Süßigkeiten, Sneakers und mehr – ganz persönlich

Customized Products: Wo Sie maßgefertigte Waren bekommen

Cola-Flaschen, Brotaufstrich-Gläser, Cremedosen, Schokoladentafeln, Müslis, Kaffees – personalisierte Produkte erobern den Markt. Doch warum bieten die Hersteller auf einmal diese Option? „Es ist ein psychologisches Instrument“, sagt Jens Rothenstein vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). „Kunden müssen sich beim Personalisieren stark mit dem Produkt und der Marke beschäftigen. Das schafft eine hohe Kundenbindung.“ Zudem diene die Personalisierung häufig noch als Alleinstellungsmerkmal. „Damit können sich Unternehmen von der Konkurrenz abheben.“

In der folgenden Galerie zeigen wir Ihnen einige Beispiele für Customized Products:


Direkte und emotionale Ansprache

Und den Verbrauchern gefällt die neue Freiheit beim Gestalten. Laut einer aktuellen Umfrage des auf Handelslogistik spezialisierten Softwareanbieters JDA bekundeten ein Viertel der Befragten eine Vorliebe für personalisierte Produkte. „Diese sind deswegen so nachgefragt, weil die Konsumenten sich direkt und emotional angesprochen fühlen“, sagt Marketing-Professor Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Und auch, wenn die Produkte nicht für einen selbst, sondern als Geschenk gedacht sind, haben sie einen attraktiven Mehrwert. „Da hat das Personalisieren etwas von Selbstbasteln“, sagt Jens Rothenstein. „Es hat sich jemand Mühe gegeben, Gedanken gemacht, nicht nur einfach irgendetwas gekauft. Und das, ohne die wirkliche Mühe zu haben, etwas selbst basteln zu müssen.“

Verbesserte Technologien machen’s möglich

Dieses gute Gefühl, etwas speziell Gemachtes in den Händen zu halten, können die Unternehmen mittlerweile zu passablen Preisen realisieren. „Der interne Prozess ist sicherlich aufwendiger“, sagt Martin Fassnacht. „Doch das Kreieren von personalisierten Produkten und Dienstleistungen ist mit den heutigen verbesserten Technologien in angemessener Investitionshöhe umsetzbarer geworden.“ Kein Wunder, dass immer mehr Branchen auf diesen Markt drängen. „Zu beobachten ist, dass momentan viele Anbieter aus dem Bereich Food auf Individualisierung setzen. Außerdem ist der Trend deutlich im Drogerie-Segment zu spüren“, so Jens Rothenstein.

Kunden zahlen gerne mehr

Auch im Bereich Mode gibt es immer mehr Anbieter, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. So setzen Turnschuhhersteller wie Adidas und Nike auf individuelle Schuhe, die man sich im Netz konfigurieren kann – von der Polsterung der Sohle bis hin zur Farbe der Schnürsenkel. Doch dieser Zuschnitt auf die Bedürfnisse des Kunden hat für diesen auch seinen Preis. Den bezahlen die Verbraucher offenbar gerne. „Eine Studie hat gezeigt, dass Käufer von personalisierten Produkten nicht nur bereit sind, 67 Prozent häufiger auf den Herstellerseiten im Internet zu sein, sondern auch circa 30 Prozent mehr zu zahlen als Konsumenten, die bisher nur standardisierte Produkte gekauft haben“, sagt Martin Fassnacht. „Mit der Personalisierung haben die Hersteller eine adäquate Rechtfertigung für höhere Preise in Zeiten der Preiskämpfe.“ Das Personalisierungsgeschäft ist dabei vor allem bei der Zielgruppe der Onlinekäufer ein lukratives Nebengeschäft.

Tücken der Individualisierung

Doch nicht jeder will immer und überall alles persönlich konfigurieren und modifizieren. „Wenn die Individualisierung zum Zwang wird und Kunden alles anpassen müssen, obwohl sie mit dem Standardprodukt doch zufrieden wären, kommt es schnell zur Überforderung“, sagt Jens Rothenstein. „Immer und überall bietet sich das Individualisieren nicht an. Es ist eine tolle Option, ein ,Add-on‘. Werden solche Angebote zum Standard und bieten alle sie an, wird es irgendwann nicht mehr so interessant sein.“

Rechtliche Besonderheiten

Speziell sind übrigens nicht nur die individualisierten Produkte selbst, sondern auch die Verbraucherrechte, die bei diesen Produkten Anwendung finden. „Das Widerrufsrecht, wovon man sonst bei im Internet bestellter Ware 14 Tage lang Gebrauch machen kann, gilt bei individuell angepasster Ware nicht“, sagt Miriam Rusch von der Verbraucherzentrale NRW. „Das Gewährleistungsrecht bleibt aber unberührt. Wird ein Foto zum Beispiel fehlerhaft auf eine Verpackung aufgedruckt, kann man Nachbesserung verlangen.“

Wer personalisierte Produkte bestellt, sollte also immer genau schauen, ob er sich nicht etwa vertippt hat und auch wirklich die korrekten Auswahlmöglichkeiten angeklickt wurden, bevor die Bestellung abgeschickt wird. Viele der Online-Shops mit personalisierten Waren sind noch sehr klein. Hier stellt sich manchmal die Frage der Seriosität: Ist das Geld schnell weg, ohne dass Ware geliefert wird? Auch hier kann sich der Kunde schützen. „Das Zertifikat Trusted Shop ist ein guter Hinweis“, sagt Miriam Rusch. „Außerdem sollte der Shop nicht nur Vorkasse als Zahlungsmethode anbieten. Und der Verbraucher sollte sich vor dem Kauf im Netz nach Erfahrungen anderer Kunden mit diesem Anbieter umschauen.“

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