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„De-Mail“ macht der Post Beine


Das geht auch schneller: Künftig können wir sogar Einschreiben per Mail versenden. Foto: ddp

Bald lässt sich Vertrauliches elektronisch verschicken

Berlin. Nicht alles hat so viel Zeit wie die Briefe, die Fiede Nissen (auf dem Foto oben) zu den nordfriesischen Halligen Langeness und Oland befördert. Oft kommt schon die normale Post zu spät – in einem Test der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ Ende August erreichten nur 60 von 99 Briefen am Werktag nach dem Einwurf ihr Ziel.

Doch in Friedrichshafen am  Bodensee beginnt jetzt eine neue Ära: Ab Oktober sollen die Post-Boten dort weniger schleppen – und obendrein die Warteschlangen in den Behörden verschwinden.

Sparpotenzial: 1,5 Milliarden pro Jahr

In der 58.000-Einwohner-Stadt  läuft  nämlich  ein Modellversuch des Bundesinnenministeriums. Zur „De-Mail“. Das ist ein sicheres Mail-Format, mit dem die Regierung den virtuellen Briefverkehr revolutionieren will: Mailen wird so sicher wie Briefpost. Damit wir uns Papierkram und Behördengänge sparen.

Gabriele Hermani, Sprecherin des Innenministeriums, sagt: So ein sicherer elektronischer Versanddienst werde „dringend benötigt, um den wachsenden Sicherheits- und Datenschutzproblemen bei wichtigen Geschäften und vertraulichem Schriftverkehr im Internet zu begegnen“.

Die Ziele: Bürokratie abbauen und Kosten senken. Laut Ministerium können Bürger, Wirtschaft und Verwaltung mit De-Mail jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro sparen! Und jede Menge Zeit. 

Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten: Notare können wichtige Daten mailen, Behörden Bescheinigungen, Bürger Verträge und Urkunden. Sogar Einschreiben sind dann per Mail möglich. Grundsätzlich kann alles versendet werden, was „rechtsgültig“ ist. 

So funktioniert’s: Wer ein Postfach eröffnen will, muss sich erst gegen Vorlage des Personalausweises identifizieren lassen. Die Anbieter, die Mails sicher verschlüsselt versenden wollen, werden vom „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ zertifiziert. Die Nutzer können auch in einem virtuellen „De-Safe“ Dokumente ablegen und jederzeit darauf zugreifen. Die Kosten trägt der Absender – wie viel, ist noch offen.

Die Lohnabrechnung gibt’s digital

In Friedrichshafen machen Behörden, Banken, Versicherungen und Industrie-Unternehmen beim Versuch mit. So wird der Auto-Zulieferer ZF die Lohnabrechnungen für ausgewählte Mitarbeiter per De-Mail senden, das Finanzamt Steuerbescheide und Versicherungen Verträge. Für Bürger ist die Nutzung freiwillig.

Die Deutsche Post trifft schon fieberhaft Vorkehrungen. Sie will künftig selbst zu den De-Mail-Anbietern zählen – um die Verluste bei der Briefpost aufzufangen.

Barbara Auer

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