Ehrenamt

Das macht ein Arbeitsrichter


Karlheinz Wittmann: Seit 15 Jahren ehrenamtlicher Richter beim Landesarbeitsgericht in Mannheim. Foto: Balzarin

Personalleiter Karlheinz Wittmann im Interview

Eberbach. Ärger mit der Firma? Eine unberechtigte Kündigung? Nicht selten landen solche Streitereien vor dem Arbeitsgericht. Dort urteilen ein Berufs- und zwei Laienrichter über den Fall. Die Laienrichter kommen aus Unternehmen: Je einer von der Arbeitnehmer- und einer von der Arbeitgeberseite. AKTIV sprach mit Karlheinz Wittmann, Personalleiter bei Gelatinehersteller Gelita in Eberbach. Er ist seit 15 Jahren ehrenamtlicher Richter beim Landesarbeitsgericht in Mannheim.

 

AKTIV: Herr Wittmann, wie oft sind Sie im Gericht und welche Fälle verhandelt man dort?

Wittmann: Im Schnitt bin ich bei vier bis acht Kammersitzungen pro Jahr dabei. Pro Termin verhandeln wir acht bis zehn Klagen und fällen Urteile. Meist geht es um Kündigungen, Abmahnungen und Anhörungen vom Betriebsrat. Aber auch um Urlaubsfragen, strittige Verdienstzahlungen oder Verletzungen des Wettbewerbsrechts.

 

Sind Sie denn Jurist? 

Nein, Diplomkaufmann. Aber nach 27 Jahren als Personalleiter kenne ich mich im Arbeitsrecht sehr gut aus. Das Gericht sucht in Laienrichtern auch nicht den juristischen Beistand, sondern Fachverstand aus dem täglichen Arbeitsleben.

 

Was tun Sie denn bei einer Verhandlung und wie groß ist Ihr Einfluss?

Zunächst lese ich die Akten, dicke Wälzer mit 200 bis 300 Seiten. Dann befrage ich Kläger, Angeklagte und Zeugen genau wie jeder Profirichter. Die Laienrichter haben die gleichen Rechte und die gleiche Stimme, da gibt es keinen Unterschied.

 

Wenn es um Kündigungen geht – vertreten Sie da die Arbeitgeberposition? 

Nein! Natürlich kenne ich die Argumente der Arbeitgeberseite, aber bei der Beurteilung des Sachverhaltes darf das keine Rolle spielen. Im Gegenteil. Die Auseinandersetzung mit der Gegenposition schärft den Blick und hilft auch im Berufsalltag eines Personalleiters.

  

Finden Sie die Verhandlungen und die Urteile immer gerecht?

Das ist eine schwierige Frage. Aber das Gesetz hat immer Vorrang, auch wenn man persönlich vielleicht eine andere Sichtweise vertritt. Oft signalisiert das Gericht den Beteiligten vorab, wie das Urteil ausfallen wird. Dann können sich die Parteien überlegen, ob sie ihre Klage nicht lieber durch einen Vergleich beenden.

 

Was würden Sie als Laienrichter jemandem raten, der eine Kündigung auf dem Tisch hat?

Wenn die Kündigung offensichtlich ungerechtfertigt ist, kann man vor dem Arbeitsgericht klagen. Sinnvoll ist es aber auf jeden Fall, sich rechtlich beraten zu lassen. 

 

Sabine Latorre

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