Tipp der Woche

Bude zu kalt? Weniger zahlen!


Bibbern, bis der Frühling kommt? Muss nicht sein – auf eine Mietminderung reagieren Vermieter schnell. Foto: Vario Images

So können Mieter auf Mängel in ihrer Wohnung reagieren

Berlin. Dusche kaputt, Heizung kalt, Schimmel an der Wand – viele Mieter ärgern sich über solche üblen Probleme in ihrer Wohnung. Um dann den Vermieter auf Trab zu bringen, gibt es einen einfachen Weg: die Mietminderung.

Man kann aber nicht sang- und klanglos weniger Miete zahlen: „Zuerst muss man den Vermieter über das Problem informieren“, erklärt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Dabei sollte man auf die beabsichtigte Kürzung hinweisen. Aus Beweisgründen macht man das schriftlich.

Schlimme Schäden sofort melden

Manchmal ist man sogar verpflichtet, einen Schaden umgehend zu melden, etwa einen Wasserrohrbruch. „Wenn sich ein Problem verschlimmert, weil man den Vermieter nicht rechtzeitig informiert, macht sich der Mieter schadenersatzpflichtig“, warnt der Experte.

Weiß der Vermieter Bescheid, kann man die Miete ohne jegliche Frist kürzen – und zwar so lange, bis der Mangel behoben ist. Aber Achtung: Kleinigkeiten wie den tropfenden Wasserhahn oder das defekte Flurlicht muss ein Vermieter zwar auch reparieren – weniger Miete überweisen darf man deshalb aber nicht.

„Die Höhe der Mietminderung ist sehr vom Einzelfall abhängig“, sagt Ropertz, „man sollte sich vorher beraten lassen.“ Immerhin geben viele Gerichtsurteile Anhaltspunkte. Das Grundprinzip lautet: 100 Prozent Miete sind nur fällig, wenn die Wohnung zu 100 Prozent in Ordnung ist.

Kann man also die Wohnung nur zu 80 Prozent nutzen, dann muss man auch nur 80 Prozent der Miete zahlen. Einige Beispiele: Blieb es in den Räumen zu kalt, fanden Gerichte Kürzungen von 10 bis 30 Prozent angemessen. Schimmel erlaubte, je nach Umfang des Befalls, Kürzungen von 10 bis 80 Prozent, der Ausfall des warmen Wassers 10 bis 30 Prozent.

Die Minderung muss taggenau berechnet werden: Streikte die Heizung zehn Tage lang, dann darf man auch nur für diese zehn Tage die Miete kürzen. Berechnungsgrundlage ist immer die sogenannte Warmmiete, also die Kaltmiete plus Nebenkosten.

Zwar ist es möglich, dass der Vermieter vor Gericht zieht – er wird dort aber nur gewinnen, wenn die Kürzung unangemessen war. Im Zweifel sollte man eine Minderung also eher vorsichtig ansetzen. „Es geht den Mietern ja letztlich nicht ums Sparen, sondern um eine funktionierende Wohnung“, meint Ropertz.

Vermieter muss nicht schuld sein

Der Experte weiter: „Grundsätzlich hat man natürlich nur Anspruch auf Mietminderung, wenn man den Mangel nicht selbst verursacht hat.“ Wer also versehentlich die Elektrik anbohrt und dann im Dunkeln sitzt, muss nicht nur die Reparatur, sondern auch die volle Miete bezahlen.

Umgekehrt gilt aber: Auch wenn der Vermieter gar nicht für ein Problem wie etwa Baustellenlärm verantwortlich ist, kann der genervte Mieter die Miete kürzen.

 

Silke Becker

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