Innovationen

Das Handy als Türöffner


Schließsystem-Hersteller Burg fand den Schlüssel zum Erfolg im China-Geschäft

Wetter. Frank Schrodt zückt eine weiße Plastikkarte. Hält sie vor die Tür eines verschlossenen Schaltschranks. Wo sonst der Schließzylinder steckt, ist  ein Kästchen mit Schlitz. Jetzt leuchtet dieser blau auf, die elektronische Schließanlage ist scharfgeschaltet. Dann schiebt der Manager sein Handy vor den Schlitz, das System erkennt dessen Chip – und der Weg ist frei in den Schrank. Das Mobiltelefon als Türöffner.

Den Kunden gefolgt

Ausgedacht hat das Burg in Wetter, einer der drei führenden Schließsystem-Hersteller weltweit. Und Marketing- und Vertriebs-Chef Schrodt weiß, wo sie besonders gut ankommen wird: in China, dem Land mit den meisten Handys! Anfang 2009 will Burg dort mit dem Verkauf loslegen.

Seit vier Jahren hat die Firma  auch eine Fabrik in Nanchang. Das ist eine 4,6-Millionen-Met-ropole, die jeweils eine Flugstunde von Schanghai und Hongkong entfernt liegt.

Von hier aus beliefert sie ihre Kunden, die in der Volksrepublik produzieren  – wie den weltweit größten Schaltschrank Hersteller Rittal.

 

Wer in diesen Zukunftsmarkt drängt, kommt an einer Fertigung vor Ort nicht vorbei. 80 Prozent des Wertes müssen „Made in China“ sein. Schrodt: „Da waren wir gezwungen, unseren Kunden zu folgen.“

Das China-Geschäft hat freilich seine Tücken.

 

Beispiel Zoll: Burg fertigt nicht alles komplett im Reich der Mitte, so wird etwa die zugekaufte Elektronik angeliefert. Je nach Produkt  kommen  7 bis 30 Prozent des Wertes an Zollgebühren hinzu. „Kaum einer blickt durch. Und es ist auch ein Stück Verhandlungssache, was Sie am Ende zahlen“, so Schrodt.  Zudem passiert es nicht selten, dass der Zoll die Ware festhält, weil Kleinigkeiten wie beispielsweise ein Stempel fehlen. Schrodt: „Da brauchen Sie die richtigen Kontakte, um Ihre Sachen loszueisen.“

„Schutzrechte direkt in China sichern!“

Beispiel Schutzrechte: Es ist enorm wichtig, den Firmen- und Markennamen direkt in China schützen zu lassen: „Viele  wissen das nicht. Und wundern sich, dass ihr Name von anderen gesetzeswidrig genutzt wird.“ 

Dazu kommt das Problem Produktpiraterie.  „Dinge, in denen viel Know-how steckt, geben wir in China nicht aus der Hand“, unterstreicht Schrodt.  Das betrifft beispielsweise die  Formen für den Zinkdruckguss, einer der wesentlichen Bestandteile der Schließsysteme.

Vor einem Jahr zog Burg in Nanchang in einen Gewerbepark um, in dem drei weitere Betriebe aus NRW ihre ChinaFertigung aufziehen. Die tauschen jetzt ihre Erfahrungen aus, knüpfen gemeinsam Kontakte zu Regierung und Behörden. Und Schrodt ist so etwas wie ein Unternehmensberater geworden: „Es muss ja nicht jeder die gleichen Fehler machen.“

Wilfried Hennes

 

Info: Burg F.W. Lüling KG

Ob Schließsysteme für Betriebseinrichtungen, Fenstergriffe, Schaltschränke, Büromöbel oder Auslieferungswagen der Post: Für all das hat die Burg F.W. Lüling KG die passende Lösung im Angebot. Die klassischen Vorhängeschlösser, mit denen das Unternehmen groß geworden ist, steuern nur noch 5 Prozent zum Umsatz bei. Der Exportanteil liegt bei  25 Prozent. Das 1890 gegründete Familienunternehmen hat  am traditionellen Firmensitz Wetter 150 Mitarbeiter. Dazu kommen 100 Beschäftigte in Tschechien und 60 in China. 

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