. „In vier Schichten rund um die Uhr.“ Gut 10.000 Beschäftigte stellen in Marl über 4.000 Produkte her. In 100 Anlagen von 30 Firmen.

Anderthalb Stunden fährt der Touri-Bus über das Riesengelände: 650 Hektar mit eigenem Hafen sowie Güterbahnhof. „Schau mal Papi, die großen Kesselwagen. Puh, sind das viele!“ Der kleinen Besucherin wird es nicht langweilig.

Immer wieder gleitet ihr Blick nach oben zu den unzähligen Rohren, die hoch über dem Bus das Werkgelände überziehen. „Die verbinden die Anlagen miteinander“, erklärt Feldmann. „Was für den einen Betrieb ein Zwischen- oder Abfallstoff ist, ist für den anderen häufig ein wichtiger Rohstoff. Durch den gegenseitigen Austausch von Stoffen arbeiten daher alle effizienter.“

Auch in der Krise wird investiert

Das macht die Betriebe wettbewerbsfähig. Und nutzt so dem Standort. Das Ergebnis: Trotz Wirtschaftskrise wird in Marl investiert. Bauarbeiter bringen alte Anlagen auf Vordermann oder erweitern sie, daneben schießen neue Betriebe aus dem Boden. Wie etwa der für Biodiesel.

Überhaupt die Umwelt! „Früher konnte man die Anlagen am Geruch erkennen“, erzählt Feldmann. „Das ist längst vorbei.“ Dank aufwendiger Luftreinigungs-Technik.

Eine saubere Sache also. Das findet nach der Tour Ulrike Vobker aus Herten. Das nächste Mal will sie mit ihrer Tochter kommen. „Vielleicht kann sie hier eine Ausbildung machen“, hofft sie. Und auch Claudia ist schon gespannt – auf den Chemie-Unterricht nach den Ferien.

Matilda  Jordanova-Duda

Route Industriekultur

Die Route Industriekultur lädt auf 25 Teilstrecken zu Ausflügen ins Ruhrgebiet. Sie informiert über Kohle, Stahl und Bier, die Krupps und Arbeiter – sowie Chemie. Hauptattraktion ist hier der Chemiepark Marl. Infos: www.route-industriekultur.de sowie www.infracor.de

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