Trend auf der Überholspur

Carsharing: Für welche Autofahrer es sich lohnt – und was man sonst noch wissen sollte

Der Carsharing-Markt in Deutschland boomt – und soll durch ein neues Gesetz zusätzlich gefördert werden. Doch für wen rechnet sich eigentlich stationsbasiertes oder free-floating Carsharing, auch im Vergleich zum eigenen Auto?

Foto: dpa

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In rund 600 deutschen Städten und Gemeinden gibt es bereits Carsharing-Anbieter mit aktuell 1,7 Millionen Kunden. Der Markt wächst schnell: allein im vergangenen Jahr um gut 36 Prozent, wie der Bundesverband Carsharing mitteilte. Durch das Carsharing-Gesetz, das Ende März 2017 verabschiedet wurde und zum 1. September in Kraft treten soll, sollen die Angebote weiter gefördert werden. Doch für wen lohnt es sich eigentlich, auf ein eigenes Auto zu verzichten und sich stattdessen bei einem Carsharing-Unternehmen anzumelden?

Gelegenheitsfahrer profitieren

Grundsätzlich ist Carsharing für solche Fahrer interessant, die nicht täglich aufs Auto angewiesen sind. Wer etwa jeden Tag mit dem Wagen zur Arbeit fährt, kann davon eher nicht profitieren. Die jährliche Fahrleistung sollte 10.000 Kilometer nicht überschreiten, hat der Bundesverband Carsharing in Berlin errechnet. In einer Musterrechnung hat er sämtliche Kosten eines Kleinstwagens mit denen, die bei einem stationsbasierten Carsharing-Angebot entstehen, verglichen.

Die Studie zeigt: Wenigfahrer, die im städtischen Umfeld zu Hause sind, können mit Carsharing oft preiswerter unterwegs sein als mit dem eigenen Wagen – wenn außer Spritkosten auch Versicherungen, Steuern und Werkstattbesuche mit in die Kalkulation einbezogen werden.

Laut Carsharing-Verband sind Einsparungen bis zu 1.500 Euro jährlich möglich, wenn auch der Wertverlust eines Neuwagens betrachtet wird. Als Faustregel gilt: „Je größer das eigene Auto ist, umso besser schneidet Carsharing im Vergleich dazu ab“, heißt es beim Verband.

Stationsbasiertes oder free-floating Carsharing?

Zwei Carsharing-Modelle stehen zur Wahl:

  • Weitverbreitet ist das stationsbasierte Carsharing. Über 140 Anbieter stellen in rund 600 deutschen Städten ihre Dienste zur Verfügung. Beim stationsbasierten Carsharing stehen die Fahrzeuge auf einem fixen Parkplatz, von dem sie abgeholt und wo sie auch wieder abgestellt werden müssen. Vor der Fahrt muss man zunächst einen Wagen buchen, per Computer, App oder telefonisch. Bezogen auf die Anzahl der betriebenen Fahrzeuge gehören Stadtmobil, Cambio und die Bahn-Tochter Flinkster zu den größten Anbietern.
  • Beim Free-floating-Carsharing stehen die Wagen hingegen irgendwo innerhalb des Geschäftsgebiets des Anbieters. Über eine App oder den Computer kann man sie orten und das nächstgelegene Fahrzeug für kurze Zeit reservieren oder spontan einsteigen. Nach der Fahrt kann man diese Wagen ebenfalls an einem beliebigen Ort innerhalb des definierten Bereichs parken, das Zurückbringen entfällt. Diese Carsharing-Variante – Anbieter sind etwa Drive Now und Car2go – erfreut sich wachsender Beliebtheit. 2016 stieg die Zahl der Nutzer um 51,8 Prozent auf mehr als 1,2 Millionen. Die Free-Floater decken besonders den urbanen Automobil-Bedarf: Sie werden eher für innerstädtische Kurzstrecken gebucht. Die Angebote konzentrieren sich vorwiegend auf größere Städte wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, München oder Köln.

Preiswerter ist das stationsbasierte Carsharing. Der Bundesverband Carsharing kalkuliert beispielsweise für einen achtstündigen Tagesausflug, bei dem 100 Kilometer zurückgelegt werden, Kosten von rund 40 Euro. Bei einem Free-floating-Angebot müsste der Kunde mit einem etwa doppelt so hohen Betrag rechnen.

Systembedingt ist das stationsbasierte Carsharing unflexibler – bei der Buchung muss man den Mietzeitraum genau festlegen. Und wer den Wagen zu spät zurückgibt, wird dafür extra zur Kasse gebeten, deshalb sollte man nicht zu knapp kalkulieren.

Manche Carsharing-Anbieter haben beide Varianten im Angebot, zum Beispiel Flinkster in einigen Städten oder Book-n-drive. Aber man kann man sich auch bei einem stationsbasierten und einem Free-floating-Anbieter anmelden und je nach Zweck die passende Variante auswählen: für unvorhergesehene, kürzere Fahrten nimmt man den Free-floating-Wagen, das Auto für den Wochenendeinkauf wird dagegen rechtzeitig bei einem stationsbasierten Anbieter gebucht. Für längere Ausflüge, zum Beispiel übers Wochenende, kann aber auch ein regulärer Mietwagen eine noch günstigere Alternative darstellen.

Ganz gleich ob free-floating oder stationsbasiert – vor der Buchung beziehungsweise Nutzung eines Carsharing-Angebots sollten Kunden auf die Preise und das Kleingedruckte achten.

Verschiedene Preismodelle

Stationsbasierte Anbieter rechnen in der Regel pro Stunde ab. Dazu kommt eine Pauschale von rund 20 bis 30 Cent je gefahrenem Kilometer. Freefloater hingegen werden meist nach Minuten bezahlt.

Daneben gibt es Tarife mit einer monatlichen Grundgebühr, die ein bestimmtes Kontingent an Fahrzeit beinhalten. Auch preiswertere Prepaid-Tarife werden angeboten.

Auf die Selbstbeteiligung achten

Auch beim Versicherungsschutz heißt es aufpassen. Zwar sind im Mietpreis außer den Spritkosten auch Haftpflicht-, Teil- und Vollkaskoversicherung inbegriffen. Aber die Höhe der Selbstbeteiligung ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Der ADAC rät daher dazu, hierauf unbedingt zu achten.

Bei Flinkster beträgt die Selbstbeteiligung zum Beispiel 1.500 Euro, bei Drive Now hingegen müssen bei einem Versicherungsschaden höchstens 350 Euro aus eigener Tasche berappt werden. Die Höhe der Selbstbeteiligung kann allerdings bei etlichen Anbietern gegen Aufpreis reduziert werden.

Vor der Fahrt den Wagen auf Schäden kontrollieren

Außerdem sollte man sich vergewissern, wie voll der Tank bei der Rückgabe sein muss. Und ganz wichtig ist es, den Wagen vor Antritt der Fahrt gründlich auf Schäden, Mängel oder Verschmutzung zu untersuchen – und diese dem Unternehmen zu melden, damit man nicht womöglich für Schäden aufkommen muss, die man gar nicht verursacht hat.


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